VonChristina Jachert-Maierschließen
Nun also doch: Die Gemeinde Waakirchen ordnet für die Hauptstraße Marienstein Tempo 30 an. Damit folgt sie dem Wunsch der Anwohner. . Vereinbart ist eine Testphase von einem Jahr.
Marienstein – Zuletzt hatte sich der Waakirchner Gemeinderat im August mit dem Ruf einiger Mariensteiner befasst, Tempo 30 auf der Hauptstraße einzuführen. Als Argumentationshilfe diente eine Messung im Zeitraum zwischen 30. Juli und 6. August. 5300 Fahrzeuge wurden erfasst, sehr viele waren zu schnell unterwegs. Die Spitzenreiter hatten 51 bis 60 km/h mehr auf dem Tacho als erlaubt. Ein Tempo-30-Gebot sprach der Gemeinderat dennoch nicht aus. Die Fachbehörden sähen keine Notwendigkeit, führte Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) damals aus. Um Raser zur Räson zu bringen, entschied der Gemeinderat, Dialog-Displays aufzustellen und die Kontrollen zu verstärken.
Anwohner Olaf Jäckl war das nicht genug. Er will keine Kontrolle der üblichen 50 km/h, sondern Tempo 30. Um klar zu machen, dass er damit nicht alleine steht, hat er fleißig Unterschriften gesammelt. „Alle Mariensteiner wollen die Reduzierung, bis auf zwei Personen“, erklärte Jäckl in einem Schreiben an die Gemeinde. Auch die im Ort angesiedelten Firmen unterstützten das Anliegen. Mit den Zuständigen beim Landratsamt und der Polizei habe er ebenfalls gesprochen, teilte Jäckl mit. Diese hätten versichert, die Gemeinde könne in Marienstein in eigener Zuständigkeit entscheiden. Die Fachbehörden würden ein Tempo-30-Gebot dort nicht anfechten. „Es liegt allein in Ihrer Hand“, appellierte Jäckl in einem neuerlichen Antrag an den Gemeinderat, sich doch noch zu Tempo 30 durchzuringen.
Gerne hätte Jäckl dies bei der Sitzung persönlich erläutert. Zweimal erhob er sich von seinem Zuhörer-Platz, z
weimal wurde ihm entschieden das Wort verwehrt. Für ihn sprach schließlich Rudi Reber (ABV). In der ABV-Fraktionssitzung habe Jäckl seinen Antrag gut erklärt, berichtete Reber. Der im Sommer gefasste Beschluss gehe an dem Antrag Jäckls vorbei. Der Gemeinderat solle das Thema doch noch einmal angehen.
Bürgermeister Hartl mochte sich von dem im August gefassten Beschluss zunächst nicht verabschieden. Er plädierte dafür, den Erfolg der – noch nicht aufgestellten – Displays abzuwarten. „Wir sollten keinen Schnellschuss machen.“ Auch Hermann Mair (SPD) war skeptisch. Es seien ja die Mariensteiner selbst, die auf der Hauptstraße zu schnell unterwegs seien. Er halte es für fraglich, ob Tempo 30 den Verkehrslärm mindere, gab Balthasar Brandhofer (FWG) zu bedenken. Angesichts der 200 Unterschriften wäre er dennoch dafür, das 30er-Gebot zu erlassen. „Danach sind viele vielleicht froh, wenn sie wieder 50 fahren dürfen.“
Auch Martin Weingärtner (ABV) plädierte dafür, dem Wunsch der Mariensteiner zu folgen. Er empfahl eine Testphase von einem Jahr. „Dann können wir uns das ja noch mal anschauen.“ Ein Vorschlag, der Alfred Finger (CSU), selbst Mariensteiner, gefiel. Eine Testphase sei gut. „Ich bin aber noch nicht überzeugt, dass alle Mariensteiner mit den 30 so glücklich sein werden.“
Mehrheitlich – es gab zwei Gegenstimmen – hob der Gemeinderat den Beschluss vom August auf. Stattdessen wird nun doch ein Tempo 30-Gebot auf der Mariensteiner Hauptstraße angeordnet, vorerst für ein Jahr. Die Dialog-Displays soll es zur Kontrolle dennoch geben.
