VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Es ist ein Meilenstein nach Jahren der fruchtlosen Diskussion: Der Lenggrieser Gemeinderat hat am Montag beschlossen, ein neues Pflegeheim zu bauen. Die zweistellige Millioneninvestition wird selbst gestemmt, der Betreiber gemeinsam mit dem Landkreis gesucht.
Lenggries – Gut 40 Jahre lang führte der Landkreis in Lenggries ein Pflegeheim. Dann beschloss der Kreistag, dass weder der nötige Ersatzneubau allein finanziert noch das Heim weiter betrieben werden soll. Die Betonung lag auf dem Wort allein, denn für eine interkommunale Zusammenarbeit machte der Kreistag den Weg durchaus frei. Relativ schnell war klar, dass für den Betrieb tatsächlich ein freigemeinnütziger Träger wie die AWO oder die Caritas mit ins Boot geholt werden soll, einer, der bereits andere Standorte im Landkreis betreibt. Für den Bau „haben wir einen Zweckverband vorgeschlagen“, erinnerte Geschäftsleitende Beamtin Heidi Kiefersauer am Montag in der Gemeinderatssitzung. Kreis und Gemeinde wären dort Mitglied geworden, die Kosten für den Neubau irgendwie aufgeteilt worden. „Aber von Seiten des Landkreises ist das nicht gewollt“, so Kiefersauer. „Eine klassische interkommunale Zusammenarbeit ist nicht gewünscht“, ergänzte Bürgermeister Werner Weindl (CSU).
Lesen Sie auch: Sternennacht: Lenggrieser zeigen, was im Dorf geboten ist
Dennoch gibt es für die Gemeinde Geld beim Neubau des Heims. 15 000 Euro schießt der Kreis für jeden neuen Pflegeplatz zu. Bei 80 bis 100 angedachten Plätzen sind das 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. „Aber dieses Geld bekommt jede Gemeinde – egal, ob es um ein ehemaliges Kreispflegeheim geht oder nicht“, so Weindl. Darüber hinaus habe der Landkreis der Gemeinde noch ein zinsloses Darlehen in Aussicht gestellt, um die zwölf bis 15 Millionen Euro an Investitionen stemmen zu können. Ob die Gemeinde eine Ablöse für das alte Gebäude zu zahlen habe – so sieht es die vertragliche Regelung mit dem Kreis eigentlich vor – sei noch zu klären. „Da fehlen aber noch belastbare Zahlen.“
Die Gemeinde braucht darüber hinaus die Zustimmung der Rechtsaufsicht am Landratsamt, um die nötigen Kredite für das Großprojekt aufnehmen zu dürfen. „Denn der Bau eines Pflegeheims ist keine gemeindliche Aufgabe“, sagte Weindl.
Lesen Sie auch: Afghanische Dirndl-Schneiderin: Integration mit Nadel und Faden
Dass die Kommune Bauherr und alleiniger Vermieter der Liegenschaft ist, hat aber auch deutliche Vorteile: „So hat es die Gemeinde definitiv in der Hand, dass das immer ein Pflegeheim bleibt.“ Für dieses „Generationenprojekt sollten wir heute die Weichen stellen“. Natürlich könne man noch jahrelang weiter mit dem Kreis über dessen Beteiligung diskutieren, „aber weiterkommen werden wir nicht“.
Dass alles sei „der richtige Schritt in die richtige Richtung“, sagte FW-Fraktionschef Günter Haubner. Natürlich sei das eine große Herausforderung, „aber ich sehe es äußerst positiv, dass wir alles selbst in der Hand haben“.
Auch CSU-Fraktionschef Bernhard Simon bezeichnete es als „richtig, dass wir das angehen“. Er finde allerdings schon, dass sich der Kreis hier aus der Verantwortung nehme.
Lesen Sie auch: Neues Hotel und Café in der Jachenauer „Post“: Kaltstart im Sonnental
Dass Landrat Josef Niedermaier (FW) damit argumentiere, dass man bei der Bezuschussung Lenggries nicht anders behandeln könne als andere Gemeinden (wir berichteten), wollte Simon nicht gelten lassen. Außer in Lenggries habe der Kreis schließlich nie irgendwo ein Heim betrieben.
Dieses ständige darauf Herumreiten zwischen Gemeinde und Kreis, wer für was verantwortlich war, führe doch zu nichts, merkte Haubner an. „Jetzt ist der Punkt für einen Neuanfang.“ Schließlich wolle man den Kreis ja auch weiter mit im Boot haben.
Für Birgitta Opitz (CSU) ist der Bau des Heims nicht nur „eine Generationenaufgabe, sondern auch eine Generationenverantwortung“. Schon jetzt würden Pflegeplätze im Landkreis fehlen. Deshalb sei es so wichtig, sich dieser Sache anzunehmen.
Der Gemeinderat beschloss am Ende, dass man sich vorstellen kann, die Investition und die Bauträgerschaft zu übernehmen. „Eine möglichst hohe finanzielle Unterstützung durch den Landkreis ist anzustreben“, lautete der Zusatz zum Beschluss. Dass dieser einstimmig fiel, wertete Weindl „als deutliches Zeichen. Jetzt geht die Arbeit richtig los“.
Wie es nach dem Grundsatzbeschluss jetzt weitergeht, lesen Sie hier.
