Anlage vor dem Aus

Nur noch 34 von 90 Betriebstagen: Bei Einheimischen beliebtes Skigebiet insolvent

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Da braut sich was zusammen: Auf dem Mittenwalder Kranzberg droht an den dortigen Skiliften im kommenden Winter der Stillstand, sollte nicht noch ein Wunder geschehen.
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Seit Jahren kämpft der Familienbetrieb gegen den Klimawandel und versucht Pisten und Lifte in Schwung zu halten. Nun hat die GmbH Insolvenz angemeldet.

Mittenwald – Die völlig verkorkste Saison 2023/2024 hat den Wurmers den Rest gegeben. Sie haben in der Winter-Lotterie nicht das große Los gezogen. Ganz im Gegenteil: Klaus Wurmer bezeichnete heuer im Februar dieses Quartal auf den Skipisten am Mittenwalder Kranzberg sogar als „Katastrophe“ und die damit verbundenen Umsatzeinbußen als „ziemlich krass“. Nun hat die gebeutelte Familie die Reißleine gezogen und beim zuständigen Amtsgericht Weilheim einen Insolvenzantrag für die Skiliftanlagen-Wurmer-GmbH & Co. KG gestellt.

34 von maximal 90 Betriebstagen an den Luttensee- und Wildensee-Liften

Über die Beweggründe möchten sich Kathi und Klaus Wurmer – noch – nicht äußern. Doch bei nur 34 von maximal 90 Betriebstagen an den Luttensee- und Wildensee-Liften kann man sich ausmalen, wie verheerend diesmal das Defizit war. Und es ist ja nicht der erste Winter, der auf den malerischen Pisten auf 900 bis 1300 Höhenmetern keiner war.

Nun also sind die Wurmers einen Schritt gegangen, den sie in all den Jahren unbedingt verhindern wollten. Immerhin droht damit eine 55 Jahre währende Familiengeschichte zu Ende zu gehen. Doch noch ist es nicht soweit, das betont Klaus Wurmer mit Nachdruck. Die schwierige wirtschaftliche Lage hatte auch ihm im Frühjahr gewaltig zu schaffen gemacht. Doch jetzt fühlt er sich wieder fit genug für einen weiteren schweren Kampf.

Vor Beginn der Wintersaison sollten wir eine Lösung finden.

Insolvenzverwalter Dr. Robert Hänel

Protagonist ist derzeit aber ein anderer: Dr. Robert Hänel. Der Jurist und ausgewiesene Experte einer Weilheimer Kanzlei, ist vom Amtsgericht zum Insolvenzverwalter bestellt worden. Bei einigen dürfte es jetzt klingeln. Denn Hänel hebt oder senkt in gleicher Mission den Daumen über die zahlungsunfähige Arena-Mittenwald-GmbH. Man kann ihn also getrost als heimlichen Herrscher von Mittenwald betiteln, schließlich sind im Tourismusort Wohl und Wehe zweier elementarer Freizeitanlagen mit seinem Namen verbunden.

Bürgermeister: „Das Insolvenzverfahren ist eröffnet, es läuft.“

Nun also muss er sich neben dem Eisstadion auch noch um ein familiengeführtes Skigebiet kümmern, auf dem Generationen von Einheimischen ihre ersten Schwünge machten. Viel kann und will Hänel zu dem „nicht-öffentlichen“ Prozedere nicht sagen. Nur so viel: „Das Insolvenzverfahren ist eröffnet, es läuft.“ Alle weiteren Interpretationsversuche wären für ihn reine Kaffeesatz-Leserei. Der Rechtsanwalt drückt es folgendermaßen aus: „Es ist noch nicht ganz klar, in welche Richtung es gehen wird.“ Entweder gelingt es, die in Schieflage geratene Gesellschaft über einen Insolvenzplan zu sanieren, oder ganz brutal ausgedrückt: Es droht der Ausverkauf. „Vor Beginn der Wintersaison sollten wir eine Lösung finden“, verdeutlicht Hänel, der von „vielen und langen Gesprächen“ mit den Wurmers spricht.

Schier endlos diskutiert haben sie auch Jahr für Jahr mit den Verantwortlichen im Mittenwalder Rathaus – egal ob der Bürgermeister Hermann Salminger (Freie Wähler), Adolf Hornsteiner (CSU) oder Enrico Corongiu (SPD) heißt. Letzterer spricht von „keinen schönen Nachrichten“, wohlwissend, dass er somit eine weitere Kuh auf dem Eis stehen hat. Kein Schwimmbad, kein Eisstadion, kein Skigebiet – das ist momentan die Sachlage. Im Hinblick auf die Kommunalwahlen und die angestrebte Wiederwahl 2026 bedeuten diese nackten Tatsachen nichts anderes als hochexplosiven politischen Sprengstoff. Doch einen Weg aus der Krise kann Corongiu den Wurmers nach wie vor nicht aufzeigen, zumal Steuergelder nicht so ohne weiteres für eine private Gesellschaft locker gemacht werden könnten. Eine alt bekannte Rathaus-Formel, die die Wumrers schon lange nicht mehr hören können.

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