VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
In Bad Heilbrunn wird es ab Herbst für alle Kinder einen Betreuungsplatz geben. Das kostet die Gemeinde aber fast eine halbe Million Euro.
Bad Heilbrunn – Die Situation war ungut: Im Frühjahr zeichnete sich ab, dass 20 Heilbrunner Mädchen und Buben im September ohne Betreuungsplatz dastehen. Der erst 2012 gebaute katholische Kindergarten ist voll, auch der Waldkindergarten hat ab Herbst keine Kapazitäten mehr. In der Gemeinderatssitzung im Mai hatten die betroffenen Eltern ihrer Sorge und ihrem Unmut Luft gemacht (wir berichteten). Die Gemeinde werde alles dafür tun, das Problem bis zum Herbst zu lösen, hatte Bürgermeister Thomas Gründl damals versprochen. „Und dazu stehe ich auch“, sagt er jetzt auf Anfrage.
Tatsächlich ist eine Lösung in Sicht. Der Bauausschuss hatte in seiner jüngsten nicht öffentlichen Sitzung den Auftrag für die Container, in denen die Kinder untergebracht werden sollen, vergeben. „Anfang Oktober werden sie stehen“, sagt der Bürgermeister. Gut 462 000 Euro kosten die Module, die so ausgestattet sind, dass sie auch von einer Krippengruppe genutzt werden könnten, wenn Bedarf besteht. Platz bieten die Container für zwei Gruppen, einziehen wird ab Herbst erst einmal eine. „Natürlich schluckt man bei dem Preis“, sagt Gründl – zumal der rund 110 000 Euro über der Kostenschätzung liegt. Aber das sei derzeit bei vielen öffentlichen Ausschreibungen so.
Container sollen später für Mittagsbetreuung genutzt werden
Gründl betont aber auch, dass die Module weiter genutzt werden sollen, wenn für den Kindergarten eine endgültige Lösung gefunden ist. Die Mittagsbetreuung der Schule braucht nämlich mehr Platz und könnte dann in die Container ziehen.
Dass der provisorische Kindergarten so schnell in Betrieb gehen kann, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass die Gemeinde schon seit Längerem mit der evangelischen Kirche über die Trägerschaft für eine neue Kita verhandelt. „Wir haben halt nicht gedacht, dass wir so schnell eine Lösung brauchen“, sagt Gründl. Aber da die Gespräche eben schon liefen, kann die evangelische Kirche nun schon ab Herbst das Provisorium übernehmen. Sie wird sich auch um die Betreuung der Kinder kümmern, die bereits ab September einen Platz brauchen. „Wir hatten alle Eltern zu einem Gespräch eingeladen und offen diskutiert, wie viele Härtefälle es gibt“, sagt Gründl. Härtefälle sind die Kinder, deren Eltern ab dem Beginn des neuen Kindergartenjahrs wieder arbeiten müssen und die Zeit bis Oktober nicht überbrücken können. „Im Raum neben der evangelischen Kirche wird deshalb eine Notgruppe eingerichtet.“
Kindergarten-Neubau in Mürnsee?
Maximal fünf Jahre sollen die Module auf dem ehemaligen „Post“-Grundstück an der Badstraße stehen. „In dieser Zeit muss es machbar sein, einen neuen Kindergarten zu bauen“, sagt Gründl. Die ersten Weichen dafür könnte der Gemeinderat bereits am Dienstag, 2. Juli, (19.30 Uhr, Rathaus) stellen. Im Moment sind nämlich zwei Standorte für den Kindergarten-Neubau denkbar: in der Ortsmitte oder in Mürnsee. Dort könnten Feuerwehr und Kindergarten in einem gemeinsamen Neubau unterkommen. Ob man sich das vorstellen kann, mit dieser Frage wird sich am Dienstag der Gemeinderat beschäftigen.
„Beide Standorte haben Vorteile“, sagt Gründl. In der Ortsmitte hätte man alles gebündelt beieinander. Auf der anderen Seite kommen rund 20 Prozent der Heilbrunner Kinder aus den Ortsteilen rund um Mürnsee.
Damit man in Zukunft nicht wieder vom Bedarf an Betreuungsplätzen plötzlich überrollt wird, hat die Gemeinde zudem bereits eine Elternbefragung gestartet. Jeder Haushalt, in dem Kinder unter zehn Jahren leben, bekommt einen Fragebogen, in dem der Bedarf an Betreuung abgefragt wird – von der Krippe über die Mittagsbetreuung bis zum Hort. Die Eltern, die neu zuziehen, werden diesen Fragebogen künftig ebenfalls erhalten. Gründl: „Natürlich wird das Ergebnis nicht immer zu 100 Prozent den Bedarf zeigen, aber es ist zumindest ein Richtwert.“
