VonJohannes Welteschließen
Zwei Touristen aus den Niederlanden wollten mit Sneakers und Jogginghose auf die Zugspitze - wo 2,70 Meter Schnee liegen. Die Sache ging schief. Nicht zum ersten Mal.
Garmisch-Partenkirchen - Auf der Zugspitze liegen 2,70 Meter Schnee, Tag und Nacht herrschen zweistellige Minusgrade. Trotzdem versuchten am Dienstag (16. April) zwei Niederländer in Turnschuhen und Jogginghose vom Tal aus den Gipfel zu erklimmen. Der Versuch endete mit einem Einsatz der Bergrettung - nicht der erste dieser Art seit Frühlingsbeginn.
Im hüfthohen Schnee ging es nicht mehr weiter
Gegen 15 Uhr wurden die Retter von den Niederländern zu Hilfe gerufen. Das Duo wollte zu Fuß über das Reintal zur 2962 Meter hohen Zugspitze aufsteigen. Auf Höhe der derzeit geschlossenen Knorrhütte in rund 2000 Metern Höhe kamen sie wegen des hüfthohen Schnees nicht mehr weiter.
„Es zeigte sich, dass weder Turnschuhe noch Jogginghose für eine Zugspitzbesteigung im Winter geeignet sind“, so die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen auf Facebook. „Die beiden wurden von zwei Einsatzkräften und einem Polizeihubschrauber bei turbulenten Windverhältnissen geborgen“, heißt es weiter.
Kummer dieser Art ist Toni Gehringer, Leiter der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen, in diesen Wochen gewohnt. „Mitte April liegt in den Hochlagen noch viel Schnee, der bei erneutem Schneefall oberhalb von 900 Metern liegen bleibt. Das war den beiden offenbar nicht bewusst.“ Für Gehringer ein Beispiel für schlechte Tourenplanung. „Man muss sich über die aktuellen Tourenverhältnisse informieren und nicht nur Tourenbeschreibungen im Internet studieren, die für Sommertouren gedacht sind.“
Auf der Zugspitze ist noch die Skisaison am Laufen
Das nächste Problem: „Viele kehren nicht um, wenn es notwendig wäre.“ In diesem Fall hätte es geholfen, sich über den Skibetrieb auf der Zugspitze zu informieren. „Dort laufen die Lifte noch“, sagt Gehringer. Nur am Dienstag war Sturmpauser.
Erst Mitte März rückten Gehringers Leute aus, um vier Wanderer zu retten, die im Reintal am Fuß der Zugspitze auf 1500 Metern nicht mehr weiterkamen. Zweimal musste der Hubschrauber Christoph Murnau anrücken, um das Quartett ins Tal zu bringen. „Klappspaten, Bunsenbrenner, diverse Planen und Rucksäcke mit mehr als 50 Litern Inhalt mögen im Flachland adäquate Campingutensilien sein, im Gebirge sind sie völlig fehl am Platz und völlig ungeeignet“, heißt es bei der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen.
Mit Bunsenbrenner und Klappspaten auf Deutschlands höchstem Berg
Auch Willi Kraus, Bereitschaftsleiter der benachbarten Bergwacht Grainau, kennt das Problem, dass im Frühjahr die Berge unterschätzt werden: „Wir hatten erst zwei Franzosen, die bei Föhnsturm mit Tourenschuhen und Tourenrucksack auf die Alpspitze wollten.“
Die beiden hätten sich verirrt und erst um 17 Uhr um Hilfe gerufen. „Sie hatten sich offenbar verirrt und waren einen alten Knappensteig gegangen, der im Nichts endet.“ Schließlich standen sie im Höllental an der Schlucht, wo im Winter die Brücke wegen der Lawinengefahr abgetragen wird. Auch sie wurden mit dem Hubschrauber geborgen.
Auch die Tiroler Kollegen der bayerischen Bergwacht erleben auf der österreichischen Seite der Zugspitze derzeit hanebüchene Sachen. Zwei knickrige Urlauber wollten in Turnschuhen auf einem zugeschneiten Klettersteig auf die Zugspitze, um das Geld für die Bergbahn zu sparen!
Woanders kommt die Gefahr oben: In der Schweiz donnerte ein riesiger Bergsturz vor den Augen von Skiwanderern in die Tiefe. Manchmal lauert die Gefahr auch im Tal, wenn Alkohol mit im Spiel ist.
