Tauernautobahn entlasten

Kann die KI Staus verhindern? Sensoren und neue Überkopfwegweiser sollen bis zu 100.000 Autos am Tag „managen“

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Hanke Peter und Salzburgs Landeshauptfrau Edtstadler Karoline.
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Die Tauernautobahn ist die wichtigste Verbindung in den Süden, für Deutschland, Skandinavien und natürlich auch für Österreicher. Bis zu 45 Kilometer lange Staus gab es nicht nur während der Tunnelsanierung zwischen Golling und Werfen. Jetzt soll ein neues System und KI dabei helfen, Urlauber ohne Stau durch Salzburg zu ziehen.

Salzburg – Der Reiseverkehr mit bis zu 100.000 Fahrzeugen am Tag wird stärker und die Transitstrecke Tauernautobahn ist eigentlich von Ostern bis tief in den Herbst hinein überlastet ist. Der Ruf nach einer Blockabfertigung wurde immer lauter, jetzt soll ein neues System und Künstliche Intelligenz helfen, das Tempo so zu drosseln, damit die Urlauberkarawane möglichst ohne Stau durch Salzburg ziehen kann. Diese „intelligente“ Tempodosierung sollte sinnvollerweise schon auf der bundesdeutschen A8 beginnen, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich bei einem Arbeitsbesuch in Salzburg am Montag aufgeschlossen.

Schon bei den Megastaus wegen der Sanierung von fünf Tunnels zwischen Golling und Werfen hatte Verkehrsgutachter Gerhard Kronreif unter anderem ein Drosseln des Tempos vom Walserberg kommend gefordert, „bei einem niedrigeren Tempo hält man den Verkehrsfluss besser aufrecht und man bekommt mehr Fahrzeuge durch die Baustelle“, so Kronreif damals.

Diese Aussage gilt naturgemäß auch ohne Baustelle. Der Experte ,Verkehrslandesrat Stefan Schnöll und vor allem die belasteten Anrainergemeinden von Hallein bis Golling fordern auch eine Blockabfertigung am Walserberg, die wird jetzt erst einmal nicht kommen, diese würde nach Ansicht der Asfinag auch den Verkehr in Richtung Wien zum Erliegen bringen, am Walserberg beginnt die Westautobahn, die den Verkehr von Vorarlberg und Tirol über das Große Deutsche Eck in den Westen Österreichs abwickelt. „Bei einer Blockabfertigung hätten wir einen massiven Ausweichverkehr auf den Kleinen Walserberg, über Freilassing und Berchtesgaden“, so Asfinag- Projektleiter Hanspeter Treichl im September 2024.

Intelligent Tempo reduzieren

Jetzt wird der Autobahnbetreiber Asfinag rund 28 Millionen Euro investieren, um bis 2028 ein neues System aufzubauen, dazu werden die vorhandenen 40 Überkopfanzeigen aufgerüstet und zehn neue aufgestellt. Dazu Sensoren, ähnlich wie sie schon bei Luftmessung und dem Luftschutz-Hunderter eingesetzt wurden. „Mit Sensoren wird es möglich sein, im Tempobereich klare Schritte zu setzen“, so Österreichs neuer Verkehrsminister Peter Hanke bei einem Arbeitsbesuch am Mittwoch bei Landeshauptfrau Karoline Edtstadler. Eine Zusammenarbeit mit Bayern wird es dabei geben müssen, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte am Montag in Salzburg seine Bereitschaft dazu angekündigt, „man muss an einem Strang ziehen“.

Ein manuell gesteuertes Drosseln des Tempos bei Überlastung gibt es schon jetzt, in Zukunft sollen neue Sensoren und künstliche Intelligenz automatisiert dafür sorgen, dass der Verkehrsfluss erhalten bleibt.

Die Asfinag rüstet nach

Diese Temporeduktion gibt es auf der A1 im stadtnahen Bereich und auf der A10 ab Golling bis zum Knoten Salzburg (A10 mündet in die A1) schon jetzt, „aber die bestehende Anlage auf der A 10 ist nicht im gesamten Streckenverlauf bis Golling als vollfunktionale Verkehrsbeeinflussungsanlage ausgeführt, zwischen Salzburg Süd und Golling handelt es sich um die bisherige Anlage der IG-L Geschwindigkeitsbegrenzung“, so Alexander Holzedl von der Asfinag. „Nun soll Richtung Süden im gesamten Verlauf zwischen Knoten Salzburg und Golling und in Fahrtrichtung Norden zwischen Hallein und dem Knoten Salzburg eine dem neuesten Stand der Technik entsprechende vollfunktionale Verkehrsbeeinflussungsanlage errichtet werden“. Dazu werden auch rund zehn neue Überkopfanzeigen – offiziell „Anzeigequerschnitte“ notwendig sein.

„Keine harte Dosierung“

Eine Blockabfertigung ist jetzt zumindest politisch vom Tisch, die Asfinag hat sich mit ihrer ablehnenden Haltung durchgesetzt, „denn eine ausschließlich harte Dosierung am Walserberg würde die Staubereiche nur verlagern, den Ausweichverkehr jedoch nicht verhindern“. Die Asfinag will weiterhin „möglichst viel Verkehr auf der Autobahn abwickeln und die Autos auf der Autobahn halten“, dabei sei das flexible Tempo notwendig, „um den Verkehr smart zu dosieren und dabei gleichzeitig die vorhandene Fläche bestmöglich auszunutzen“.

Holzedl bestätigt in diesem Zusammenhang auch, dass das vom Gutachter geforderte „Tempo herausnehmen weit vor der Baustelle“ im letzten Abschnitt der Tunnelsanierung bis Juni 2025 einen Beitrag geleistet habe, „aber wegen des geballten Reiseverkehrs und der durch die Tunnelsanierungen weiter beschränkten Kapazitäten konnten Staus nicht verhindert werden“. Dass die Temporeduktion nicht erst am Walserberg, sondern schon weit vorher auf der bundesdeutschen A8 beginnen muss, ist allen Beteiligten klar, „Gespräche mit der Deutschen Autobahn GmbH zur Bewältigung der Verkehrsmengen werden laufend geführt“, sagt Holzedl.

Eine großräumige Umleitung bei einer Überlastung der Tauernautobahn auf andere Strecken, zum Beispiel die Brennerautobahn oder die Pyhrnautobahn, wird es auch mit der neuen Verkehrsbeeinflussung nicht geben, kein Wunder, sind doch auch diese Transitstrecken in den Süden chronisch überlastet. (hud)

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