Drei Frauen an der Spitze

Icking: Bürgermeisterin Reithmann legt Amtseid ab

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„Am besten bedienst Du Dich selbst“: Die Amtskette legte sich Bürgermeisterin Verena Reithmann selbst an, den Amtseid nahm ihr Dr. Peter Schweiger ab.
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Ickings neue Bürgermeisterin Verena Reithmann legte am Montagabend den Amtseid ab. Zu ihrer Stellvertreterin wurde mit knapper Mehrheit Claudia Roederstein gewählt. Die unterlegene Laura von Beckerath-Leismüller ist nun Dritte Bürgermeisterin.

Icking – Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Mit coronabedingtem Sicherheitsabstand trat der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Dr. Peter Schweiger (PWG) in der konstituierenden Sitzung am Montag vor die neue Rathauschefin Verena Reithmann (UBI). Ende März gewann sie in Icking die Stichwahl gegen Laura von Beckerath-Leismüller. Mit klarer und deutlicher Stimme sprach sie ihm den Amtseid nach. „Ich wünsche Dir für Dein Amt eine glückliche Hand und viel Erfolg“, sagte Schweiger – selbstverständlich ohne Handschlag. 

Corona: Reithmann muss sich Amtskette selbst umlegen

Dann deutete er auf ein kleines blaues Kästchen auf dem Tisch. „Die Amtskette liegt hier drin. Am besten bedienst Du Dich selbst“, forderte er die Bürgermeisterin auf. Reithmann tat wie ihr geheißen. „Dass ich mir die Kette selbst umhängen muss, ist natürlich den besonderen Umständen geschuldet“, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu, quittiert mit vielen Lachern und lautem Applaus. Ende März gewann Reithmann in Icking die Stichwahl gegen Laura von Beckerath-Leismüller.

Genügend Abstand zueinander haltend, traten im Anschluss die Neulinge des Gemeinderates in die Mitte des Saals. Gemeinsam sprachen Dr. Philipp Geiger, Dr. Jörg Überla und Laura von Beckerath-Leismüller (alle Grüne) sowie Ursula Loth (PWG) und Stefan Schneider (UBI) ihrer Rathauschefin den Amtseid nach. 

Neue Gemeinderäte sprechen Amtseid nach

In der Sitzung galt es auch, die zwei Vertreter der Bürgermeisterin zu bestimmen. „Gibt es Wahlvorschläge?“ fragte Reithmann in die Runde. Die Hand von Beckerath-Leismüller schnellte nach oben: „Ich würde mich gerne als Zweite Bürgermeisterin zur Wahl anbieten.“ Ihre Leidenschaft für Icking sei nicht erloschen, betonte Reithmanns ehemalige Gegenkandidatin. „Ich bin immer noch voll dabei.“

Erste Amtshandlung: Bürgermeisterin Verena Reithmann vereidigte die neuen Mitglieder des Gemeinderats.

Dr. Christoph Preuss (CSU) schlug als weitere Kandidatin Claudia Roederstein (UBI) vor. Nachdem alle in den zwei Wahlkabinen ihr Kreuzchen abgegeben hatten, verkündete die Rathauschefin das Ergebnis: Von 17 abgegebenen Stimmen entfielen 8 auf Leismüller und 9 auf Roederstein. „Damit haben wir mit Claudia Roederstein unsere Zweite Bürgermeisterin“, stellte Reithmann fest.

Claudia Roederstein wird Zweite Bürgermeisterin

Etwas schwieriger gestaltete sich die Wahl des Dritten Bürgermeisters. Leismüller kandidierte erneut. Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative) schlug ihren Fraktionskollegen Dr. Otto Güllich. „Ich wäre sehr gern Dritter Bürgermeister“, sagte dieser. Aber: „Ich halte es für einen ungeheuren Vorgang, dass eine Gruppierung zwei Bürgermeister stellt und die nächst größte Gruppierung keinen einzigen.“ 

Eine Gegenkandidatur zu Leismüller sei für ihn daher „unmöglich“. Daraufhin schlug Nipperdey Matthias Ertl (PWG) als Kandidaten vor. Doch der schloss sich der Aussage von Güllich an. „Und dann beklagt Ihr Euch, wenn die Männer bei uns nicht zum Zuge kommen“, bemerkte Nipperdey kopfschüttelnd. Bei einer ungültigen Stimme wählte das Gremium Beckerath-Leismüller zur Dritten Bürgermeisterin. Damit wird Icking noch weiblicher als zuvor regiert –mit dreifacher Frauenpower.

Icking bekommt einen Umweltausschuss

Im Ickinger Gemeinderat wird es künftig einen Umweltausschuss geben. Der Vorschlag dazu kam von den Grünen. „Das Thema Klimaschutz hat eine herausragende Bedeutung. Außerdem ist es recht komplex, eine inhaltliche Auseinandersetzung in kleinen Gruppen wäre da einfacher“, argumentierte Dr. Jörg Überla (Grüne). Von Josef Mock (UBI) folgte daraufhin der Vorschlag, lieber einen technischen Ausschuss zu bilden. „Für mich ist das der Ausschuss, den wir wirklich brauchen.“ Auch Umweltthemen könnte man hier hineinpacken. Claudia Roederstein (UBI) hingegen warnte davor, sich zu verzetteln und zu viele Ausschüsse zu bilden. „Sonst haben wir nix anderes mehr zu tun.“ Ihr Vorschlag: Beides miteinander zu verknüpfen. Mit 9:8 Stimmen entschied sich der Rat für einen Umweltausschuss. 

Der Ausschuss für Familie, Grundschule und soziale Einrichtung wird auf Vorschlag von Bürgermeisterin Verena Reithmann in Ausschuss für Soziales umbenannt. Anstatt aus sechs bestehen die Ausschüsse künftig aus sieben Mitgliedern. Der Grund: Im Rat befindet sich eine Fraktion mehr. In den Jahren zuvor bildeten die Grünen und die SPD eine Fraktionsgemeinschaft. Diese wurde nun aufgelöst. „Deshalb muss der Verteilungsmodus angepasst werden“, sagte Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative). Das Gremium beschloss die Vergrößerung mit 15:2 Stimmen.

Künftig zwei Bürgerversammlungen im Jahr

Wie jede Gemeinde ist Icking verpflichtet, mindestens einmal im Jahr eine Bürgerversammlung abzuhalten. Laura von Beckerath-Leismüller (Grüne) schlug in der Gemeinderatssitzung vor, eine solche Versammlung mindestens zweimal pro Jahr anzubieten. „Ein größeres Angebot ist besser, als wenn die Bürger als Bittsteller kommen müssen“, so ihre Begründung. Leismüllers Vorschlag wurde mit 11:6 in die Geschäftsordnung aufgenommen.

Reithmanns Vorgängerin ist Margit Menrad. Nach 14 Jahren im Amt verließ sie im Mai das Ickinger Rathaus. Im Interview mit unserer Zeitung blickt Menrad auf die vergangene Zeit zurück. 

kof

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