VonChristiane Mühlbauerschließen
Als noch Autos durch die Marktstraße fuhren oder die Kurgäste aus „Bad Krankenheil“ grüßten: All das ist bei einer Ausstellung historischer Postkarten zu sehen.
Bad Tölz – Bad Tölz feiert heuer 120 Jahre Heilbad und darf sich seit 50 Jahren heilklimatischer Kurort nennen. Diese Jubiläen stehen bei einer Ausstellung am 29. Juni im Kleinen Kursaal im Mittelpunkt. Gezeigt werden historische Postkarten. Sie erzählen viel über die Tölzer Geschichte.
Die Ausstellung wird von den Briefmarkenfreunden Bad Tölz, Hausham und Holzkirchen organisiert, die heuer 70-jähriges Bestehen feiern. Deshalb wird bei der Ausstellung einiges geboten (siehe Kasten).
Die Gruppe besteht aus leidenschaftlichen Briefmarken- und Postkartensammlern, die durch ihr Hobby geschichtliche Zusammenhänge und politische Entwicklungen auf interessante Weise verfolgen können. Gisbert Pohl (75) zum Beispiel sammelt seit über 50 Jahren Postkarten. Mittlerweile verfügt er über rund 7000 Exemplare mit Ansichten aus dem Landkreis, davon zeigen rund 3000 Bad Tölz. Darunter befinden sich einmalige Exemplare. Eine Auswahl, betreffend 120 Jahre Heilbad und 50 Jahre heilklimatischer Kurort, zeigt Pohl am 29. Juni.
Die älteste Postkarte aus Bad Tölz in der Sammlung stammt von 1897
Die Postkarten bewahrt Pohl in speziellen Alben in besonderen Folien auf. „Briefmarken haben mich schon immer interessiert, dann kamen die Postkarten hinzu“, sagt der Tölzer. Gesammelt und getauscht wird auf Börsen, auf Flohmärkten und im Internet.
Seine ältesten Postkarten aus Bad Tölz stammen aus dem Jahr 1897. Zu sehen ist die „Villa Germania“, dort steht heute die evangelische Johanneskirche. Auf der Postkarte sieht man schon eine Kapelle im Hintergrund der Villa.
Damals war die Vorderseite der Karte das Adressfeld, auf der Rückseite befand sich ein Bild, und darunter war Platz für einen Gruß. „Das änderte sich erst 1905“, sagt Pohl. Die Aufteilung zwischen Adresse- und Grußfeld auf der einen Seite sowie Bild auf der anderen Seite gibt es bis heute.
Die Grußbotschaften haben sich übrigens im Lauf der Zeit nicht groß geändert. „Die Leute schreiben übers Wetter, über ihre Ausflüge, übers Essen und bestellen Grüße“, sagt Pohl lächelnd. „Manche schreiben sehr kurz, manche ganze Romane.“
Spannender Spaziergang durch die Stadtgeschichte von Bad Tölz
Wer durch Pohls Album blättert, unternimmt einen spannenden Spaziergang durch die Tölzer Stadtgeschichte. Bis 1899 ist auf den Karten die Bezeichnung „Bad Krankenheil Tölz“ zu lesen. Vorzugsweise wird eine Kurpension abgebildet. Zudem gab es Saisonstempel, übrigens auch in Lenggries.
Die Poskartengestalter, etwa Martin Faustner, waren sehr kreativ. Pohl besitzt eine seltene Dreifach-Panorama-Karte, die man aufklappen kann. Er hat auch eine „Riesenpostkarte“ im DinA4-Format, die kaum zu beschriften war, aber beim Empfänger sicherlich mächtig Eindruck hinterlassen hat. Auf den Karten wird die Isar häufig sehr breit dargestellt. Jemand schrieb dazu: „Tölz mit See.“ Eine Zeit lang waren Karten mit dem bayerischen oder Tölzer Wappen groß in Mode. Interessant sind auch Karten, die zu leuchten beginnen, wenn man sie gegen das Licht hält.
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Spott-Karten waren auch damals schon in Umlauf. Eine kolorierte Karte zeigt Kurgäste beim Wandelgang, über ihnen schwebt ein Glas Bier, nach dem sie sich sehnen. Etwas ganz Besonderes ist eine Postkarte aus dem Jahr 1902, auf der die Titelseite des Tölzer Kurier abgebildet ist. „So etwas ist extrem selten zu finden“, sagt der Sammler.
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Weil Postkarten früher bestes Werbemittel waren, wurden dann auch „Marketingkarten“ in Auftrag gegeben, beispielsweise von der Jodquellen AG. Unter einer holzschnittartigen Darstellung wird für die „Heimat der Tölzer Jodtabletten“ geworben. Anwendungsgebiete und Einnahmeempfehlungen standen auf der Rückseite.
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In der Ausstellung im Kleinen Kursaal wird Pohl all diese Karten zeigen. Das Sammeln geht für ihn natürlich weiter. „Man entdeckt immer wieder etwas Neues“, freut er sich.
Infos zur Ausstellung
Die Briefmarkenfreunde Bad Tölz, Hausham und Holzkirchen laden am Samstag, 29. Juni, von 9 bis 15 Uhr zur Ausstellung und zum Großtauschtag in den Kleinen Kursaal ein. Der Eintritt ist frei. Gezeigt werden nicht nur die besonderen Postkarten zur Tölzer Kur-Geschichte von Gisbert Pohl, sondern auch sehenswerte Sammlungsteile der Vereinsmitglieder. Die Deutsche Post betreut an diesem Tag im Kleinen Kursaal eine Sonderfiliale und hat einen Sonderstempel parat.
Passend zu diesem Sonderstempel hat der Verein eine Sonderkarte zum Thema „50 Jahre Heilklimatischer Kurort“ und „120 Jahre Kurort“ gestaltet. „Frankiert mit der Sondermarke ,150 Jahre Tölzer Leonhardifahrt‘, herausgegeben am 3. November 2005, wird die Sonderkarte die Sammlerherzen höher schlagen lassen“, verspricht der Vorsitzende Holger Ritthaler. Während der Veranstaltung werden Briefmarken, Briefe, alte Ansichtskarten und Münzen getauscht, gekauft und verkauft. Kataloge und Literatur liegen aus.
Die ganze Bevölkerung ist eingeladen. Für Getränke und kleine Speisen ist gesorgt. Weitere Infos auf www.briefmarkenfreunde-badtoelz-hausham.de


