VonKatrin Woitschschließen
Aktuell wird aus der Gemeinde Kreuth ein Bergsteigerdorf. Die Verleihung läuft grade auf der Königsalm - wo sonst. Mit dem Siegel sind viele Hoffnungen verknüpft. Ramsau ist schon Bergsteigerdorf - ein Blick dahin.
Kreuth/Ramsau – Fritz Rasp hat seine Heimat Ramsau schon immer geliebt. Er könnte stundenlang schwärmen von den dichten Wäldern, den kristallklaren Flüssen, den Berggipfeln. Aber vor drei Jahren ist zu dieser unüberhörbaren Begeisterung noch eine gewaltige Ladung Stolz dazugekommen. Und er ist nicht der einzige Ramsauer, dem es so geht, seit die 1800-Einwohner-Gemeinde Bayerns erstes Bergsteigerdorf wurde. „Dieses Zertifikat ist seitdem allgegenwärtig“, sagt der Tourismus-Chef Rasp. „Es hat hier im Ort ein ganz neues Zugehörigkeitsgefühl geschaffen.“
Ramsau hat nie auf großes Spektakel gesetzt, um Touristen anzulocken. Hatte es auch nicht nötig. 70 bis 80 Prozent der Gäste kamen schon immer zum Wandern in die Gemeinde im Berchtesgadener Land. Und etwa 80 Prozent der Fläche liegen im Nationalpark – das schließt große Hotelbunker, Lifte und Funparks von vornherein aus. Es lag also quasi auf der Hand, beim Deutschen Alpenverein eine Bewerbung einzureichen, als der die österreichische Idee von zertifizierten Bergsteigerdörfern übernahm. Das Siegel bekommen Gemeinden, die bewusst auf eine ruhige, nachhaltige Alternative zum Massentourismus setzen. Sie müssen strenge Auflagen einhalten und neben unberührter Natur vor allem Wander- und Kletterwege bieten.
„Natürlich gab es auch kritische Stimmen“
„Natürlich gab es damals auch kritische Stimmen“, sagt Rasp. Aber inzwischen könnten sich so gut wie alle Ramsauer mit dem Prädikat Bergsteigerdorf identifizieren. „Die Kommunikation im Ort hat sich verbessert“, berichtet er. Die Vereine fühlen sich eingebunden, die Bäuerinnen arbeiten gerade an einer Bergsteigerdorf-Produktlinie, die sie kreieren wollen. Und auch eine „Bergsteigerdorf-Post“ ist inzwischen eingeführt. „Darin weisen wir unsere Gäste auf die Angebote unserer Almen hin“, erklärt Rasp. Intensiv arbeitet die Gemeinde gerade daran, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen.
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„Vor allem ist das Siegel aber in unserer Einstellung präsent“, berichtet Bürgermeister Herbert Gschoßmann: Im Wunsch, nachhaltig und umweltbewusst zu leben. Das ist nicht völlig neu in Ramsau – wird nun aber noch bewusster gelebt.
Auch der Tourismus habe profitiert, berichtet Gschoßmann. Wobei das in Ramsau nie ein Problem war, ergänzt er. Besonders im Sommer. Trotzdem ist er überzeugt, dass das Zertifikat neue Touristen angelockt hat. „Die Menschen sind bereit, für eine intakte Natur zu zahlen.“
In Kreuth geht es nicht (nur) um die Fördergelder
Ramsau ist inzwischen nicht mehr das einzige bayerische Bergsteigerdorf. Sachrang und Schleching im Chiemgau haben das Zertifikat ebenfalls erhalten. Und heute kommt Kreuth dazu. „Für uns war es keine Frage, dass wir uns für das Siegel bewerben“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider. „Wir leben naturverträglichen Tourismus seit Jahren.“ Die Gemeinde hofft, durch das Prädikat Bergsteigerdorf Gäste zu gewinnen, die die intakte Natur zu schätzen wissen und sie schützen.
„Aber die steigenden Tourismus-Zahlen stehen für uns nicht im Vordergrund.“ Auch nicht die vielen Projekte wie der Bergsteigerbus, die nun angestoßen werden. Oder die Fördergelder von bis zu 30.000 Euro. „Uns ist wichtig, dass wir unseren nachfolgenden Generationen das erhalten, was wir hier haben“, sagt Bierschneider. Damit meint er das Brauchtum, die Kultur und vor allem die natürlichen Lebensgrundlagen. Das Siegel sei Symbol dafür. „Aber die Arbeit an diesem Ziel ist mit der Verleihung heute lange nicht abgeschlossen.“

