Corona-Krise weltweit

Junge Isarwinkler im Ausland: Endlich zurück in der Heimat – und gesund

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Hoch zu Ross: Louisa Lichtner in Ecuador während einer Pferdetherapie in der Schule für Kinder mit Behinderung.

Von Süd- und Mittelamerika wieder zurück in den Isarwinkel: Drei junge Frauen erzählen, wie sie die Pandemie-Situation fern der Heimat erlebt haben.

Elisa Neubauer

Die 22-Jährige hat an einem sozialen Studentenprojekt der Hochschule München teilgenommen. Im Dorf Santa Catarina Quiané im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca half die Lenggrieser Architekturstudentin mit, ein Gemeinschaftszentrum aufzubauen. Ende Januar ging es los, fünf Wochen standen auf dem Programm. Acht Wochen wurden es letztendlich. Corona war buchstäblich in weiter Ferne. „Wir haben dort wie in einer Blase gelebt, es gab kaum Internet. Aber so nach und nach ist einiges durchgesickert.“

Als bekannt wurde, dass die Uni erst später wieder beginnt, haben einige Studenten ihren geplanten Rückflug am 10. März um zwei Wochen verschoben. „Wir wollten die Zeit zum Reisen nutzen“ erzählt Elisa Neubauer und gibt zu: „Wir haben das Ausmaß nicht erkannt.“ Es ging Richtung Pazifikküste, doch weil sie nun in den Hotels regelmäßig Internetzugang hatten, gab es immer mehr Infos. Bald wurde klar: Die Situation ist prekär, vor allem, als gemeldet wurde, dass ab April keine Flugzeuge mehr Richtung Heimat starten würden und ihr gebuchter Flug gerade gecancelt worden war. „Da kam schon die Angst hoch, dass wir es nicht nach Hause schaffen“.

Hoch hinaus: Elisa Neubauer auf einer Baustelle in Mexiko beim Befestigen einer Dachkonstruktion.

Die Studenten hatten sich bei verschiedenen Rückholprogrammen registrieren lassen und sollten sich auf Anraten des Auswärtigen Amtes nach Cancun begeben – eine Fahrt von über tausend Kilometern, die sie in Nachtbussen auf Etappen zurücklegten.

Am 28. März gab es schließlich einen Direktflug von Cancun nach München; morgens um sechs. „Die Warteschlange war schon sehr lang“, erinnert sich Elisa Neubauer, „wir mussten Formulare ausfüllen und es wurde Fieber gemessen vor dem Einchecken“, Obwohl es keinerlei Empfehlung an die Heimkehrer gab, bleibt sie jetzt freiwillig daheim und bereitet sich auf das weitere „Home“-Studium vor.

Angelika Fischhaber

Die 20-Jährige kommt ebenfalls aus Lenggries. Sie ist im Freiwilligendienst als „Missionarin auf Zeit“ in einem Kinderdorf in der argentinischen Provinz Misiones gewesen. „Es wurde am 19. März entschieden, dass wir nach Hause fahren. Pfarrer Walter Waldschütz aus Tegernsee, dessen Stiftung das Kinderdorf errichtet hat, hat uns geholfen, ins Rückholprogramm zu kommen“, erzählt sie. Die Fahrt vom Dorf bis nach Buenos Aires sei nicht so einfach gewesen, da die Provinzgrenzen bereits geschlossen hatten. „Wir brauchten Dokumente vom Bürgermeister, vom deutschen Konsulat und eine Flugbestätigung vom Auswärtigen Amt.“ Alles in allem ging es aber einigermaßen reibungslos ab.

Missionarin auf Zeit: Angelika Fischhaber aus Lenggries in einem Kinderdorf in Puerto Rico in Argentinien.

Angelika Fischhaber und die anderen „Missionare“ saßen im ersten Rückholflieger nach Deutschland. Doch starke Eindrücke sind geblieben: „Die Situation ist in Argentinien schon um einiges verschärft. Es gab sofort Einschränkungen, und mittlerweile sind ganze Städte abgeriegelt. Man darf nur noch alleine und mit Bescheinigung raus und nur alle fünf Tage zum Einkaufen gehen. Die meisten Leute halten sich akribisch daran, denn sie haben Angst. Es gibt keine gute Versorgung, ein schlechtes Gesundheitssystem und keiner will andere gefährden.“ Bei der Landung in Frankfurt war sie dementsprechend schockiert, dass „Leute aus mehreren Fliegern dicht an dicht dastanden“.

Ebenso erschlagen habe sie der erste Einkauf im heimischen Supermarkt. Nach Monaten in einer der ärmsten Provinzen Argentiniens kam ihr das Überangebot seltsam vor. „In Argentinien gibt es halt nur eine Sorte Öl statt zehn“ sagt sie, „aber Klopapier war immer da“.

Louisa Lichtner

Die junge Frau aus Wegscheid hat in Quito, der Hauptstadt von Ecuador, noch ganz andere Auswirkungen der strengen Ausgangssperre erlebt. „Es passieren viel mehr Überfälle, weil die Leute nur noch alleine draußen unterwegs sein dürfen und die Polizei derzeit viel zu tun hat.“ Die 20-Jährige war dort sieben Monate über eine Kolpingorganisation in einer Gastfamilie, absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Schule für Behinderte und in einem Krankenhaus. Sie erzählt, dass die Maßnahmen schon sehr früh begonnen haben. „Man darf nur von 5 bis 14 Uhr raus und nur zum Arbeiten oder den Einkauf. Es gibt scharfe Kontrollen. Handschuhe, Mundschutz und Desinfektion sind Pflicht.“ Mit der gemäßigten Ausgangsbeschränkung in Deutschland sei das nicht zu vergleichen.

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Für Louisa war es längere Zeit ungewiss, wann sie in ein Flugzeug nach Deutschland steigen darf. „Wir erfuhren, dass wir alle zurück müssen. Doch zuerst kamen die Touristen dran, wir in den Gastfamilien waren ja einigermaßen sicher.“ Sie erwischte eines der letzten Rückholflugzeuge, die vom Auswärtigen Amt organisiert wurden. Bereits zwei Wochen war sie da nicht mehr rausgegangen, und sie ist froh, dass sie vor der Ausgangssperre noch Gelegenheit zu einem Wochenendausflug mit Freunden gehabt hatte.

Angst hatte sie dennoch nicht, und jetzt, zurück in Deutschland, sagt sie: „Man wird sich der Privilegien bewusst, die andere einfach nicht haben.“ Es macht sie auch ein bisschen traurig, dass sie sich nicht mehr von den Kindern in der Schule verabschieden konnte. „Aber ich genieße es, dass ich hier spazieren gehen kann.“ (Von Ines Gokus)

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