VonChristina Jachert-Maierschließen
Im Herbst 2015 glaubte die Bad Wiessee noch, in eigener Regie günstig ein Badehaus bauen zu können. Ein Münchner Investor, der im Auftrag der Gemeinde geplant hatte, wurde abserviert. Er klagt jetzt auf Schadenersatz.
Bad Wiessee – Rund neun Millionen Euro wollte der Münchner Investor Joachim Heby mit seiner H&H Consulting AG in ein Medizinisches Zentrum in Bad Wiessee stecken. Er setzte sich bei einem ersten Interessensbekundungsverfahren durch und gewann die EU-weite Ausschreibung. Der Entwurf sah ein dreigeschossiges Gebäude vor. Hauptmieter sollte die gemeindliche Gesellschaft Gesundheitszentrum Jod-Schwefelbad GmbH sein. Zudem hatten zehn Mediziner Interesse bekundet, in das Zentrum einzuziehen. Im September 2015 signalisierte der Gemeinderat Einverständnis, einen Monat später winkte er plötzlich ab: Die Pacht von 30 000 Euro monatlich könne sich die Gemeinde nicht leisten.
Der verstimmte Investor kündigte schon damals an, er verlange Schadenersatz. Schließlich hatte Heby viel Geld in die Planung gesteckt. Es waren keine leeren Drohungen. Heby hat Klage gegen die Jod-Schwefelbad Wiessee GmbH eingereicht, am Landgericht München II läuft inzwischen ein Verfahren. Ende Juni gab es einen ersten Termin vor Gericht, der Verkündigungstermin ist für Oktober angesetzt. Dem Vernehmen nach geht um eine Summe von über 300 000 Euro.
Die Gemeinde Bad Wiessee bestätigt nur, dass ein Verfahren anhängig ist. Wie sie ihre Chancen sieht und ob eine gütliche Einigung noch im Raum steht, lässt sie offen. „Wir geben keine Auskünfte zu schwebenden Verfahren“, meint Geschäftsleiter Hilmar Danzinger. Auch Investor Heby äußert sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.
Bekannt ist, dass der Ausstieg der Gemeinde für Heby 2015 überraschend kam. „Man hat dem Investor einfach den Stuhl vor die Tür gestellt“, meinte damals Hans-Jörg Rippe. Rippe ist der Gesundheitsexperte, den die Gemeinde Bad Wiessee im Juli 2013 zum Geschäftsführer ihrer Jodbad-Betreibergesellschaft machte. Der promovierte Psychologe, seit Jahrzehnten in der Gesundheitswirtschaft tätig, sollte als Geburtshelfer des neuen Jodbads fungieren. Rippes Vertrag mit der Gemeinde lief schon zum Januar 2014 aus, der Kontakt riss aber nicht ab. 2015 wurde Rippe Berater des Investors Heby.
Doch als die Skizzen und Berechnungen auf dem Tisch lagen, zogen die Verantwortlichen im Rathaus die Reißleine. Mit einer so hohen Pacht hatte der Gemeinderat offenbar nicht gerechnet. Bürgermeister Peter Höß ließ wissen, das Unternehmen habe „einen Riesen-Kasten“ geplant, der nicht dem Wunsch der Gemeinde entspreche. Der Vorschlag der CSU-Fraktion, selbst ein Gebäude zu errichten, fand Anklang. Die Gemeinde beschloss, ein kleines, feines Badehaus zu bauen. Mehr als vier Millionen Euro sollte es nicht kosten.
Aufgegangen ist auch dieser Plan nicht. Wie berichtet, wird der Bau sehr viel teurer als gedacht. 7,6 Millionen Euro verschlingt allein das Jodbad, hinzukommen 2,6 Millionen Euro für die Quellensanierung. Bei der Gemeinderatssitzung im Juni ließ sich die Verwaltung das Okay geben, noch ausstehende Gewerke in Eigenregie an Baufirmen zu vergeben, sofern der Kostenrahmen von 10,3 Millionen Euro eingehalten wird. Die CSU stimmte dagegen: Sie fürchtet, dass die Kontrolle über die Kosten vollends verloren geht.
