Tragödien entfachen Debatte

Unglücksserie beim Après-Ski in Tirol: Skilehrer stürzt in Schlucht – Urlauber tot nach Party in St. Anton

+
Die Feuerwehr Mayrhofen birgt den verunglückten Holländer aus der Zemmschlucht.
  • schließen

Nach einer Après-Skiparty im Tiroler Zillertal ist ein Niederländer in eine Schlucht gestürzt. Die Feuerwehr konnte nur noch seine Leiche bergen. Nicht der erste Fall dieser Art.

Mayrhofen – Tirol ist die wohl beliebteste Destination für Wintersportler in ganz Europa. Aus allen Ländern des Kontinents strömen die Skitouristen in das österreichische Bundesland. Nicht nur wegen seiner schneesicheren Pisten. Nach der er letzten Abfahrt fließt hier auch gerne Alkohol. Vor allem Sölden und Ischgl sind für ihre Après-Ski-Partys berühmt-berüchtigt. Doch auch am Arlberg oder im Zillertal lässt man nichts anbrennen. Die Feste sind beliebt. Im Hauptort des Zillertales Mayrhofen endete die letzte Après-Skiparty der Saison allerdings tragisch.

Drama beim Après-Ski in Tirol: Skilehrer stürzt nach Saisonabschlussparty in 50 Meter tiefe Schlucht

Am Freitagabend (5. April) feierte ein 19-jähriger Skilehrer aus den Niederlanden mit seinen Kollegen den Saisonabschluss. Er hatte die ganze Saison im Zillertal gearbeitet, berichtet tt.com. Die Party fand demnach in der Zemmschlucht bei Mayrhofen statt. „Wir sagen Gumpen dazu“, so Bürgermeister Hans Jörg Moigg zu der Zeitung: „Das ist ein Ausflugsziel in der freien Natur, Lokal gibt’s dort keines.“

Dem Polizeibericht zufolge brach der 19-Jährige am späten Abend zu Fuß nach Mayrhofen auf.  Er ging „bei völliger Dunkelheit entlang der Zillertal Bundesstraße und stürzte dann aus bisher unbekannter Ursache von der Zemmbachbrücke in die darunterliegende Schlucht“, heißt es im Polizeibericht. Seine Freunde verständigten die Polizei.

Wenige Tage zuvor stürzte ein Norweger in St. Anton neben einer Après-Ski-Bar in den Tod

„Der 19-Jährige wurde nach einer kurzen Suche von Beamten der PI Mayrhofen leblos in der ca. 50 Meter tiefen Schlucht entdeckt“, heißt es weiter. Die Leiche des Mannes wurde gegen 23 Uhr von Bergrettung, Wasserrettung und Feuerwehr geborgen. „Eine Obduktion ergab keine Indizien in Richtung Fremdverschulden“, schließt der Polizeibericht.

An dieser Stelle stürzte der Après-Ski-Gast in St. Anton in den Tod.

Erst am Dienstagabend zuvor war in St. Anton ein Norweger nach dem Besuch eines Après-Ski-Lokals gestorben. Der 25-Jährige stürzte auf der Ostseite des Lokals über eine Mauer und fiel etwa 50 Meter über teils senkrecht abfallendes, felsdurchsetztes Gelände in die Tiefe und prallte auf. Der Mann wurde erst am Mittwoch gegen 13.20 Uhr tot aufgefunden.

Deutscher Urlauber stürzt in reißenden Gebirgsbach: „Der Gehsteig war zu Ende“

Glück hatte hingegen ein deutscher Urlauber, der in Sölden am Dienstag voriger Woche kurz vor Mitternacht über die steile Steinböschung in die reißende Ötztaler Ache gestürzt war. Er konnte sich auf einen Felsvorsprung retten. Einsatzkräfte der Bergrettung Sölden zogen den Mann daraufhin am Seil die rund zehn Meter die Bundesstraße herauf. Er hatte zum Glück nur Abschürfungen erlitten.

„Auf einmal war der Gehsteig zu Ende“, erklärte der sichtlich betrunkene Urlauber laut Krone seinen Rettern den Absturz. „Der Mann hatte sich auf dem Heimweg von einem Lokal im Ortszentrum in seine Unterkunft befunden, ist allerdings auf der Dorfstraße in die falsche Richtung gegangen“, berichtet Einsatzleiter Maximilian Riml der Zeitung.

Dann habe er die Straße überquert und sei in der Ache gelandet – weil eben der Gehsteig zu Ende gewesen sei. „Allein gelang es ihm nicht, über die felsige Böschung zurück hinaufzukommen.“ Im März war ein alkoholisierter Tourist in Sölden in den Rettenbach gestürzt, nachdem er sich mit dem Taxifahrer über den Fahrpreis gestritten hatte. Ihn musste die Feuerwehr mit einer langen Leiter unterkühlt aus dem Gebirgsbach holen.

Politiker fordern Regeln für den Alkoholausschank in den Skigebieten

Das Problem Alkohol haben die Verantwortlichen längst erkannt: Der Bürgermeister von St. Anton, Helmut Mall, fordert schon länger strengere Gesetzen. „Es braucht Regeln. Party machen ist gut und recht“, so Mall zur Tiroler Tageszeitung. Er wolle Après-Ski nicht verbieten. Aber: „Die Auswirkungen von zu viel Alkohol und Drogen sieht man jedoch erst später. Dann ist es meist aber zu spät.“ Er appelliert auch an die Eigenverantwortung der Urlauber: „Trinken tut schlussendlich jeder selbst.“

Tourismus-Landesrat Mario Gerber meint: „Die tödlichen Unfälle der vergangenen Tage und Wochen nach dem Après-Ski zeigen, dass wir dafür sensibilisieren müssen, beim Thema ,Feiern und Alkohol‘ mit Maß und Ziel vorzugehen.“

Ebenfalls in der Mayrhofener Zemmschlucht war dieser Tage ein deutscher Skitourist mit dem Auto abgestürzt, offenbar weil ihn das Navi auf eine Forststraße geschickt hatte, auf der ein Felssturz den Weg blockierte. Felsstürze hatten in den vergangenen Wochen immer wieder Alpenstraßen blockiert. Zuletzt wurden sogar drei Autos von großen Brocken durch einen Felssturz Adria-Autobahn getroffen. Darüber hinaus ist die Adriaroute über den Plöckenpass wegen eines mächtigen Felssturzes gesperrt.

Kommentare