Pia Klapos (47) tritt als neue Leiterin des Caritas Kinderdorfs in Irschenberg in Wolfgang Hodbods Fußstapfen. Im Interview mit unserer Zeitung stellt sie sich vor.
Irschenberg – Das Caritas Kinderdorf in Irschenberg hat eine neue Leiterin. Nachdem Wolfgang Hodbod im April in den Ruhestand ging (wir berichteten), trat Pia Klapos zum 1. September in seine Fußstapfen. Die Sozialpädagogin wohnt mit ihrer Familie in Heufeld. In Irschenberg ist die 47-Jährige keine Unbekannte. Im Gespräch erzählt sie, wieso sie sich auf die Stelle beworben hat, was die Arbeit im Kinderdorf für sie ausmacht und welche Pläne sie für die Einrichtung hat.
Frau Klapos, hier in Irschenberg sind Sie keine Unbekannte, richtig?
Klapos: Ich habe hier im Kinderdorf schon vier Jahre als Sozialpädagogin gearbeitet, von 2012 bis 2016. Das Kinderdorf war meine erste Wirkungsstätte, ich kenne es deshalb schon sehr lange. Jetzt bin ich heimgekehrt, sozusagen zu meinen Wurzeln zurück.
Wo haben Sie in den vergangenen Jahren gearbeitet?
Ich war Kreisgeschäftsführerin des Caritaszentrums in Pfaffenhofen. Auf dieser Organisationsebene war Wolfgang Hodbod mein Kollege. Als er in den Ruhestand ging, habe ich mich dann beworben. Die Stelle habe ich wohl meiner Ausbildung und meiner Erfahrung als Geschäftsführerin, meinem Wirken hier vor Ort und auch meiner Affinität zur Jugendhilfe zu verdanken.
Warum sind Sie zurückgekommen?
Jugendhilfe ist einer meiner Schwerpunkte. Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass ich das als meine Daueraufgabe sehe. Das Kinderdorf war eigentlich immer meine Priorität. Für mich ist das eine persönliche Herzensangelegenheit. Ich will mich voll und ganz auf das Kinderdorf einlassen und auch mit meiner Familie herziehen. Ich will hier leben, arbeiten und wirken.
Wie haben Sie die Rückkehr ins Dorf erlebt?
Für mich ist es ein Gefühl von ankommen. Das erfüllt mich mit großer Zufriedenheit und Glück.
Ihr Vorgänger leitete das Dorf über 30 Jahre. Haben Sie ähnliche Ambitionen?
Ich habe wirklich die Absicht, die Einrichtung bis zur Rente zu leiten. Stabilität ist auch ganz wichtig fürs Kinderdorf.
Wie kamen Sie denn zur Arbeit mit Kindern?
Ich bin selbst Mutter von fünf Kindern. Nach meinem Abitur habe ich Bankkauffrau gelernt. Nach der Geburt meiner Kinder habe ich Sozialpädagogik und später Management studiert. Ich glaube für eine Führungsaufgabe braucht man beides: sowohl das Managementwissen als auch das Wissen über pädagogische Arbeit.
Was wollen Sie den Kindern hier mitgeben?
Für die Kinder will ich ein verlässlicher Partner sein. Eine Geschäftsführerin, die nicht nur im Büro sitzt, sondern auch als Ansprechpartner da ist. Ich will die Kinder in den Blick nehmen: Was sind die Herausforderungen der Kinder, was brauchen sie, was beschäftigt sie? Ich brauche hier nur aus dem Fenster schauen und weiß jeden Tag, warum ich diese Aufgabe mache.
Sie haben viele organisatorische Aufgaben. Haben sie da Zeit für die Kinder?
Das schon. Aber ich hospitiere in den Kinderdorffamilien und versuche, dort weiterhin präsent zu sein. Ich plane auch, selbst Workshops für die Familien zu geben. Der Kontakt ergibt sich oft ganz natürlich, auf dem Rundgang in der Früh oder wenn ich zum Beispiel mit meinem Zwergpudel rausgehe.
Welche Pläne haben Sie für das Kinderdorf?
Ganz wichtig ist mir Stabilität. Unsere Hausfamilien sollen Stabilität schaffen, aber auch die gilt es weiterzuentwickeln. Und ich will auf jeden Fall die Inklusion in der Jugendhilfe vorantreiben.
Was macht für Sie die Arbeit im Kinderdorf besonders?
Es herrscht ein großer Zusammenhalt, wie in einer Familie. Und ich habe eine schöne Aufgabe: Ich kann die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Kinder und Jugendlichen gute Zukunftsperspektiven haben.
Worauf freuen Sie sich in den kommenden Monaten?
Ich freue mich darauf, nach und nach alle kennenzulernen, insbesondere die Kinder. Und ich freue mich, gemeinsam mit den Teams das Kinderdorf weiterzuentwickeln. Und natürlich auf die ganzen Feste.
Das klingt erst einmal romantisch. Aber sie haben auch viel Verantwortung.
Ich bin mir meiner Verantwortung sehr bewusst. Aber ich kenne die Führungsrolle schon, denn ich habe bisher ein großes Caritas-Zentrum mit über 400 Mitarbeitern geleitet. Jetzt kann ich mich auf ein Gebiet konzentrieren und da meine ganze Energie reinstecken.
Welche Herausforderungen werden Sie in Zukunft bewältigen müssen?
Die größte Herausforderung wird sein, Personal zu binden. Auch wir haben mit den Sorgen des Fachkräftemangels zu tun. Und natürlich die gesellschaftlichen Herausforderungen wie Inklusion. Hinzu kommt die Weiterentwicklung des Dorfes.
Was wünschen Sie sich für die kommende Zeit als „Dorfmama“?
Ich sehe mich nicht als Dorfmama, ich glaube, da braucht man schon einen gesunden Abstand. Aber ich trete in große Fußstapfen. Ich wünsche mir, dass es mir gelingt, das Kinderdorf genau wie mein Vorgänger – den ich sehr schätze – erfolgreich weiterzuführen und weiterzuentwickeln.