VonMagnus Reitingerschließen
Erstmals seit der „Weilheimer Passion“ 2010 gibt es heuer wieder großes Theater in der Großen Hochlandhalle: Mit dem „Brandner Kaspar“ feiern die Weilheimer Festspiele ihr 20-jähriges Bestehen. Und dieses Stück kennt wohl kaum jemand besser als Regisseurin Yvonne Brosch.
Weilheim – Mit „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“, jener unsterblichen Komödie Kurt Wilhelms nach einer Erzählung von Franz von Kobell, wurde vor genau 20 Jahren ein neues Kapitel der reichen Weilheimer Theatergeschichte aufgeschlagen.
Nach dem jähen Aus von Cordula Trantows „Theatersommer“ im Jahr davor begründeten der aus Weilheim stammende Bühnenbildner Andreas Arneth und die Münchener Regisseurin und Schauspielerin Yvonne Brosch 1999 die „Weilheimer Festspiele“ – eben mit dem „Brandner Kaspar“ in der Hochlandhalle.
Über 700 Mal die Rolle der Enkelin Marei gespielt
Broschs ganz besondere Beziehung zu diesem Stück hatte freilich schon viel früher begonnen. Als Mitglied des Bayerischen Staatsschauspiels hat sie am Residenztheater München ab 1975 über 700 Mal die Rolle von Brandners Enkelin Marei gespielt.
Die Verfilmung dieser legendären Inszenierung von Kurt Wilhelm – mit Gustl Bayrhammer, Toni Berger, Fritz Straßner und vielen weiteren Stars – wird heute noch immer wieder im Bayerischen Fernsehen gezeigt.
„Wenn man den Beruf so lange macht wie ich, kennt man viele Stücke sehr gut“, sagt Yvonne Brosch heute, „aber den ,Brandner Kaspar’ kenne ich wirklich auswendig“. Sie hat in mehreren Versionen, darunter auch eine Hörspielfassung, mitgespielt, und sie hat diese Komödie schon mehrmals inszeniert – zum Beispiel 1996 als Freilichttheater in Würzburg.
Die Geschichte, die viele Generationen begeistert, bleibt gleich
Ist das Ganze also eine „gmahde Wiesn“ für Brosch? „Von wegen“, sagt die Regisseurin: „Du hast neue Schauspieler, stellst dich neu drauf ein, und so entsteht wieder was Neues.“ Die Geschichte freilich, die seit Generationen so viele begeistert, die bleibt: Wie der Brandner, das alte Schlitzohr, in seinem 72. Lebensjahr den Tod überlistet und ihm 18 weitere Lebensjahre abluchst, indem er ihn mit Kirschgeist betrunken macht und beim Kartenspiel betrügt... „Das ist wirklich ein großer, großer Wurf“, sagt Brosch, „ein Stück, das alles abdeckt – und am Totensonntag genauso passt wie am Faschingsdienstag“.
In Weilheim ist es vor und an Allerheiligen zu sehen; sieben Vorstellungen gibt es zwischen 18. Oktober und 2. November in der Großen Hochlandhalle. Ein Erlebnis verspricht allein schon das zweistöckige Bühnenbild, das Arneth dafür entwickelt hat: unten das irdische Geschehen, oben der bayerische Himmel, das Paradies. „Das gibt es nirgends so“, erklärt die Regisseurin.
Auch Goaßlschnalzer und die Stadtkapelle wirken mit
Auf dieser Bühne agieren gut ein Dutzend Schauspieler – neben den Profis auch einige bekannte Weilheimer wie Anita Kurzrock und Lukas Wörle (der vor neun Jahren den Jesus in der „Weilheimer Passion“ verkörperte) –, dazu kommen 13 Goaßlschnalzer vom Heimat- und Trachtenverein und 25 bis 30 Musiker der Weilheimer Stadtkapelle. Man darf sich also auf sinnliche Theaterabende freuen.
Den Brandner spielt Winfried Hübner, den Boandlkramer Werner Eggenhofer. Beide wirkten schon oft bei den „Weilheimer Festspielen“ mit, standen aber noch nie gemeinsam auf der Bühne. Für Brosch sind sie ein Traum-Duo. Lange schon stand für sie fest, dass Eggenhofer, Jahrgang 1946, den „Boandl“ spielen soll – „weil er nicht den Toni Berger kopiert“, der diese Rolle in der berühmten Fernsehaufzeichnung hatte.
Dass heuer mal wieder in der Großen Hochlandhalle gespielt wird, ist eine Reminiszenz an die Anfänge der „Weilheimer Festspiele“. „Für so ein Stück hat dieser Raum was“, sagt Brosch, „und danach gehen wir wieder brav ins Stadttheater“. Dort gibt’s im Dezember das zweite Großereignis des Jubiläumsjahres: „Die Feuerzangenbowle“.
Aufführungstermine
für „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ in der Großen Hochlandhalle:
Freitag, 18. Oktober, 20 Uhr • Sonntag, 20. Oktober, 20 Uhr • Freitag, 25. Oktober, 20 Uhr • Samstag, 26. Oktober, 20 Uhr • Sonntag, 27. Oktober, 18 Uhr • Freitag,
1. November, 20 Uhr • Samstag, 2. November, 20 Uhr.
Karten gibt es im Veranstaltungsbüro im Rathaus und beim Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz (Tel. 0881/686-11 oder -12) sowie per Reservierung auf Mailbox: 0152/ 565 703 59.
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