Nach Anfrage der Bürgerinitiative

Kläranlage Irschenberg: Gemeinde plant weiter Neubau - ohne Kostenkenntnis

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Neubau in der Warteschleife: Seit Jahren soll Irschenbergs Kläranlage neu gebaut werden, doch die Umsetzung verschob sich. Offen sind auch die Kosten und die Höhe der Sonderbeiträge, die die Bürger leisten sollen.
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Es ist ein Dauerthema, das nie richtig greifbar wurde: Seit 2016 steht die Kläranlage auf der Investitionsliste der Gemeinde Irschenberg. Und mit den Jahren steigen die Kosten.

Irschenberg – Beim Geld hört der Spaß bekanntlich auf. Das gilt auch für die Kommunalpolitik. Mit dem Schlagwort „Kostenexplosion Kläranlage“ in ihrer Einladung zum Informationsabend am 10. Januar (19 Uhr im Kramerwirt) hat die Bürgerinitiative Irschenberg jüngst den Unmut von Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) hervorgerufen (wir berichteten). Von Kostenexplosion könne keine Rede sein, betonte Meixner, denn es gebe keine aktuellen Zahlen – „das ist alles Spekulation“.

Weil sich die 1981 errichtete Anlage technisch nicht mehr erweitern lässt und deshalb 2020 keine neue Genehmigung mehr erhielt, braucht Irschenberg eine neue Lösung. Eigentlich sollte die Gewerksvergabe im Winter 2021/22 erfolgen, Baubeginn wäre für Frühjahr 2022, die Inbetriebnahme für Frühjahr 2023 vorgesehen gewesen, doch nichts wurde gehalten. Dass bei dem Projekt so lange nichts weitergegangen ist, erklärt Meixner mit Corona. Wegen der Pandemie habe es im Planungsbüro immer wieder Ausfälle gegeben, Treffen seien nicht möglich gewesen. Außerdem komme der Fachkräftemangel zum Tragen, der auch bei den Planern zu spüren sei, ergänzt der Bürgermeister.

Bürgermeister: Zahlen erst nach Ausschreibung

Jetzt aber sei man so weit, dass man sich auf die Suche nach Fachplanern machen könne. Der Vorentwurf stehe, aber welche Kosten sich daraus ergeben, habe man bislang nicht aktualisieren lassen. „Wenn wir ausschreiben, bekommen wir fixe Zahlen. Alles andere ist jetzt nur Spekulation.“

Spekuliert werden darf auch über die Finanzierung der neuen Kläranlage und wie viel die angeschlossenen Bürger im Rahmen eines Extrabeitrags bezahlen müssen. Wie berichtet, soll ein Teil der Kosten einmalig auf die Bürger umgelegt werden. Bei mindestens 6,5 Millionen Euro Kosten – die teils drastischen Preissteigerungen der vergangenen Monate in der Baubranche nicht berücksichtigt – dürfte eine empfindliche Einmalzahlung auf die Irschenberger zukommen.

Zumal auch noch keine Entscheidung darüber vorliegt, wie die großen Gastronomiebetriebe an der Autobahn in der Berechnung veranlagt werden. Der Rest der Kosten wird wohl über erhöhte Abwassergebühren erfolgen. Mangels endgültiger Zahlen hat der Gemeinderat dazu noch keine Linie erarbeitet.

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An der geplanten Dimension wurde nichts verändert. Wie berichtet, ist Irschenbergs Kläranlage auf 5000 Einwohnergleichwerte – eine Maßeinheit für die Kapazität der Anlage – ausgelegt. Effektiv genutzt werden aber nur rund 3200. Dennoch soll sie nach dem Umbau für 7000 Einwohnergleichwerte gerüstet sein, weil die Belastungen in der Zukunft steigen könnten, vor allem auch durch Gewerbebetriebe.

Dabei ist die Splittung der Kosten schwierig, denn die Gemeinde besteht aus über 100 Ortsteilen und Weilern. Damit sind bei Weitem nicht alle Bürger an das gemeindliche Kanalisationsnetz angeschlossen. Vielfach reicht eine Drei-Kammer-Anlage für das Klären vor Ort. Damit verringert sich die Zahl der angeschlossenen Haushalte, was die Abgabe für die einzelnen Anschlüsse erhöht. Neben Irschenberg und der Waldsiedlung sind auch Buchbichl, Salzhub, Wendling und Wilparting an das Klärwerk angeschlossen.

Anschluss an Bruckmühl keine Option

Nach wie vor keine Option für Meixner ist ein Anschluss an das Klärwerk in Brückmühl. Den habe man bereits vor Jahren geprüft. Ergebnis: „Damals lag der Anschluss bei zehn Millionen Euro und war damit deutlich teurer als ein Neubau“, berichtet Meixner. Die Gemeinde hätte dazu eine komplett neue Leitung zum Klärwerk bauen müssen. Außerdem soll Bruckmühls Kapazität für Irschenberg zu stark ausgelastet sein, hatte Meixner bereits 2020 erklärt.

2023 ist damit erneut ein Planungsjahr – wie bereits 2022. Laut Meixner soll Ende des Jahres die Ausschreibung erfolgen. Im Frühjahr 2024 sollten dann die Angebote vorliegen, sodass der Bau anschließend beginnen soll.

ddy

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