VonAlois Ostlerschließen
Deutliche Worte beim traditionellen Don-Bosco-Fest: Das Kloster Benediktbeuern steht vor dem größten Umbruch seit dem Einzug der Salesianer Don Boscos vor 90 Jahren. Direktor Pater Lothar Bily machte in seiner Predigt deutlich, welch großer Herausforderung auf die Ordensgemeinschaft wartet.
Benediktbeuern – Das Fest zur Erinnerung an ihren am 31. Januar 1888 verstorbenen Ordensgründer ist für die Salesianer und deren Wegbegleiter ein besonderer Tag. Zum Festgottesdienst kommt in der Regel ein Bischof zu Besuch ins Kloster. Am Freitag wurde ein derartiger kirchlicher Würdenträger vermisst. „Wir feiern heute ganz unter uns, und das hat seinen guten Grund“, sagte Pater Lothar Bily. Der Klosterdirektor verwies zum einen auf die beginnenden großen Umgestaltungen: „Es wird sich hier noch vieles ändern.“ Zum anderen seien fast alle Bischöfe bei der am Freitag begonnenen ersten Versammlung zum sogenannten Synodalen Weg in Frankfurt vertreten.
„Wir befinden uns an wichtigen Schwellen, ob bei der Synodalversammlung in Frankfurt oder in London beim Vollzug des Brexits“, sagte Pater Bily. Für Benediktbeuern habe allerdings ein ganz besonders wichtiges Jahr begonnen. Das Kloster stehe vor dem größten Umbruch, seit die Ordensgemeinschaft 1930 hier ihre Niederlassung eingerichtet hat, sagte der Direktor. Demnach soll nun Anfang Mai mit den ersten Arbeiten am ehemaligen Fürstentrakt begonnen werden. Dieser erste Bauabschnitt sei finanziell gesichert, während „der zweite Bauabschnitt noch nicht ganz durchfinanziert ist“.
Kloster Benediktbeuern: Moderner Tagungs- und Veranstaltungsbereich entsteht
Der erst 1730 fertiggestellte ehemalige Gästeflügel des Klosters muss stabilisiert und vor allem im Bereich des Fürstenssaales gründlich restauriert werden, so Bily. Dieser Südarkaden-Abschnitt soll – wie mehrfach berichtet – zu einem modernen Tagungs- und Veranstaltungsbereich umgestaltet werden.
Der Gottesdienst zum Don-Bosco-Fest fand deshalb am Freitag zum letzten Mal in der vor 90 Jahren von den Salesianern im Fürstensaal errichteten Hauskapelle statt. Im nächsten Jahr wird die Messe voraussichtlich in der Benediktbeurer Basilika gefeiert. „Vielleicht können wir dazu ja den neuen Augsburger Bischof Bertram Meier einladen“, so Bilys Hoffnung. Die neue Klosterkapelle, die kurz vor der Fertigstellung steht, wäre dafür in jedem Fall zu klein, weil in dem ehemaligen Pater-Mindera-Saal nur Platz für 50 bis 70 Gottesdienstbesucher sein wird.
Nicht angesprochen wurde der Nachwuchsmangel, der auch vor den Salesianern nicht Halt macht und weitere Zukunftssorgen mit sich bringt. 39 Mitbrüder gehören derzeit noch der Ordensgemeinschaft an. Es waren schon mal rund 50.
Bily: „Die Zukunft des Klosters kann nur gemeinsam bewältigt werden“
Große Anstrengungen hat das Kloster im vergangenen Jahr unternommen, um die „drei Säulen des Klosters“, den Klosterbetrieb, das Aktionszentrum (AZ) mit der Jugendherberge und das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) enger zusammenzuführen, schreibt Bily im jetzt erschienen Jahresbericht. Die Zukunft des Klosters könne nur gemeinsam bewältigt werden, so die einhellige Einschätzung aller Verantwortlichen. Deshalb habe man die Leitungsstruktur geändert. Neben Direktor Bily, dem Vikar Pater Franz Schmid, dem stellvertretenden Einrichtungsleiter Pater Claudius Amann und dem Wirtschaftsleiter Hilmar Gries gehören nun auch Franz Wasensteiner als Leiter des Aktionszentrums und ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger dem erweiterten Leitungsteam an.
Nach dem von einem Studierenden-Chor unter der Leitung von Franziska Harbich einfühlsam mitgestalteten Gottesdienst trafen sich die geladenen Gäste zum Mittagessen. Dabei warb Joshua Schwab im Speisesaal für ein von ihm betreutes Salesianer-Projekt in den Vororten der französischen Stadt Lyon. Der 30-jährige Theologe studiert derzeit Soziale Arbeit in Benediktbeuern.
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