Hohenburger Schulprojekt

Lenggrieser Plastikpiraten  erforschen Müll an der Isar

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Plastikpiraten am Werk: Paulina Schwaebe (li.) und Tamara Höcherl.

Die Hohenburger Schülerinnen sind jetzt „Plastikpiraten“. Sie erforschen die Vermüllung der Isar.

Lenggries – „Sind’s schon 20 Meter?“, ruft Paulina Schwaebe durch das Dickicht. „Nein, es geht noch ein ganzes Stück“, hallt die Antwort von Tamara Höcherl zurück. Die beiden stehen am Isarufer, nicht weit weg von der Lenggrieser Brücke. Genauer: Höcherl (44), Mathematiklehrerin am St. Ursula Gymnasium, steht an der Flusskrone. Das ist die Erhöhung an der Isar, an der der Fußgängerweg entlangführt. Schülerin Paulina (13) zieht von dort ein langes Maßband über einen zugewachsenen Trampelpfad durch die Flussböschung zum Isarufer. Was Höcherl und Schwaebe da tun? Sie betreiben Bürgerforschung.

Denn die AG Umwelt der Lenggrieser St.-Ursula-Schulen beteiligt sich in diesem Jahr an dem Projekt „Plastikpiraten – das Meer beginnt hier“. Höcherl und acht Schülerinnen helfen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Monat lang dabei, die Plastikverschmutzung an deutschen Flüssen zu messen. Die „Schlosswepsn“, so nennen sich die Hohenburgerinnen, testen Isarwasser und Isarstrand auf Höhe Lenggries.

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Hintergrund des Projekts ist die Forschung nach der Entstehung der gigantischen Plastikmüll-Teppiche, die in den Ozeanen schwimmen. Weggeworfenes Plastik und Plastikkleinstteilchen aus Kosmetik (Mikroplastik) verteilen sich über Flüsse in die Meere, Böden und Tiere. Über die Nahrungskette landet es auch im menschlichen Körper. Erkenntnisse zur Herkunft der Kunststoffe im Meer sollen eben jene „Plastikpiraten“ wie die Hohenburgerinnen bringen. Die Methodik, also wie und wo die Schülerinnen welche Tests machen sollen, erklärt ein Arbeitsheft des Ministeriums.

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Am Donnerstag verglichen Höcherl und Schwaebe die Plastikbelastung der Natur aus drei verschiedenen Entfernungen zum Wasser. „Wir messen an Flussufer, Böschung und Krone“, berichtet Höcherl. Die beiden sind an diesem Tag nur zu zweit, die anderen Schülerinnen waren verhindert. Die Studie gibt ihnen ein Raster vor, um die Proben zu machen. An neun Stellen eines abgesteckten Gebiets begutachten sie die Müllbelastung des Bodens, sammeln Verpackungen, Zigarettenstummel und Glas zusammen. „Dann legen wir den Müll auf ein weißes Tuch und machen ein Beweisfoto davon“, sagt Höcherl. Die erhobenen Daten lade sie dann auf der Internetseite des Ministeriums hoch.

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Weil es kostenintensiv und zeitaufwendig ist, alle Flussläufe in Deutschland einzeln zu untersuchen, greifen Wissenschaftler auf die Hilfe sogenannter „Citizen Scientists“, zurück. „Bürgerforschung“ klingt auf deutsch weniger schick, liegt aber im Trend. Auch die Datenerhebung zum Insektensterben konnten nur durch die jahrzehntelange Hilfe von Bürgerforschern gelingen.  Nora Linnerud

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