VonChristian Fellnerschließen
Das steigert die Effektivität: In Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen gibt‘s nun jeweils eine Drive-In-Station. Getestet wird aber nur auf Anordnung des Gesundheitsamts.
Landkreis – Das Bayerische Rote Kreuz macht mobil: Nach der Ausrufung des Katastrophenfalls im Freistaat am Montag nimmt der Aufbau von Hilfsstrukturen in der Region nun Formen an. „Die Strukturen werden hochgefahren“, bestätigt BRK-Sprecher Jörg Jovy. Mehrere hundert erfahrene Einsatzkräfte stehen zur Verfügung. Instruiert werden sie von einen Krisenstab des BRK-Kreisverbands, der unter der Leitung von Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl steht. Mit von der Partie sind Michael Debertin für den Bereich Versorgung/Organisation, Franz Manghofer für die Kinderbetreuung, Hans Steinbrecher für den Rettungsdienst sowie Jovy für die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir treffen uns derzeit täglich, sind aber so ausgerüstet, dass wir auch aus dem Homeoffice heraus arbeiten könnten“, betont Jovy.
Auftrag des BRK ist es aktuell, die Bevölkerung medizinisch zu versorgen sowie das Landratsamt als maßgeblich Behörde bei der Bewältigung der Corona-Krise zu unterstützen. Zentrale Aufgabenfelder kommen auf die BRK-Experten zu: Das Betreiben von Drive-In-Teststationen in Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald, die Versorgung von Menschen in Quarantäne sowie der Risikogruppen (Ältere oder mit Vorerkrankung) sowie ein Betreuungsangebot für Kinder von Familien zu schaffen, die in den sogenannten systemrelevanten Berufen (medizinisches Personal, Feuerwehr, Polizei) arbeiten.
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Drive-In-Stationen
Auch bisher hat das BRK dem Gesundheitsamt beim Abarbeiten der Corona-Tests unter die Arme gegriffen. „Wir haben die Adressen und das Material bekommen, sind zu den Leuten gefahren und haben die Tests wieder zurückgebracht“, beschreibt Jovy. Nun wird das Test-Verfahren durch zwei Drive-In-Stationen in der Region ergänzt, die das BRK betreut. Im Speziellen die CBRNE-Experten, die im Umgang mit chemischen, biologischen, radiologischen, nuklearen und explosiven Stoffen geschult sind. „Im Landkreis haben wir eine Einheit mit zwölf Leuten, die immer schon mit den Schutzanzügen trainieren, die man aus den Katastrophenfilmen kennt“, sagt Jovy. Um diese Fachmänner nicht zu verheizen, hat das BRK nun weitere Mitarbeiter aus den Bereitschaften sowie der Wasserwachten geschult, die den Spezialisten assistieren. „Wir wollen in jedem Ort lokale Kräfte haben, die unterstützen können.“ Das Netzwerk wird systematisch erweitert. „Somit braucht bei den Tests nur einer aus der Einheit dabei zu sein, der lokal Hilfe bekommt.“
Die Drive-In-Posten wurden errichtet, um die Effektivität zu steigern. „Teilweise waren unsere Leute sechs Stunden unterwegs, um acht Stationen im Landkreis anzufahren“, sagt Jovy. Mit den Einrichtungen, die Garmisch-Partenkirchen am Wittelsbacher Park sowie in Mittenwald an der Schule am Mauthweg aufgebaut sind, reduziert sich der Aufwand deutlich. „Die Leute fahren mit dem Auto vor, lassen sich testen, fahren wieder weg. Das dauert vielleicht zwei Minuten.“
Wichtig in dieser Hinsicht: Das BRK bietet an diesen Standorten keinen Service für die Allgemeinheit an. „Getestet wird nur auf Anordnung durch das Gesundheitsamt“, stellt der BRK-Mann klar. „Alle anderen müssen sich bei ihren Hausärzten melden.“ Jovy macht auch deutlich, dass es keine Pflicht für Verdachtsfälle gibt, den Test über eine der Drive-In-Stationen machen zu lassen. „Wer das nicht will, nicht mobil ist oder Angst hat, zu dem kommen wir natürlich weiterhin.“ Am Mittwoch fanden am Wittelsbacher Park allerdings bereits 20 Testabnahmen statt.
Versorgung der Bürger
Als Hintergrund für die Bemühungen der Hilfskräfte hinsichtlich der Versorgung nennt Jovy eine markante Zahl. „Wir haben im Landkreis 20 000 Single-Haushalte mit älteren Menschen. Davon werden nicht alle die Möglichkeit haben, sich selbst noch zu helfen.“ Die Betroffenen sollen im Alltag unterstützt werden, beispielsweise bei Einkäufen, vor allem, falls tatsächlich eine Ausgangssperre kommt. Das BRK wird das Landratsamt und die Gemeinden unterstützen. „Wir planen, in jedem der 22 Orte ein Fahrzeug mit einem Fahrer zu stellen“ betont Jovy. Wenn in Gemeinden wie in Bad Kohlgrub der Laden das vor Ort regelt, soll dieses Angebot weiterhin aufrechterhalten werden. „Aber es gibt eben auch Gemeinden wie Spatzenhausen, in denen es überhaupt keine Einkaufsmöglichkeit gibt.“ Dafür will das BRK Abhilfe schaffen.
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Auch sollen demnächst Listen veröffentlicht werden mit sämtlichen wichtigen Telefonnummern für die Menschen in ihren Heimatorten. „Das ist alles im Entstehen.“Am weitesten in Sachen Versorgung ist bisher das Obere Isartal. Dort soll am Montag in den Gemeinden Wallgau, Krün und Mittenwald der Einkaufsdienst anlaufen.
Kinderbetreuung
Das BRK plant auch ein Betreuungsangebot für Kinder in der Region, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen tätigt sind, die quasi aufgrund ihres Jobs aktuell eingebunden und unabkömmlich sind. „Wir haben im Landkreis drei offene Ganztagesschulen in Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen und Bad Kohlgrub, die nun geschlossen sind“, betont Jovy. „Wir verfügen also über pädagogisch geschultes Fachpersonal.“ Das könnte mobilisiert werden. „Das sind sicher 30 Personen, die wir für die Betreuung einsetzen könnten.“ Allerdings ist derzeit nicht geklärt, wo dieses Angebot betrieben werden soll und wie es aussehen würde. „Es ist noch nichts entschieden“, sagt Jovy.
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