Kommunalwahlen in Saulgrub

Knappe Kiste: Gruppierung stellt Bürgermeister-Kandidat auf - und verpasst ihm einen Dämpfer

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Wollen sich für den Ort einsetzen: (vorne v.l.) Lisa Benedikt (Ersatzkandidatin), Bürgermeisterkandidat Martin Kriner sowie die Gemeinderatsbewerber Anna Schelle und Markus Schelle sowie (h.v.l.) Josef Oswald, Lukas Gerhauser, Anton Mangold junior, Christoph Gerhauser senior, Bernhard Benedikt junior, Peter Zotz,  Philipp von Thurn und Taxis, Simon Fischer und Tobias Mangold.
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Es ist vollbracht: Die Gemeinde Saulgrub hat einen Bürgermeister-Kandidaten. Die Wählervereinigung Saulgrub schickt Martin Kriner ins Rennen. Das Ergebnis hat es allerdings in sich.

Neun Namen liest Cilly Gratz vor. Neunmal stellt sie die gleiche Frage: Würdest Du dich als Bürgermeister-Kandidat zur Verfügung stellen? Achtmal erhält die Leiterin der Aufstellungsversammlung der Wählervereinigung Saulgrub ein Nein als Antwort. Von einem der Vorgeschlagenen aber nicht: Martin Kriner wäre bereit, Verantwortung für seinen Heimatort zu übernehmen. Dafür gibt‘s Applaus. Der 64-Jährige wird zwar kurz darauf als Bewerber um das Amt bestätigt – allerdings mit einem Dämpfer.

Von 74 abgegebenen Stimmen befürworten gerade einmal 40, also 54 Prozent, dass Kriner ins Rennen um die Rupert-Speer-Nachfolge geht. Der langjährige Gemeinderat (seit 2002) will das Resultat nicht weiter kommentieren, spielt nicht die beleidigte Leberwurst und spricht von einem „annehmbaren Ergebnis“. Denn turbulente Wochen mit einem regelrechten Kandidaten-Roulette liegen hinter dem Dorf mit seinen drei Ortsteilen. Auch Kerstin Löffler und Alfred Wurm waren heiß gehandelte Aspiranten, bis zuletzt ebenso Bernhard Benedikt junior, der an dem Abend seinen Hut aber nicht in den Ring wirft. Kriner hätte ihm für den Fall wohl den Vortritt gelassen.

Ich will die Gemeinde nicht hängen lassen.

Martin Kriner

Seit längerer Zeit gab es im Gemeinderat Diskussionen, wer für die Position infrage kommt. Der Tenor: Angesichts der künftigen Herausforderungen für die Kommune wäre es vorteilhaft, wenn sich jemand aus dem Gremium findet. Wegen des Know-how, des Grundlagenwissens, bei den wichtigen Projekten. Wurm wollte. Aber nur hauptamtlich. Am Ende zog er sich zurück. Dann kam Kriner ins Spiel – und er überlegte gut. „Mein Lebensplan war nicht, dass ich mit 64 Bürgermeister werden möchte“, verdeutlicht er. Doch der Vater von zwei erwachsenen Söhnen, der sich in vielen Saulgruber Vereinen engagiert, „will die Gemeinde nicht hängen lassen“. Weil sie ihm am Herzen liege.

Das Votum der Versammlung hindert ihn nicht daran. Vielmehr freut‘s ihn, dass er die Hürde genommen hat, womöglich kommendes Jahr die Geschicke der Gemeinde leitet. „Fühlt sich gut an“, sagt Kriner, zuletzt LAG-Manager für das Leader-Förderprogramm. Für ihn steht im Fokus, dass die Projekte der Kommune realisiert werden und der Ort weiter in finanziell stabiler Lage bleibt. Saulgrub hat anspruchsvolle Aufgaben (Kläranlage, Sturzflutenkonzept, Breitbandausbau) vor der Brust. Um diese zu bewältigen, setzt Kriner auf Teamgeist. Falls er Bürgermeister wird, möchte er die künftigen Gemeinderäte aktiv einbinden, Aufgaben verteilen.

Gemeinderatsliste: Eine Frau unter elf Männern

Die gilt es an dem Abend erst einmal zu finden. Zwölf Kandidaten, so das anvisierte Ziel, sollen auf die Liste. Ein ambitioniertes Ansinnen, wie sich zeigt. Denn in der ersten Runde erklären sich nur neun Aspiranten bereit. Enttäuschung schwingt durch den Saal. Doch die Überredungskünste von Gratz und aktuellen Gemeinderäten fruchten. Auf Platz eins der Liste landet Anna Schelle (siehe „Die Liste“). Ein Signal? Bekanntermaßen gelang bei der vergangenen Kommunalwahl keiner Frau der Sprung ins Gremium. Ansonsten bleibt‘s bei der Wählervereinigung männerlastig, weil keine der vorgeschlagenen Damen sich um ein Mandat bewerben wollte. Veränderungen gibt es aber auf jeden Fall. Simon Schwarz und Wurm verabschieden sich aus dem Ortsparlament. Sie sagen im Bürgersaal Servus und appellieren an ein Miteinander. „Haltet‘s zusammen, schaut‘s, dass ihr eine Einheit seid“, betont Wurm, „dann könnt ihr viel bewegen.“

Die Liste:

1. Anna Schelle (33 Jahre), 2. Bernhard Benedikt junior (33), 3. Christoph Gerhauser senior (62), 4. Simon Fischer (35), 5. Lukas Gerhauser (29), 6. Philipp von Thurn und Taxis (50), 7. Peter Zotz (49), 8. Anton Mangold junior (28), 9. Josef Oswald (47), 10. Tobias Mangold (41), 11. Markus Schelle (30), 12. Sascha Dietz (47), Ersatzkandidatin: Lisa Benedikt (57).

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