Das Neubau-Vorhaben der Familie de Alwis für den Schlierseer Hof hat noch einen weiten Weg vor sich. Die potenziellen Stolpersteine reichen von Retentionsflächen bis hin zu einem etwaigen Bürgerbegehren.
Schliersee – Die Familie de Alwis kann sich bei ihren Neubauplänen für den Schlierseer Hof auf hohe Hürden einstellen. Das ist nach den ersten sogenannten Scoping-Terminen klar, bei denen Gemeinde, deren Planer und einzelne Behördenvertreter zusammenkamen, um vorab kritische Punkte zu identifizieren. Die Ergebnisse kamen nun kurz im Gemeinderat zur Sprache. Angesichts der Größe des Vorhabens ist nicht unwahrscheinlich, dass noch jemand ganz anderes ein gewichtiges Wort mitreden wird: die Schlierseer Bürger.
Bauherr muss Flächen am See auftreiben
Ein größeres Problem könnten die Retentionsflächen werden. Wer Flächen bebaut, die bei Hochwasser überflutet werden, staut das Wasser auf. Dafür verlangt der Gesetzgeber einen Flächenausgleich, den der Bauherr nachweisen muss. Auf dem Grundstück des Schlierseer Hofs ist das wohl nicht zu schaffen, Walter de Alwis und Sohn Marcel müssen diese Fläche, die zwangsläufig am See liegen muss, also auftreiben.
Höhe sorgt auch bei Kreisbaumeister für Stirnrunzeln
Wenig überraschend sehen auch Denkmalschutz und Kreisbaumeister kritische Punkte. Der Standort sei für ein Hotel gut geeignet, „der geplante Baukörper stellt aber aufgrund seiner Höhe und Länge einen massiven Maßstabsbruch im Ortsgefüge dar“. Wie berichtet, sehen die Planungen drei große Baukörper mit fünf Stockwerken plus Dachgeschoss und Platz für 116 Zimmer vor. Sie nehmen neben dem Bestand auch das Grundstück des benachbarten Siebzehnrübl in Anspruch, das de Alwis hatte kaufen können. Ja sogar Seefläche würde gewissermaßen überbaut. Der geplante Pool am Wellnessgebäude würde ins Wasser ragen, und eine Gastrofläche auf einem festen Floß ebenso.
Dafür muss sich der Bauwerber das Okay der Schlösser- und Seenverwaltung holen, die beim Vor-Ort-Termin zumindest mal Skepsis hinterlegte wie beim Sachvortrag im Gemeinderat. Gutachten beziehungsweise Nachbesserungen verlangten auch die Straßenverkehrsbehörde, der Natur- sowie der Immissionsschutz am Landratsamt. Das Wohlwollen des Gemeinderats allein wird bei Weitem nicht reichen.
Bis das Bebauungsplan-Verfahren startet, könnte es leicht 2024 werden
Der könnte immerhin Hürden wie zu geringe Abstandsflächen und Abweichungen von der Stellplatzsatzung aus dem Weg räumen, um dem Vorhaben den Weg zu ebnen. Dieser ist noch lang und steinig. Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) spricht davon, dass „wir vielleicht in einem Jahr ins formale Verfahren einsteigen“.
Und selbst bei einem abschließenden Ja des Gemeinderats bleibt die Frage, ob auch die Schlierseer Bevölkerung „das begehrenswerteste Hotel Deutschlands“, das Marcel de Alwis hier vorschwebt, haben möchte. Das Gebäude würde mindestens ortsbildprägend, sich möglicherweise wichtiger nehmen als das zentrale Bauwerk des Ortes schlechthin, und das ist im Oberland nun mal die Kirche. Diesen Eindruck versuchte das Planungsbüro von de Alwis bei der Präsentation im Gemeinderat vom Tisch zu wischen. In Fotos von verschiedenen Standpunkten in Schliersee aus montierten die Architekten die Hotelplanung hinein. Das Ergebnis sollte unterstreichen, was sie zuvor gesagt hatten, nämlich, dass sie um jeden Zentimeter Höhe gekämpft hatten und sich das 30-Millionen-Euro-Projekt nicht als Herr über Ort und See aufspiele.
Nichtsdestotrotz ist das Thema Bürgerentscheid bei Projekten dieser Art nie weit, und auch Schnitzenbaumer sagt, er habe Walter de Alwis von Beginn an über diese nicht unwahrscheinliche Möglichkeit informiert.