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Kinder- statt Biergarten: Lenggries nutzt altes Hotel nun als Kita

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Im Erdgeschoss der „Post“ soll ein Kindergarten mit 50 Plätzen entstehen. Gespielt wird im ehemaligen Biergarten.
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Die Gemeinde Lenggries braucht mehr Betreuungsplätze. Deshalb plant sie einen neuen Kindergarten im ehemaligen Gasthaus Post. Den Bedarf erkannte der Gemeinderat am Montagabend an. Den Standort sehen aber einige kritisch.

Lenggries – Ursprünglich hatte die Gemeinde im Erdgeschoss des alten Posthotels mit einer Gastronomie geliebäugelt. Da es allerdings trotz mehrerer Versuche keinen richtigen Interessenten dafür gab, hatte sich der Gemeinderat schon im August von diesen Plänen verabschiedet (wir berichteten). Stattdessen soll in den Parterre-Räumen des großen Gebäudes an der Marktstraße nun ein zweigruppiger Kindergarten entstehen. Damit dafür beispielsweise Förderanträge gestellt werden können, muss der Bedarf für dieses Einrichtung aufgezeigt und vom Gemeinderat anerkannt werden. Darum ging es in der Sitzung am Montagabend.

Wie groß der Bedarf an weiteren Plätzen in Lenggries ist, schlüsselte Heidi Kiefersauer, Geschäftsleitende Beamtin, auf. 243 Plätze gibt es derzeit in den zwei gemeindlichen Kitas, im Betriebs- und im Waldkindergarten. „Es werden aber schon jetzt 258 Kinder betreut“, so Kiefersauer. Möglich ist das heuer überhaupt nur, weil in Wegscheid die Anmeldungen für die Krippe zurückgegangen sind und so eine der Gruppen vorübergehend umgewandelt werden konnte. Dazu kommen 19 Kinder, die außerhalb der Gemeinde in eine Kita gehen sowie einige Mädchen und Buben, die in den drei Lenggrieser Spielgruppen betreut werden – auch, weil die Eltern keinen anderen Platz gefunden haben. Auf Grundlage der Geburtenzahlen hat Kiefersauer den wahrscheinlichen Bedarf für die kommenden Jahre hochgerechnet. Unterm Strich fehlen demnach 48 Plätze in der Gemeinde. Decken könnte diesen Bedarf der zweigruppige Kindergarten in der „Post“ mit 50 Plätzen.

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Schon in der Augustsitzung hatten die Freien Wähler Bedenken wegen des Standorts geäußert. Hans Proisl verwiese auf die nahe und viel befahrene Marktstraße, Florian Forstner empfand den Außenbereich als zu klein. Weil Fraktionschef Günter Haubner in der Augustsitzung nicht anwesend war, nutze er nun die Gelegenheit am Montag, um seine Skepsis vorzubringen. „Ich halte das nicht für einen geeigneten Standort.“ Natürlich sei der Bedarf vorhanden, man dürfe sich nun aber nicht in eine Nutzung treiben lassen, nur weil es mit der Gastronomie nichts geworden sei und man nun schnell eine Alternative brauche, um mit den Planungen voranzukommen. „Ein Kindergarten mitten im Ort ist nicht das, was ich mir in diesem Gebäude vorstelle“, sagte Haubner.

Bürgermeister Werner Weindl (CSU) fühlte sich allerdings gar nicht getrieben. „Wir haben schon 2014 die grundsätzlichen Nutzungsmöglichkeiten aufgezeigt. Und da war eine Kinderbetreuungseinrichtung immer dabei“, rief er in Erinnerung. Die Kritik am Standort teile er nicht. „Wir haben die nötigen Räume, einen großen Garten und Parkplätze.“ Zudem habe man mit der zuständigen Fachfrau im Landratsamt sowie der Leiterin des Lenggrieser Kindergartens gesprochen. „Die haben keine Bedenken“, sagte Weindl.

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CSU-Fraktionschef Bernhard Simon wunderte sich über die neuerliche Diskussion. „Ich kann diesen Einwand überhaupt nicht verstehen“, sagte er zu Haubner. Es gebe einen Mehrheitsbeschluss für die Kita aus dem August. Damals habe man alles durchgesprochen – genauso wie in der Fraktion. „Zumindest in unserer“, sagte Simon. Das brachte ihm eine bissige Bemerkung von Haubner ein: „Wir haben uns auch damit befasst. Das ist nicht der verminderten Mehrheitspartei in Bayern vorbehalten“, sagte er mit Blick auf das Landtagswahlergebnis.

Am Ende stimmten sieben Räte aus der Freien-Wähler-Fraktions gegen die Bedarfsanerkennung, blieben damit aber in der Minderheit. Der 13:7-Beschluss wiederholte sich auch anschließend, als es um die Grundrissänderungen für Haus und Biergarten ging, die Bauamtsleiter Anton Bammer vorstellte. Der Zugang zur Kita für die Eltern soll übrigens nicht von der Marktstraße aus erfolgen, sondern vom Parkplatz auf der Rückseite des Hauses.

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