Die Welt ist klein. Vor einigen Monaten berichtete der Tölzer Kurier über den Wechsel von Rupert Grübl an die Spitze der Landeszentrale für politische Bildung. Der Benediktbeurer war Direktor des Gymnasiums Fürstenried in München. Die Stelle war seitdem vakant. Nun ist sie wieder besetzt. Mit einem Tölzer Pädagogen. Ab 18. Februar ist Holger Küst in Fürstenried.
Bad Tölz – Küst war zuvor achteinhalb Jahre am Seidl-Gymasium, zuletzt als stellvertretender Schulleiter. Er gehe, sagte er gestern im Gespräch „schon mit einem weinenden Auge“ weg von Bad Tölz. bei der Antwort auf die Frage nach dem Warum muss der 47-Jährige doch ein bisschen ausholen. Der gebürtige Hamburger kam mit seinen Eltern weit herum, bevor er im Süden Deutschlands in Icking ansässig wurde. Hannover, Ansbach, Florida, Toronto, die Niederlande nennt er einige Lebensstationen. Studiert habe er in Würzburg und Austin/Texas, bevor er schließlich als Englisch- und Sportlehrer drei Jahre in Waldkraiburg, sieben Jahre in Oberhaching und schließlich in Tölz arbeitete. Mit der Fächer-Kombi Englisch/Sport sei er übrigens, so der frühere Basketballer auf Nachfrage, durchaus „kein Exot“. Apropos USA und Kanada: Küst hat auch das dortige Gesamtschulkonzept gut kennengelernt. Das deutsche, gegliederte Schulsystem wird seiner Meinung aber nach den Bedürfnissen der Schüler „besser gerecht“.
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Der verheiratete Vater von drei Kindern hat einiges gesehen in der (Schul)-Welt und vieles mitgenommen. Er traue sich, sagt er, schon ein Urteil über Tölz zu. Das sei schon eine besondere Schule. Er habe das Seidl-Gymnasium nicht nur als Lernort, sondern vor allem auch als Lebensraum erlebt. Schüler, Eltern und Kollegium seien über die Schule hinaus näher zusammengerückt. Die Erinnerung an einen „behutsamen und achtsamen Umgang miteinander“ ist Küst wichtig. Sie nimmt er mit an die neue Schule. Dort will er „erst einmal gut zuhören“ und offen sein. Besonders vermissen wird er von Tölz „den musischen Zweig“ mit seinem persönlichkeitsbildenden Charakter weit über die Schulalltag hinaus.
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Küsts Stelle wird nun ausgeschrieben und bleibt voraussichtlich ein halbes Jahr vakant. Der Kollegenkreis werde seine Aufgaben übernehmen, sagt der scheidende Stellvertreter.
Gerüchte, die gestern in Tölz die Runde machten, wollten freilich auch wissen, dass das Kultusministerium schlicht und einfach vergessen habe, eine schnelle Nachfolge zu organisieren.
Dass Holger Küst jedenfalls nicht ganz einfach zu ersetzen sein wird, machte auf Nachfrage Elternbeiratsvorsitzende Natascha Mahnel deutlich. Küst sei beliebt und geschätzt gewesen. Die Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat sei sehr angenehm gewesen. Küst habe gerade in der Übergangszeit nach Direktor Vorleuters Weggang einen kompetenten und souveränen Job gemacht. „Wir bedauern sehr, dass er geht.“ Aber, bemüht sich Mahnel um einen positives Blick, „die neue Schule braucht auch einen guten Direktor.“
Von Christoph Schnitzer