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„Frauen? Frauen!“ - Unter diesem Titel erklingen beim kommenden Herbstkonzert des Kammerorchesters Weilheim in der Hochlandhalle ausschließlich Werke von Komponistinnen.
Weilheim – Eines stellt der musikalische Leiter des Kammerorchesters gleich mal klar, wenn man mit ihm über das außergewöhnliche Programm des nächsten Konzerts spricht: „Es geht nicht darum, aus Marketinggründen etwas Plakatives zu tun, sondern etwas längst Überfälliges“, sagt Florian Appel. „Und es ist eigentlich beschämend, dass es 2023 dafür werden musste.“ Er selbst, bekennt der 49-Jährige – der in seiner Laufbahn weiß Gott tief in die Musikliteratur und -geschichte eingetaucht ist – habe kein einziges jener Stücke gekannt, die nun am 12. November in der Hochlandhalle erklingen. Was wohl beweist, wie sehr es an der Zeit ist, mal ein ganzes Programm nur mit Komponistinnen zu bestreiten.
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Selbst der Dirigent kannte keine einziges der Stücke
„Es gibt herrliche Musik von Komponistinnen“, so Appel, und es sei einigen unermüdlichen Initiativen zu danken, dass Werke aus der Feder von Frauen zunehmend in Rundfunk- und Konzertprogrammen auftauchen. So habe sich das Kammerorchester auf die Suche gemacht und sei „auf das Schönste fündig geworden“. Wobei es dem Dirigenten zufolge „eine echte Herausforderung“ war, Werke zu finden, die fürs Kammerorchester mit seinen derzeit rund 30 Streichern und zwölf Bläsern spielbar sind.
Programm spannt musikalischen Bogen über 900 Jahre
Das Programm spannt einen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart: Ausgehend von einer Melodie Hildegard von Bingens aus dem 12. Jahrhundert, ist Barockes (Maria Grimani), Klassisches (Anna Amalia v. Braunschweig-Wolfenbüttel) und Romantisches zu hören (Mel Bonis, Lou Koster, Amy Beach). Als Vertreterinnen der Musik des 20./21. Jahrhunderts erklingen Stücke von Grazyna Bacewicz und Barbara Heller, die ihr „Lalai, Schlaflied zum Wachwerden?“ als „Fanal gegen Unterdrückung, Ausgrenzung und Vernichtung“ versteht.
„Wir thematisieren nicht Gender-Fragen, wir musizieren einfach“
In der Vorbereitung steckt für Appel „ein Nachdenken über Rollen“. Doch „wir thematisieren nicht Genderfragen“, betont er, „wir musizieren einfach“. Und dabei könnten Ausführende und Zuhörer viel Schönes und Spannendes entdecken. Das Orchester hat für die Thematik so sehr Feuer gefangen, dass es zwei Wochen nach dem Herbstkonzert noch ein Gesprächskonzert gibt – und auch das nächste Frühjahrskonzert komplett mit Werken von Komponistinnen bestückt wird. Dafür erging sogar ein Kompositionsauftrag an die aus Wielenbach stammende Musikerin Katharina Schmauder.
Das Programm
„Frauen? Frauen!“ erklingt am Sonntag, 12. November, gleich zweimal in der großen Hochlandhalle: um 17 und um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Vertieft wird das Thema bei einer Art Gesprächskonzert mit kleineren Besetzungen am Samstag, 25. November, 19 Uhr, im Saal der Musikschule (Eintritt frei). Für Letzteres wird um Anmeldung gebeten: kontakt@kammerorchester-weilheim.de.
