175 Jahre Weilheimer Chorkreis

Jubiläumskonzert in der Stadthalle Weilheim: Zwei Chöre, ein Geschenk

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Die illustre Vereinsgeschichte brachte der Chorkreis unter Leitung von Elisabeth Reitzer in der Stadthalle zum Klingen.
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Der Weilheimer Chorkreis feierte sein 175-jähriges Bestehen in der Stadthalle vor 400 Zuhörern mit preisgekrönten Gästen aus Leipzig.

Weilheim – Ein wundervolles Geburtstagsgeschenk hat sich der Weilheimer Chorkreis da gemacht – sich selbst und rund 400 weiteren Musikfreunden, die am Samstagabend zum Jubiläumskonzert in die Stadthalle gekommen waren. Zum 175-jährigen Bestehen hatte sich der 1844 als „Liederkranz Weilheim“ gegründete Verein einen der besten Chöre des Landes eingeladen: den Kammerchor „Josquin des Préz“ aus Leipzig, Gewinner des Deutschen Chorwettbewerbs 2018.

Mit einem so herausragenden, semiprofessionellen Ensemble gemeinsam aufzutreten, ist für einen Laienchor Vergnügen und Wagnis zugleich. Wie sehr es das eigene Singen befeuert, das war gleich in den ersten Takten zu hören und zu spüren: Welch Klangfülle zauberten beide Chöre zusammen mit Mendelssohns „Jauchzet dem Herrn“, komponiert im Gründungsjahr des Chorkreises, in den Raum! Für einen zehnstimmigen Kanon von Josquin des Préz (um 1450-1521) verteilten sich die Mitglieder beider Chöre dann zwischen den Zuhörern in der Halle. Und wären das schon alle Highlights gewesen, so hätte sich der Konzertbesuch doch allein dafür schon gelohnt.

Ganz Altes und ganz Neues - in Perfektion

Was die Leipziger in ihren eigenen Programmteilen folgen ließen, war freilich durchgehender Genuss – auf höchstem Niveau: 15 exzellente Einzelstimmen fügten sich zu allerfeinstem Chorklang, umfingen mit perfekter Intonation und Artikulation, ließen schwerste Literatur mühelos leicht wirken. Alter Musik des 15. und 16. Jahrhunderts stellte der Chor Werke der Gegenwart gegenüber (etwa Ausschnitte aus Bernd Frankes experimentellen „Luther-Madrigalen“ von 2015). Beides beeindruckte, beseelte die Zuhörer gleichermaßen.

Sympathische kurze Ansagen von Chorleiter Ludwig Böhme – einst Kommilitone der Chorkreis-Dirigentin Elisabeth Reitzer beim Studium in Leipzig, deshalb nun auch die Einladung nach Weilheim – taten das Ihrige dazu. „Die 175 Jahre sieht man euch nicht an“, gratulierte Böhme dem Chorkreis. Auch Karl Weindler, Präsident des Bayerischen Sängerbundes, freute sich in seinem Grußwort über die Frische dieses Klangkörpers. Und Bürgermeister Markus Loth dankte für das Engagement des zweitältesten Weilheimer Vereins – für Handfestes wie den Umbau des Stadttheaters in den 1920er Jahren und für „die Freude, die Sie so vielen Weilheimern über so lange Zeit gebracht haben“.

Der Chorkreis reiste durch die eigene Historie

Die vielfältigen Beiträge des Chorkreises zum Jubiläumskonzert warfen klangvolle Schlaglichter auf diese Historie: Ein Medley aus Bernsteins Musical „West Side Story“, von Florian Appel einfühlsam am Flügel begleitet, erinnerte an die große Theatertradition des Vereins. Sieben einstige Mitglieder des Juniorchorkreises, der unter Ulrike Groß’ Dirigat (1970-2001) gebildet wurde, waren teils weit angereist, um mit dem „Engelsterzett“ aus Mendelssohns „Elias“ zu beglücken. Die Städtepartnerschaft mit Narbonne, vom Chorkreis lange intensiv begleitet, wurde halb bayerisch („Mir fahrn mit da Zilln übern See“), halb französisch (das populäre „La mer“ des gebürtigen Narbonners Charles Trenet) gewürdigt. Und zu allem passte der alte Sängerspruch des Liederkranzes von 1858, der lateinisch vom „süßen Gesang“ kündet, der stets „unseres Lebens Freude“ sein solle.

Pure Freude war jedenfalls dieses Jubiläumskonzert, das alle Mitwirkenden gemeinsam mit Rheinbergers „Abendlied“ beendeten – kurzum: ein Geschenk. 

mr

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