Die Situation wird langsam unerträglich

SPD und Grüne fordern Wohnraum für Normalsterbliche

+
Gegen die „unerträgliche Mietwohnungs-Situation“: (v. li.) SPD-Ehrenvorsitzender Gerd Jakobi, Schriftführer Bernd Hertwig, Vize-Vorsitzende Dr. Beatrice Wagner und Ortsvorsitzender Julian Chucholowski.

Icking ist ein teures Pflaster - gerade beim Wohnen. SPD und Grüne wollen gegensteuern und auch Normalverdienern zu Wohnraum verhelfen.

Icking – „Es ist die Aufgabe der Gemeinde, sich um die Schaffung von angemessenem und bezahlbarem Wohnraum zu bemühen“: Diesen Satz aus der Bayerischen Verfassung zitierte Gerd Jakobi, Ehrenvorsitzender des Ickinger SPD-Ortsverbands, bei der Vorstellung neuer Bau- und Wohnkonzepte für die Isartalgemeinde im Irschenhausener Rittergütl. Die rot-grüne Gemeinderatsfraktion hat die in ihren Augen „unerträgliche Mietwohnungs-Situation“ zum Anlass für Anträge zum Thema „Wohnen und Arbeiten in Icking“ genommen. Der Gemeinderat soll sie im April diskutieren.

Eine Forderung ist die Ausweisung von gemeindeeigenem Bauland für bezahlbare Mietwohnungen. Die in Frage kommenden Flächen sind laut dem Ortsvorsitzenden der SPD, Julian Chucholowski, aber knapp bemessen. „Für die Bebauung schwebt uns die Zusammenarbeit mit einer Baugenossenschaft vor, die Wohnraum für Normalsterbliche schafft und diesen auch verwaltet“, erläuterte Jakobi.

Darüber hinaus haben die Vorstandsmitglieder alternative Lösungsansätze entwickelt. „In Icking gibt es zahlreiche und kaum ausgelastete große Häuser, in denen wenige oder sogar nur einzelne Personen leben“, stellte Dr. Beatrice Wagner, stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, fest. Mit diesem ungenutzten Wohnraum könne die Not der Wohnungssuchenden teilweise gelindert werden. Wagner: „Den Laien, die ihre Häuser und Grundstücke vielleicht gerne teilen würden, wollen wir ein architektonisches Verständnis vermitteln.“ Sie denkt an Beratung, wie man Räume untervermieten oder Einliegerwohnungen bauen kann. Die SPD-Fraktion möchte ein entsprechendes Beratungskonzept für die Bürger entwickeln. Konkret geht es um einen Arbeitskreis, der sich aus Vertretern des Gemeinderats, der Gemeindeverwaltung sowie externen Fachkräften zusammensetzt. „Wir möchten betonen, dass es sich um keinen Zwang, sondern ein Angebot handelt“, so Chucholowski.

Lesen Sie auch: Im Landkreis wird das Wohnen immer teurer

Wagner gefällt daran auch der ressourcenschonende Umgang mit Grund und Boden. Ein weiteres Resultat wäre die Durchmischung der Bevölkerung, die in der wohlhabenden Gemeinde bisher rar sei. „Viele Menschen, die in Icking arbeiten, können sich das Wohneigentum nicht leisten“, sagte Wagner. „Wir sind diesen Menschen aber schuldig, uns um ihren Wohnungsbedarf zu kümmern, denn die Pendler erbringen für uns wertvolle Dienstleistungen.“ Mit der Ortsentwicklung könne auch das Zusammenleben optimiert werden. „Die Gemeinde kann Treffpunkte schaffen und eine Architektur nutzen, die das unterstützt.“

Lesen Sie auch: Gemeinderat verzweifelt an Supermarktfassade

Um die Vorschläge zu verwirklichen, braucht die rot-grüne Fraktion das Entgegenkommen der Gemeinde. Es müsse so manche „heilige Kuh“ geopfert werden, wie Jakobi es ausdrückte. Dazu zählt die in puncto Bebauung festgelegte Grundstücksgröße – es müsse Ausnahmeregelungen geben. Zudem pochen die Genossen auf eine Mietobergrenze, um einkommensschwächeren Gruppen den Rücken zu stärken. Der letzte Satz im Antrag der SPD und der Grünen: „Wir sind der Meinung, dass es Icking – bekannt geworden für seine zukunftsorientierten Investitionsprogramme – gut zu Gesicht stünde, wenn auch hier neue Wege der sozial orientierten Mietwohnungsraumschaffung gewagt würden.“ Leonora Mitreuter

Kommentare