VonManuela Schauerschließen
Der Zusammenhalt ist in dieser Zeit wichtig. Im Landkreis gibt es bereits eine große Welle an Solidarität.
Landkreis – Alexander Huhn, Geschäftsführer der Caritas in Garmisch-Partenkirchen, erlebt stressige Tage. Das öffentliche Leben im Landkreis erlahmt. Viele Berufstätige arbeiten von zu Hause. Für die meisten Mitarbeiter der Caritas ist das unmöglich. Sie werden gebraucht. Die Pflege der Hilfsbedürftigen muss fortgesetzt werden – Corona hin oder her.
Doch es gibt auch positive Nachrichten in dieser schwierigen Zeit. Huhn berichtet, dass viele Ehrenamtliche sich melden und helfen möchten. Sie bieten an, in ihrer Freizeit Lebensmittel und Medikamente einkaufen zu gehen. Noch benötigt die Caritas diese Hilfe aber nicht. Aktuell ist gewährleistet, dass die Menschen versorgt werden.
Aktuelle Informationen zu Corona im Landkreis gibt‘s im Ticker
Alle Bereiche, die keinen zwingenden Körperkontakt erfordern, wurden entweder abgebaut oder ihre Abläufe geändert. Beratungen werden telefonisch oder per Video-Gespräch geführt. Ist ein persönliches Gespräch notwendig, dann unter Sicherheitsvorkehrungen.
Manche ältere Menschen verzichten auf Dienste der Caritas
Bei pflegebedürftigen Patienten ist Körperkontakt unumgänglich. Dafür wird Schutzkleidung verwendet. Doch diese ist knapp. Neue Kleidung wurde bestellt, jedoch weiß aktuell niemand, wann und in welchen Mengen sie eintrifft. Einige ältere Menschen verzichten aus Vorsicht aktuell auf die Dienste der Caritas. Zwischen 15 und 20 Prozent, schätzt Huhn. Derzeit noch eine Momentaufnahme.
Doch nicht nur die Caritas erhält Nachrichten von hilfsbereiten Personen. Simone Feneberg, Pfarrerin der Evangelisch Kirchengemeinde Murnau, zeigt sich begeistert: „Ich finde es toll, welch eine große Welle der Solidarität uns erreicht.“ Die Geistliche erzählt, dass viele Leute helfen und für Risikogruppen einkaufen möchten. Als Beispiele nennt sie Nachbarschaftshilfen und Jugendliche aus der Kirchengemeinde. Auch in den sozialen Netzwerken würden sich zahlreiche Menschen melden, die bereit wären, die Leute zu unterstützen.
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Oberau: Einkaufshelfer erledigen Besorgungen für Senioren
Auch die Malteser in Garmisch-Partenkirchen freuen sich über Freiwillige. Sie sollen sich in der Dienststelle melden. Zum Schutz der Bevölkerung und der eigenen Mitarbeiter sind alle Treffen vorerst abgesagt. Auch die Besuchsdienste müssen vorübergehend ausgesetzt werden. Die Malteser halten jedoch telefonischen Kontakt zu den betreuten Senioren. Die Versorgung der Menüservice- und Mahlzeiten-Kunden ist sichergestellt.
Schnell waren auch die Verantwortlichen der Nachbarschaftshilfe in Oberau. Günter Meck ist aus dem Häuschen. „Ich bin begeistert von der Reaktion“, sagt der Seniorenbeauftragte der Gemeinde. Mit seinen Kollegen der Nachbarschaftshilfe hat er sich ein neues Angebot ausgedacht: die „Corona-Einkaufshelfer“. Sie sollen in dieser schwierigen Zeit für ältere Menschen, die Risikogruppe, Besorgungen erledigen. Schon jetzt kann er auf zehn Freiwillige bauen.
Die jüngste Helferin ist 13 Jahre
Wichtig war Meck, Jüngere einzuschalten. Schließlich sind unter den zwölf Ehrenamtlichen, die sich im Verein engagieren, vornehmlich Rentner. Das heißt, sie müssen sich nun selbst vor dem Virus schützen. Deshalb kontaktierte Meck Schulleiter Markus Schneider. Der verschickte E-Mails. Und zack: In kürzester Zeit trudelten die Rückmeldungen ein. Die Jüngste im Bunde ist gerade einmal 13 Jahre alt. Aber auch Eltern und eine Lehrerin, die extra aus Garmisch-Partenkirchen kommen, sitzen mit im Boot. „Das find’ ich toll“, betont Meck.
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Um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, stellt er sich vor, dass die Helfer und die Senioren nur kurz in Kontakt treten: Einkaufszettel und Geld überreichen, Waren und Wechselgeld zurückgeben. Das Angebot gilt auch für Betroffene, die die Nachbarschaftshilfe bislang noch nicht in Anspruch genommen haben. Für Meck zählt nur eines: „Halt ma zam.“
Kontakt in Oberau
Günter Meck ist erreichbar unter Telefon 0 88 24/88 29 oder mobil 0151/12 23 92 81
Marco Blanco Ucles
