VonMelina Staarschließen
Was sollte man beachten, wenn man im Winter Wanderungen unternimmt? Experten raten zur erhöhten Wachsamkeit bei Touren im Schnee.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Einiges zu tun hatten die Bergwachten in den vergangenen Tagen. Schneeschuhgeher am Staffel waren in Not geraten, ebenso Wanderer am Herzogstand und am Brauneck. Doch was ist beim Wandern im Schnee zu beachten?
„Das Wichtigste ist: Nie alleine gehen“, appelliert Walter Ossig an alle Naturfreunde. Er leitet die Seniorengruppe der Tölzer Alpenvereinssektion. Gerade ältere Frauen, so seine Beobachtung, würden oft alleine gehen – in seinen Augen unverantwortlich. Vor jeder Tour studiert er eindringlich den Wetterbericht – und zwar von Meteorologen, die sich im Alpenvorland auskennen. „Im Zweifel muss man einfach Nein sagen.“ Er schicke seine Tourenvorschläge immer an den Alpenverein. „Da habe ich auch schon ein Nein wegen zu großer Lawinengefahr gehört“, sagt Ossig.
Wichtig seien auch eine gute Bekleidung, entsprechende Ski und Grödel. Bei letzteren sei leider viel auf dem Markt, was nichts tauge. „Eingepackt werden sollten auch ein heißer Tee und etwas zu essen. Denn im Winter findet man praktisch keine Hütte, die erreichbar und geöffnet ist.“
Dann gelte es bei Wanderungen im Wald die Äste zu beobachten. Tragen sie viel Schnee? Könnte etwas abbrechen? „Im Zweifelsfall lieber umkehren“, so sein Rat.
Was ebenfalls nicht missachtet werden dürfe: „Im Schnee kann man nur das halbe Tempo gehen. Man muss also ganz andere Zeiten einkalkulieren.“ Und natürlich sei man auch schneller erschöpft. „Wir sind kürzlich in den Gaißacher Filzen mit Schneeschuhen gelaufen“, berichtet er von seiner Gruppe. „Da sind wir über den Schnee geschwebt. Ohne Schneeschuhe wäre das nicht möglich gewesen.“
Mit der Seniorengruppe würde er meist nicht mehr als 500 Höhenmeter einplanen. In diesen Bereichen seien im Grunde alle Touren möglich. „Höhere Lagen aber gehen noch nicht“, sagt er. „Da liegt noch so viel Schnee. Das wird wohl auch bis April dauern, bis der dort weg ist.“
Bei den frühlingshaften Temperaturen könne man leicht vergessen, dass noch Winter ist, sagt Paul Schenk von der Bergwacht Bayern. „Aber eine alte Regel sagt: Bis Mittag sollte man von einer Wanderung zurück sein.“ Danach werde der Schnee zu weich, es bestehe die Gefahr so genannter Grundlawinen oder Schneebretter. Erst am Dienstag war eine Lawine am Brauneck abgegangen. Je nachdem, wo man unterwegs sei, empfehle sich auch Lawinenausstattung, so Schenk. „Im Schatten ist es außerdem noch sehr kalt, daher ist Winterbekleidung angesagt.“ Und er fügt scherzhaft an: „Es ist Winter, da ist es eben nicht bis 22 Uhr hell.“ Daher sollte für den Notfall eine Lampe eingepackt werden. Wo man derzeit wandern könne, das hänge natürlich auch von der Ausrüstung und dem Fitnesszustand ab. „Die Leute gehen überall hin“, so Schenk.
Übrigens: Ruft jemand die Bergwacht an, weil er sich nicht mehr auskennt und nicht weiter weiß, wird ihm der Einsatz in Rechnung gestellt. „Wenn es sich um eine Sach- oder Personenbergung handelt, muss er das selber zahlen“, sagt Schenk. Anders ist es, wenn Verletzten geholfen wird. Dann ist es ein Rettungseinsatz. Dafür muss die Person in den 24 Stunden nach der Rettung in ärztlicher Behandlung gewesen sei. Dann übernehmen die Krankenkassen den Betrag.
Wie hoch dieser ist, hängt laut Schenk vom Aufwand ab. Also: Wie lange dauerte der Einsatz, und wie viele Leute wurden gebraucht? Genaue Zahlen zu nennen, sei daher schwierig.
Derweil entspannt sich laut Christoph Brenninger von der Lawinenkommission die Lage am Brauneck langsam. Trotzdem der Rat: „Südseiten sollte man zu späteren Tageszeiten möglichst meiden.“ Sobald es warm wird, besteht dort die Gefahr eines Abgangs. Für die Sicherheit der Skifahrer sei gesorgt, es gebe nur eine Stelle, an der die Bergbahn derzeit noch arbeite.
