Dokumentationsstätte in Wolfratshausen-Waldram

„Ihr hinterlasst starke Spuren“: Badehaus-Verein verabschiedet zwei junge Freiwillige

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Mit Kurzvorträgen, Fotopräsentationen und Interviews verabschiedeten sich die beiden Bundesfreiwilligen Gavin Maendel und Marie Greck (li.) vom Badehaus in Wolfratshausen-Waldram.
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Die beiden Bundesfreiwilligen Marie Greck und Gavin Maendel nehmen Abschied von der Dokumentationsstätte Badehaus in Wolfratshausen-Waldram. Die Vereinsvorsitzende lobt das Duo in höchsten Tönen.

Waldram – Ein Jahr lang engagierten sich eine junge Belgierin und ein Amerikaner im Erinnerungsort am Kolpingplatz im Wolfratshauser Stadtteil Waldram. „Marie Greck und Gavin Maendel sind unsere ersten internationalen Bundesfreiwilligen“, hob Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft am Samstag vor der Verabschiedung des Duos hervor. Danach überließ sie den beiden die Gestaltung eines Abends mit Kurzvorträgen, Fotopräsentationen und Interviews.

„Ihr hinterlasst starke Spuren“: Badehaus-Verein verabschiedet zwei junge Freiwillige

Eingerahmt von der Musik der Münchner Band Papermoon, berichtete Marie Greck zunächst von ihren ersten Erfahrungen im Badehaus. „Ich hätte nicht mit den 1000 Kleinigkeiten gerechnet, die für das Funktionieren des Betriebs unerlässlich sind“, gestand die Belgierin. Nachdem sie sich der Liebe wegen in Icking niedergelassen hatte, entschied sich Greck nach eigenen Worten für den Bundesfreiwilligendienst im Badehaus. Ihre Tätigkeiten reichten vom Plakate kleben über Hilfsdienste bei Empfängen bis hin zur Übersetzung von Briefen und Dokumenten ins Französische. Unterstützung erhielt sie dabei von Gavin Maendel. „An meinem ersten Tag war ich überrascht, wie klein dieses Museum ist“, gestand der Amerikaner. Schnell sei ihm aber die große internationale Bedeutung des Erinnerungsortes bewusst geworden.

Ablenkung fand Maendel als Klarinettist bei der Wolfratshauser Stadtkapelle

Als enorm zeitaufwändige Arbeit in Erinnerung blieb ihm die Erstellung einer Adressliste von rund 4100 sogenannten Displaced Persons (DPs), die einst im Lager Föhrenwald lebten. Die Digitalisierung der auf Schreibmaschine erstellten Dokumente, die in Excel-Tabellen eingetragen wurden, sei eine „Herausforderung“ gewesen. Ablenkung fand Maendel als Klarinettist bei der Wolfratshauser Stadtkapelle. „Ab September werde ich in Wien Geschichte studieren, aber dem Badehaus werde ich immer verbunden bleiben“, versprach er. Marie Greck hat sich entschieden, im Herbst ein weiteres Praktikum in München zu beginnen.

Ihr wart vielleicht die stillsten Bundesfreiwilligen, die wir je bei uns hatten, aber ihr hinterlasst starke Spuren. 

Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft 

Beim Abschiedsabend erinnerte sie an das Schicksal ihrer Urgroßeltern Renée und Philippe Scheins, die im Zweiten Weltkrieg einen Juden in ihrem Haus versteckten und sich im Widerstand gegen das NS-Regime engagierten. Der im US-Bundesstaat New York aufgewachsene Maendel berichtete von seinem Großvater, der während des Krieges als Bomberpilot der US-Air Force eingesetzt wurde und sich später zum christlichen Pazifismus bekannte.

In der abschließenden Podiumsdiskussion befragten die beiden scheidenden Bundesfreiwilligen den renommierten US-Historiker Prof. Kevin Ostoyich, der die Erinnerungsarbeit des Badehaus-Vereins würdigte. Vorsitzende Krafft unterdrückte beim Abschied von Marie Greck und Gaevin Mandel mühsam eine Träne: „Ihr wart vielleicht die stillsten Bundesfreiwilligen, die wir je bei uns hatten, aber ihr hinterlasst starke Spuren.“ (ph)

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