Der Nachwuchsmangel im Metzgerhandwerk wurde in der von Meistern aus den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen gut besuchten Herbstversammlung der Metzger-Innung immer wieder angesprochen.
Bad Tölz – Nicht nur die Wurst hat zwei Enden, auch das Metzgerhandwerk muss sich mit Gegenpolen auseinandersetzen. Während sich Obermeister Kaspar Stielner bei der Herbst-Versammlung der Innung im Tölzer „Kolberbräu“ darüber freute, dass heuer 39 Metzger (und damit 20 mehr als erwartet) den in Augsburg angebotenen Meisterkurs besuchen, bedauerte Annette Bachhuber von der Tölzer Berufsschule, dass für die 10. Klasse heuer nur zwei Anmeldungen eingegangen seien. Dennoch sei es gelungen, mit Hilfe der „Verkaufsgruppe“ eine Klasse bilden.
Der Nachwuchsmangel beim Metzgerhandwerk wurde in der von Meistern aus den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen gut besuchten Versammlung immer wieder angesprochen. Dabei blieb offen, ob es an der Bezahlung oder am Image des Metzgerberufes liegt. Jedenfalls überlegt man bei dem in Augsburg ansässigen Landesinnungsverband, wie man junge Leute über Rundfunkwerbung und die sozialen Medien besser erreichen kann. Obermeister Stielner aus Weyarn befragte die hiesigen Mitglieder, was sie von einer eigenen (kostenpflichtigen) Werbeaktion der Bayerischen Metzger unabhängig vom Deutschen Fleischerverband halten würden, konnte dafür aber keine Mehrheit gewinnen. Vielmehr wurde Kritik am Landesinnungsverband laut, der nach Meinung einiger Meister zu wenig gegen die Nutzung des Begriffs „Metzger“ oder „Metzgerei“ durch große Supermarktketten unternehme. Künftig mit einem Logo M (wie Metzger) statt wie bisher einem F (wie Fleischer) zu werben, mache keinen Sinn, so einige Redner, obwohl man sich in Oberbayern natürlich als Metzger und nicht als Fleischer verstehe.
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Gegen den Nachwuchsmangel soll auch das von der Münchner Kolping Bildungsagentur angebotene „Projekt Durchstarten“ helfen, mit dem Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse wichtige Kenntnisse für die Arbeit in den Betrieben vermittelt werden sollen. Dr. Bernhard Hauser, seit 4. Mai Leiter des Veterinäramts, sprach das derzeit aktuelle Thema Ferkelkastration ohne Betäubung an, bei der die Übergangsfrist bekanntlich um zwei Jahre verlängert wurde. Hauser zählte die verschiedenen Alternativen zu der auch nicht unproblematischen Ebermast wie Kastration, Medikamente, Gasnarkose auf, von der jedoch keine überzeugen könne oder noch nicht zugelassen sei. „Derzeit ist völlig offen, in welche Richtung es geht“, so der Veterinär. Den Handwerksbetrieben hierzulande empfahl er, mit dem Tierschutz zu werben. „Hier gibt es kurze Wege und inzwischen auch mobile Schlachtanlagen für Schweine und Rinder“, so Hauser. Das bedeute, dass die Tiere vor Ort betäubt und geschlachtet werden könnten.
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Obermeister Stielner und der frühere Obermeister und Kreishandwerksmeister, der inzwischen 80-jährige Georg Kleeblatt aus Holzkirchen, sprachen abschließend noch verschiedene Skandale innerhalb des Landesverbandes an. Dabei fiel öfter der Name des inzwischen zurückgetretenen Handwerkskammerpräsidenten Georg Schlagbauer, der in der Öffentlichkeit vor allem in Zusammenhang mit Bordellbesuchen und Drogenbesitz bekannt und verurteilt wurde. Kleeblatt berichtete, dass sich der durch falsche Personalentscheidungen und Prozesse finanziell stark angeschlagene Landesverband inzwischen wieder gefangen habe.
Karl Bock