VonSebastian Grauvoglschließen
Lawinen-Einsatz an der Rotwand: Zwei Schneeschuhwanderer aus Oldenburg haben dort am Samstagmittag ein Schneebrett ausgelöst. Der schlechte Handyempfang erschwerte die Suche.
Spitzingsee – Als das Schneebrett an der Rotwand-Südseite hangabwärts rauschte, saß Lenz Haberle im Büro unten in Schliersee. Und der spätere Einsatzleiter der Bergwacht Schliersee sollte noch einige E-Mails bearbeiten können, ehe er überhaupt etwas von dem potenziellen Lawinenunglück mitbekam, denn: Wegen des schlechten Handyempfangs nahm der Notruf des Sohns der von den Schneemassen mitgerissenen Schneeschuhwanderin einen ungewollten Umweg.
Notruf des Sohnes (23) landet in Innsbruck
Wie Haberle berichtet, war das Mobiltelefon des 23-Jährigen aus Oldenburg zu diesem Zeitpunkt im österreichischen Netz eingewählt. Die 112 führte deshalb zunächst zur Leitstelle Innsbruck. Der dortige Disponent versuchte trotz der schlechten Verbindung, die Unglücksstelle möglichst genau zu „pinnen“. Da er aber aufgrund der Beschreibungen des Sohnes ausgehen musste, dass die Lawine auf der Nordseite der Rotwand abgegangen ist, verständigte er die dafür zuständige Bergwacht Leitzachtal in Bayrischzell. Da versuchte man, den jungen Mann zurückzurufen, kam aber nicht mehr zu ihm durch. Dennoch sei es dem Kollegen durch dessen Ortskenntnis gelungen, den Standort auf die (letztlich richtige) Südseite des Gebirgsmassivs festzulegen. Und so kam überhaupt erst die Bergwacht Schliersee ins Spiel, erklärt Haberle.
Die wurde gegen 13.30 Uhr alarmiert – und musste von einem Lawinenunglück mit Verschütteten ausgehen. Haberle forderte folglich den ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 1 an und schickte einen Luftretter und einen Hundeführer der Schlierseer Bergwacht zum Übergabepunkt an den Schleppliften in der Valepp. Parallel machte sich die Sanitätseinsatzleitung mit Quirin Loher und Landesarzt Dr. Florian Meier auf den Weg. Hundeführer Florian Köck gelang es, vom Heli aus mehrere Schneebretter auf der Südseite der Rotwand auszumachen. Augenscheinlich hatte sich der gut 50 Zentimeter tiefe Neuschnee in einigen der Felsrinnen gelöst und war in Richtung des darunter verlaufenden Fahrwegs zum Rotwandhaus gerutscht.
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Rückruf von Mutter (51) klärt alles auf
Da aber von möglichen Verschütteten nichts zu sehen war und die Anrufversuche nach wie vor erfolglos blieben, rückte noch der Polizeihubschrauber Edelweiß mit einem Luftretter und Hundeführerin Angela Köck an. Auch das Technikteam der Bergwacht Hausham samt Drohne machte sich auf den Weg. Dann jedoch ging endlich ein Anruf der Gesuchten ein: Die 51-jährige Mutter des Oldenburgers meldete sich gegen 15.30 Uhr und berichtete, dass sie zwar von dem Schneebrett erfasst worden war, aber wohlauf und bereits mit ihrem Sohn auf dem Rückweg sei. Um sie sicherheitshalber dennoch medizinisch durchzuchecken, kamen ihr die Rettungskräfte auf dem Fahrweg mit dem ATV entgegen. Doch auch sie konnten Entwarnung geben.
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Für Haberle steht fest, dass die Frau großes Glück hatte. Der Hang sei von freiliegenden Felsen durchsetzt. Ein Fehlverhalten von ihr oder ihrem Sohn kann der Einsatzleiter nicht erkennen. Beide seien für ihre Schneeschuhtour vom Taubenstein über Lempersberg und Kirchstein rüber zur Rotwand gut ausgerüstet gewesen und hätten auch erfahren gewirkt. Dass sie trotz des laufenden Einsatzes einfach weitergegangen seien, sei der in solchen Fällen oft zu beobachtenden Unwissenheit geschuldet gewesen, vermutet Haberle. „Und natürlich dem schlechten Handyempfang.“
sg

