„Der Grüne Wanninger“

Ansporn für Hartnäckigkeit: Badehaus heimst nächsten Kulturpreis ein

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Volles Haus: Viele Besucher freuten sich mit der Vorstandschaft um Badehaus-Chefin Dr. Sybille Krafft (Bild re., 6. v. li.), Vereinsmitgliedern und Politprominenz über den „Grünen Wanninger“.
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Der Erinnerungsort Badehaus bekommt den Kulturpreis „Der Grüne Wanninger“. Die Vorsitzende des Vereins gibt sich beim Thema Förderung weiter kämpferisch.

Waldram – An einen Sketch des legendären Münchner Komikers Karl Valentin fühlt sich Dr. Sybille Krafft in ihrer Vorstandsarbeit für den seit elf Jahren bestehenden Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ immer wieder erinnert. Wie der „Buchbinder Wanninger“ wurde sie nach dem zeitraubenden Ausfüllen von Förderanträgen und unzähligen Telefonaten ständig an andere Stellen verwiesen. Dabei seien ausnahmslos alle der bisher rund 13 000 Besucher des Erinnerungsorts begeistert von der dortigen Aufarbeitung von Geschichte gewesen.

Ansporn für Hartnäckigkeit: Badehaus heimst nächsten Kulturpreis ein

„Aber wenn es um die so dringend benötigte institutionelle Förderung geht, zeigt jeder nur auf den anderen“, bedauert die Badehaus-Chefin. Umso mehr freute sie sich über die Verleihung des mit 3000 Euro dotierten Kulturpreises „Der Grüne Wanninger“, den die Bezirkstagsfraktion der Grünen am Sonntag zum 30. Mal überreichte.

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Nachdem das vor zwei Jahren mit dem Preis ausgezeichnete Trio „Bavarian Immigrants“ den Festakt im voll besetzten Dachgeschoss des Badehauses eröffnet hatte, erklärten die beiden Bezirksrätinnen Martina Neubauer und Elisabeth Janner den Zweck des Preises. „Er soll zu sozialem und politischem Engagement ermutigen“, stellte Neubauer klar. Zu den Gewinnern der seit 1988 verliehenen Auszeichnung zählen unter anderem die mittlerweile aufgelöste Biermösl Blosn und der Geretsrieder Andreas Wagner, der ein detailliertes Buch zum „Todesmarsch“ von KZ-Häftlingen verfasst hat.

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Dritter Landrat Klaus Koch hob in seiner Ansprache hervor, dass das Badehaus „Erinnerung vor Augen“ führe und damit eine wichtige Orientierungsfunktion erfüllt. Wolfratshausens Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth erinnerte an die schwierige Anfangszeit des Badehaus-Vereins, der bei der Stadt beharrlich um Anerkennung kämpfen musste. Heinloth wünschte dem Verein „endlich eine stabile Finanzierung“.

Badehaus Waldram-Föhrenwald: Geschichtlicher Erinnerungsort erfährt Würdigung

Marius Schlosser, Vorstandsmitglied des Kreisverbands der Grünen, lobte die aktuellen Bezüge der im Badehaus vermittelten Erinnerungskultur. Belege dafür sind die Diskussionsabende zu Rechtsextremismus und Flüchtlingsschicksalen. Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel forderte in ihrer Laudatio zu einem „Eintauchen in die Geschichte“ auf und erinnerte daran, dass die Nationalsozialisten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im Wolfratshauser Forst eine Siedlung für Rüstungsarbeiter errichtet hatten, an der 1945 der KZ-Todesmarsch vorbeiführte.

Kurz darauf wurde das Lager Föhrenwald zur vorübergehenden Heimat von rund 5000 bis 6000 jüdischen Displaced Persons, die den Holocaust überlebt hatten. Nach der Ansiedlung von katholischen kinderreichen Heimatvertriebenen in den 1950er Jahren erfolgte schließlich die Umbenennung zum heutigen Wolfratshauser Ortsteil Waldram.

Respekt zollte Triebel für die bisher 50 000 ehrenamtlich geleisteten Stunden des Badehaus-Vereins. „Jede einzelne Stunde hat sich gelohnt“, befand die Laudatorin. Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft gab sich nach der feierlichen Übergabe des Preises kämpferisch. „Wir machen wie der Buchbinder Wanninger unverdrossen weiter“, rief sie den applaudierenden Festgästen zu.

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