Umstrittene Pläne

Kneippen im Kurpark

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Gegenüber dem Tölzer Vitalzentrum soll ein Kneipp-Becken das Angebot für Gäste bereichern.

Der  Tölzer Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsausschuss hat erneut beschlossen, im Kurpark ein Kneipp-Becken zu bauen. Doch auch beim zweiten Mal sind nicht alle Mitglieder von der Idee überzeugt.

Bad Tölz – Ein überzeugendes Votum sieht anders aus: Mit 8:4 Stimmen hat der Tölzer Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsausschuss seinen Grundsatzbeschluss vom Oktober 2017 für den Bau eines Kneipp-Beckens im Kurpark wiederholt. Das war deshalb nötig geworden, weil der Bau vor einem Jahr von einem 50-prozentigem Zuschuss aus dem EU-Leader-Programm abhängig gemacht worden war. Der Fördertopf heißt nun stattdessen „Röfe“-Programm und kommt vom Freistaat. Aus diesem Topf werden touristische Infrastrukturmaßnahmen bezuschusst. In der Sitzung war von rund 80 000 Euro die Rede, die das Land zu den 220 000 Euro Baukosten beisteuern soll.

Ohne Förderung wird nicht gebaut

Ohne Förderung wird auch nicht gebaut. Die Stadt hatte viele Jahre ein Kneippbecken an der Isarpromenade, das lange nicht genutzt und vor einigen Jahren aus Hygienegründen geschlossen wurde. Das neue Kneippbecken soll nun gegenüber dem Vitalzentrum am Eingang des Kurparks nahe dem touristischen Zentrum des Badeteils angelegt werden. Die Fläche selbst hat keinen Baumbestand. Dennoch müssen vermutlich einige der alten Parkbäume gefällt werden (in der Vorlage war von „Neuanpflanzungen“ die Rede), um eine Verschmutzung des Kneippbeckens durch fallendes Laub zu verhindern.

Mit der Kneipp-Anlage verfolgt die Stadt mehrere Ziele, wie Kurdirektorin Brita Hohenreiter ausführte. Der vor sich hin dämmernde Kurpark soll neu belebt werden. Die Anlage sei ein attraktives Angebot für Tages- und Übernachtungsgäste. Das Kneipp-Becken werde auch das touristische Gesamtgesundheitsangebot der Stadt stärken und erweitere das Programm des Vitalzentrums. Angedacht sind etwa Kneipp-Kurse.

Kritik an hohen Kosten

Vor einem Jahr hatte Robert Paintinger (CSU) die zu hohen Kosten für das Becken kritisiert. Heuer meldete sich Anton Mayer (CSU) zu Wort und fragte, ob so eine Anlage angesichts der kurzen Aufenthaltsdauer der Gäste von drei bis vier Tagen wirklich Sinn ergebe. Er regte an, auf ein Gesamtkonzept im Zusammenhang mit einer künftigen Hotelansiedlung zu warten.

In der Sitzung war auch Willibald Raab vom Freundeskreis Badeteil anwesend, der schon im vergangenen Jahr gegen die Kneippbecken-Pläne Front gemacht hatte. Kurpark und Kurhaus seien als Baudenkmal anzusehen und zu bewahren. Die Belange des Denkmalschutzes würden geprüft, nahm Bürgermeister Josef Janker dazu Stellung. Er hielt das Kneippbecken-Projekt im Kurpark dennoch für realisierbar.

Unterstützung bekam er von Stadtrat Michael Lindmair (FWG), der von einem „innovativen Angebot“ sprach, dessen Sinnhaftigkeit bereits von zwei Ausschüssen bestätigt worden sei.

Mit dem Standort Kurpark waren aber auch Ulrike Bomhard, Peter Wiedemann (beide FWG) sowie Andrea Grundhuber (Grüne) nicht einverstanden. Bomhard hätte erneut einen Isar-Standort bevorzugt. Auch Anton Mayer stimmte dagegen.

Willibald Raab will sich mit dem Beschluss nicht zufrieden geben und sich mit dem Landesdenkmalamt ins Benehmen setzen.

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