Hoffnungsrunde im Stadtrat Miesbach

Neue Chance für die Bäume am Harzberg?

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Bäume in Gefahr: Unterhalb des Fritz-Freund-Parks im unteren Drittel des Harzbergs droht die Fällung, weil an der Bayrischzeller Straße nördlich der Einmündung Carl-Fohr-Straße der ALB entdeckt wurde.
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Alles versuchen. Das fordern die Anwohner am Harzberg in Miesbach und die Mitglieder der Interessengemeinschaft Fritz-Freund-Park, um möglichst viele Bäume erhalten zu können, die ab Februar gefällt werden sollen.

Mit ihrer zentralen Forderung – die Stadt soll einen Antrag auf Ausnahme stellen – scheinen die Aktivisten nun Gehör gefunden zu haben. Der Stadtrat befasst sich am Donnerstag, 23. Januar, mit dem Thema. Beginn: 16 Uhr.

Neue Chance für die Bäume am Harzberg?

Im Waitzinger Park hat ein Unbekannter mit Kreuzen und Baumsprüchen still protestiert.

Der Punkt war ursprünglich nicht vorgesehen, wurde aber aufgrund des Drucks seitens der Bürger nachgeschoben. In der Sitzung sind auch Vertreter der federführenden Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising sowie des für Forstbereiche und damit für den Hallenwald am Harzberg zuständigen Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen dabei. Beide haben auch die Infoversammlung im Waitzinger Keller durchgeführt.

Rotbuchen sollen keine Wirtspflanzen des ALB sein

Die Position der engagierten Bürger ist klar: Die Stadt soll nicht nur für den Waitzinger Park, sondern auch für den unteren Bereich des Harzbergs eine Ausnahme von der Fällung beantragen. Denn dieser Bereich mit seinen vielen 100 bis 200 Jahre alten Rotbuchen sei ebenso prägend für die Stadt sowie historisch, kulturell, ökologisch und gesellschaftlich wertvoll wie der Park. Auch betonen die Anwohner Karin und Marinus Bracher, Sylvia Kaufmann und Volker Waldmann, dass Rotbuchen keine ALB-Wirtspflanzen seien – die Liste der EU sei fehlerhaft. In Deutschland habe es noch gar keine befallene Rotbuche gegeben, und in Österreich sei es eine andere Unterart gewesen.

Auch Sicherheitsbedenken stehen im Raum. So befürchtet die Familie Frick, die direkt unterhalb des Waldstücks wohnt, dass der Hang ins Rutschen kommen könnte, wenn diese alten, stabilen Bäume gefällt werden. Im Geoportal des Landkreises sei der Bereich als „bei Waldverlust und Starkregenereignis als gefährdet“ vermerkt.

Bürgermeisterin verärgert über aufgemalte Baum-Kreuze

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz hat das Thema nun nachgeschoben: „Wir werden diese Punkte behandeln. Wir wollen den Dialog aufrecht erhalten.“ Jedoch betont sie, dass die Stadt nicht Herrin des Verfahrens sei. „Wir würden gerne alle Bäume stehen lassen. Aber wir können die EU-Durchführungsverordnung nicht ignorieren, und wir wollen den Asiatischen Laubholzbockkäfer auch loswerden.“

Insgesamt sei die Situation extrem schwierig. „Wir wünschen uns auch mehr Informationen“, sagt Pongratz. So gebe es immer noch keinen Termin für die Besichtigung des Waitzinger Parks mit dem Julias-Kühne-Institut in Braunschweig, das bundesweit maßgeblich ist.

Wenig erfreut ist Pongratz auch über den stillen Protest im Park. Ein Unbekannter hat Bäume mit weißen Kreuzen und Baumsprüchen versehen. „So ein Schmarrn verwirrt und schürt Emotionen“, sagt sie. „Durch die uns unbekannte Farbe ist ein Schaden entstanden.“ Auch bedeuteten die Kreuze nicht, dass diese Bäume gefällt werden.

ddy

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