Rathauschef im Interview

Abschied von Bürgermeister Josef Lechner: „Das hohe Tempo hat allen viel abverlangt“

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Mission erfüllt: Josef Lechner verlässt nach 13 Jahren das Amtszimmer im Fischbachauer Rathaus.
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Nach 13 Jahren verlässt Bürgermeister Josef Lechner das Rathaus in Fischbachau. Im Interview schaut er auf seine beiden Amtszeiten zurück - und auf seinen Ruhestand voraus.

Fischbachau – Seinen Wahlflyer von 2006 hat sich Josef Lechner (65) bis heute aufgehoben. Obwohl er sich ohne Gegenkandidat um das Bürgermeisteramt in Fischbachau beworben hatte, geizte der damalige Europa-Geschäftsführer einer weltweit tätigen Unternehmensberatung nicht mit Wahlversprechen. Doch wie sehr hat er in 13 Jahren seine Gemeinde verändert? Wie stark hat ihn sein Amt geprägt? Und was macht er, damit ihm im Ruhestand nicht langweilig wird? Das haben wir den scheidenden Rathauschef im Interview gefragt.

Herr Lechner, Sie sind ein Mann, der Dinge gern zügig zu Ende bringt. Können Sie jetzt auch hinter Ihr Projekt „Bürgermeister“ einen grünen Haken setzen?

Josef Lechner: Wenn ich mir meine „Roadmap“ – meine Ziele und Vorhaben – von 2006 anschaue, habe ich zusammen mit meinen Mitarbeitern im Rathaus und den Gemeinderäten tatsächlich vieles geschafft. Dass etliche Projekte noch nicht abgeschlossen sind, ist im kommunalen Sektor ganz normal. Das war aber etwas, an das ich mich in meinem Amt erst gewöhnen musste.

Sie waren anfangs zu ungeduldig?

Josef Lechner: (lacht) Das sagt man mir manchmal nach, ja. Ich war aus der freien Wirtschaft eine andere Schlagzahl gewöhnt. Mein Einzug ins Rathaus war in gewisser Weise gewöhnungsbedürftig – wohlgemerkt für beide Seiten.

Ein Bürgermeister braucht auch immer den Rückhalt der Verwaltung und des Gemeinderats. Ein Selbstläufer für Sie?

Josef Lechner: Keineswegs. Es gab anfangs schon Vorbehalte. Da wäre es fatal gewesen, zu sehr als Manager aufzutreten. Ich habe versucht, die Leute abzuholen und auf meinen Weg mitzunehmen. Sachlich, transparent und mit guten Argumenten. Viele Gemeinderäte waren unternehmerisches Denken aus ihrem Berufsleben gewohnt. Dass aber auch eine Gemeinde so agieren kann und in meinen Augen sogar muss, war neu. Heute ist es ganz normal, wenn wir von Finanzplänen, dem Return on Investment oder Projektmanagement sprechen.

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Stichwort Pläne: Stimmt es, dass Sie bereits ganz am Anfang eine genaue Vorstellung hatten, wo die Gemeinde zwei Amtszeiten später stehen soll?

Josef Lechner: Ein Unternehmer muss wissen, wohin er will, um zielgerichtet agieren zu können. Meine Roadmap habe ich den Gemeinderäten erst 2013 zum ersten Mal gezeigt. So aber wurde klar, dass vieles, das schon geschafft war, einem bewussten Agieren gefolgt ist und jeder einzelne Schritt uns auf unserem Weg vorangebracht hat. Auch, wenn es im ersten Moment nicht danach ausgesehen hat.

Ein Beispiel, bitteschön.

Josef Lechner: Der Snowboard-Weltcup am Sudelfeld. Da gab es viele, die nicht verstanden haben, warum sich Fischbachau in einem Skigebiet engagiert, das in der Nachbargemeinde liegt. Das Ziel war aber ein anderes: Auch wir wurden plötzlich als Wintersportort wahrgenommen, was uns im Tourismus sicher sehr gut getan hat. Auch mit unserer Federführung in etlichen anderen gemeindeübergreifenden Projekten wie der Pferde-, Öko- und Alpenmodellregion oder dem Klima- und Umweltschutz hat sich Fischbachau ein neues Image verpasst: als Vorbild für andere.

Hatten Sie selbst denn auch ein Vorbild, an dem Sie sich orientiert haben?

Josef Lechner: Für mich war immer maßgeblich, dass ich mir selbst treu geblieben und mir nicht vorwerfen muss, dass ich etwas Entscheidendes übersehen habe. Der Drang nach akribischem Planen stammt sicherlich aus meiner Zeit in der Wirtschaft. Wenn du da einen groben Fehler machst, bist du weg.

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In 13 Jahren Amtszeit ist Ihre Weste also weiß geblieben?

Josef Lechner: Ich muss mir zumindest nicht vorwerfen, nicht alles dafür getan zu haben. Sicherlich gibt es immer Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie man das gern gehabt hätte. Da fällt mir in erster Linie die gescheiterte Ansiedlung der Firma Sixtus ein. Das hat mir schon wehgetan. Für uns, aber auch für das Unternehmen. Ich bin bis heute überzeugt, dass Sixtus, wenn es an seinem ursprünglichen Konzept festgehalten hätte, eine erfolgreiche Zukunft in Fischbachau gehabt hätte. Und die Gemeinde einen guten Arbeitgeber und weiteren touristischen Anziehungspunkt.

...und Gewerbesteuerzahler.

Josef Lechner: Darauf ist es mir offen gestanden nie primär angekommen. Wir in Fischbachau haben eine sehr gesunde Struktur mit tollen mittelständischen Betrieben, meist Handwerk, Gastronomie oder Landwirtschaft. Wir haben ja nicht mal ein Gewerbegebiet. Damit sind wir aber auch konjunkturellen Schwankungen nicht zu sehr unterworfen. Das ermöglicht uns eine solide, langfristig angelegte Haushaltsplanung.

Die war in den vergangenen Jahren aber alles andere als unspektakulär. Das Investitionsvolumen ist von Jahr zu Jahr gewachsen – und damit auch der Schuldenstand.

Josef Lechner: Es ist richtig, dass ich ursprünglich etwas anderes vorhatte. In meiner ersten Amtsperiode war mein Ziel, den Schuldenstand von damals 5,6 Millionen Euro zu halbieren, was auch voll gelungen ist.

Danach haben Sie ihn aber auf 13 Millionen Euro hochgeschraubt.

Josef Lechner: Ja, wir sind diesen Weg aber bewusst gegangen. Man muss sehen, was wir damit alles bewegt haben. So ist es uns gelungen, das laufende Geschäft der Gemeinde – den Verwaltungshaushalt – so zu gestalten, dass wir jedes Jahr einen satten Überschuss erwirtschaften. Das und die zahlreichen Zuschüsse, die wir aufgetan haben, waren die Grundlage für die Investitionen, die wir tätigen konnten. Hinzu kam die Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt. Dies alles hat uns ab 2013 zum „Umschalten“ bewogen. Das hat sich dann in zahlreichen Rekordhaushalten niedergeschlagen.

Wenn Sie zwei Projekte nennen müssten, auf die Sie ganz besonders stolz sind: Welche wären das?

Josef Lechner: Ganz klar der Kauf der Caritassiedlung in Hundham und des früheren Campingplatzes am Wolfsee. Ersteres hat uns ein soziales Zentrum mit günstigen Mietwohnungen und einer neuen Kinderkrippe verschafft, Zweiteres ein attraktives Wohngebiet für Einheimische, das uns letztlich ermöglichen wird, die nichtrentierlichen Schulden durch Grundstücksverkäufe komplett abzubauen. In beiden Fällen habe ich intensiv und sehr lange verhandelt – am Ende aber erfolgreich.

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Nicht selten haben Sie dafür auch Ihr persönliches Netzwerk bemüht. Wie entscheidend ist das für einen Bürgermeister?

Josef Lechner: Sehr. Es öffnet einem Türen, die man für Projekte in der Gemeinde nutzen kann. Doch solche Kontakte müssen gepflegt werden. Das will ich übrigens auch im Ruhestand so beibehalten.

Der steht Ihnen jetzt ja unmittelbar bevor. Hand auf’s Herz: Wie sehr hätte Sie eine dritte Amtszeit gereizt?

Josef Lechner: Beim Bürgermeisteramt war mir klar, dass nach 13 Jahren Schluss ist. Ich hatte immer vor zu gehen, so lange es bedauert wird. Das hohe Tempo, das ich gegangen bin, hat uns allen viel abverlangt. Es ist Zeit, dass jetzt ein neuer Rathauschef übernimmt.

Das heißt, Sie sind komplett raus aus der Politik?

Josef Lechner: Bis auf mein Kreistagsmandat, ja. Und auch wenn sich meine Frau noch nicht so sicher ist, ob mir der Schnitt wirklich gelingt: Ich bin ein sehr konsequenter Mensch, auch in dieser Hinsicht.

Ihnen wird nicht langweilig so ganz ohne Projekte?

Josef Lechner: Vorerst bestimmt nicht. Die nächsten ein bis zwei Jahre möchte ich mich voll meiner Familie und meinem Haus widmen. Da gibt es vieles, was in meiner Zeit im Rathaus liegen geblieben ist. Sollte sich dann doch wieder eine spannende Möglichkeit bieten, bin ich jederzeit offen. Und bei Fragen – auch meines Nachfolgers – stehe ich natürlich gerne zur Verfügung. Von mir selbst aus werde ich aber keine Ratschläge erteilen.

Es schmerzt Sie also nicht, wenn Ihr Erbe nicht so weitergeführt wird, wie sie es gern gehabt hätten?

Josef Lechner: Ich kann das sehr gut trennen. Der neue Bürgermeister und Gemeinderat werden schon ihren Weg finden. Da habe ich volles Zutrauen. Wir haben eine sehr gute Verwaltung und Bürger, die es verdienen, sich voll zu engagieren. Dazu wünsche ich viel Erfolg!

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