Johanna Kiening aus Lenggries spielt Querflöte, studiert am Mozarteum und strebt eine Stelle in einem Sinfonieorchester an. Nun begeisterte sie in Bad Tölz.
Bad Tölz – Johanna Kiening aus Lenggries ist gerade einmal 20 Jahre alt. Seit 2017 studiert sie am Salzburger Mozarteum im Fach Querflöte und erhält seit 2018 ein Leistungsstipendium. Und sie weiß genau, was sie eines Tages haben möchte: eine Stelle in einem namhaften Sinfonieorchester. An Fronleichnam hatte sie in Bad Tölz im Rahmen der Konzertreihe „Stadt mit der besonderen Note“ ein Heimspiel und begeisterte ein ihr zugeneigtes Publikum, darunter viele Weggefährten aus ihrer Zeit an der Musikschule.
Dieser Erfolg fiel ihr leicht, doch der Weg nach ganz oben – das weiß sie natürlich – ist in ihrem Metier ein Stahlbad mit offenem Ausgang. Sehr viel Talent, immenser Fleiß, aber auch eine robuste Persönlichkeit sind nötig. Die zierliche Musikerin scheint dafür eine Menge mitzubringen. Johanna Kiening verfügt über ein fesselndes, farbenprächtiges Spiel mit viel Klangraffinement und einem warmen, reinen Ton, bei dem sie kaum Nebenluftgeräusche zulässt. Sie überzeugt aber auch mit ihrer natürlichen Ausstrahlung, mit der sie sich selbst für solistische Aufgaben empfehlen kann.
Querflöte und Gitarre: Ungewöhnliche Kombination der Instrumente
Zusammen mit ihrer ein Jahr älteren Studienfreundin Sophie Esterbauer (Gitarre) aus dem steirischen Graz spielte Kiening ein anspruchsvolles Programm mit teils ungewohnten Stilrichtungen. In dieser recht ungewöhnlichen Kombination der Instrumente konnten beide Seiten ihre facettenreiche musikalische Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Zur Einstimmung gab es „Histoire du Tango“ von Astor Piazzolla, der hier den Tango teilweise fast bis zur Unkenntlichkeit transformierte. Dann folgte ein Duo Concertante des Beethoven-Zeitgenossen Mauro Giuliani sowie ein Rag des US-Amerikaners Scott Joplin.
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Vor allem nach der Pause spielten die beiden eine Musik, die auch den Zuhörern einiges an Aufgeschlossenheit abverlangte: Die recht ungewohnten Klänge des Japaners Toru Takemitsu etwa, die man nicht unbedingt verstehen muss, die aber in ihrem ruhigen Dahinströmen zu einem freien Assoziieren oder gar Meditieren einladen.
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Anschließend folgte noch eine zeitgenössische Sonate des Tschechen Jan Truhlár und – nun auch einmal ein bekannteres Werk – die Pawane op. 50 von Gabriel Fauré. Lauter musikalisch anspruchsvolle und spieltechnisch virtuose Stücke also, die beim Publikum keine Zweifel über die Befähigung des Duos zuließen.
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Viel Applaus im gewitterschwül-dampfigen und fast vollbesetzen historischen Sitzungssaal des Tölzer Stadtmuseums für die beiden sympathischen Nachwuchskünstlerinnen. „Jugend musiziert“ muss man einfach mögen: Es ist ein tolles Format, das vielen Karrieren zusätzlichen Schub gibt.
Rainer Bannier