Das Kochler Unternehmen „Dorst Technologies“ ist jetzt eine Stiftung. Was das bedeutet, erklärt Hubert Löcherer, der Vorstandsvorsitzende der neuen Stiftung.
Kochel am See – Die Dorst-Löcherer-Stiftung ist seit 1. April dieses Jahres neue und alleinige Gesellschafterin des international tätigen Kochler Unternehmens. „Dorst Technologies“ beschäftigt insgesamt rund 400 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von etwa 100 Millionen Euro und einer Exportquote von über 80 Prozent. Hubert Löcherer, der Vorstandsvorsitzende der neuen Stiftung, beantwortete diese Fragen:
Hubert Löcherer: Das hängt neben der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung stark von zwei Dingen ab. Erstens von der zukünftigen Managementqualität und zweitens vom Erhalt der heutigen Innovationsstärke. Darüber müssen sich heutige und zukünftige Generationen im Klaren sein. Die Weichen sind gestellt. Ein Freibrief für ewigen Erfolg ist das nicht.
Hubert Löcherer: In erster Linie altersbedingt, aber auch mangels geeigneter Erben, die als Unternehmensführer in Frage kommen. Und eine Veräußerung wäre zurzeit zwar höchst lukrativ gewesen, aber ohne jede Sicherheit für den Erhalt der Arbeitsplätze und der Standorte. Exakt dies ist uns aber eine Herzensangelegenheit.
Hubert Löcherer: Die Stiftung ist eine Stiftung Bürgerlichen Rechts mit Sitz in Kochel am See. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Das ist die Förderung von Kunst und Kultur, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Bildung, Erziehung, des Sports, des Naturschutzes und der Rettungsdienste. Verwirklicht soll das werden durch die Unterstützung von Einrichtungen, vorrangig im Gemeindegebiet von Kochel am See.
Hubert Löcherer: Keineswegs, das was verdient wird, bleibt weitestgehend im Unternehmen, um dort Stabilität und Innovationsstärke zu erhalten. Genauso soll auch die Eigenkapitalausstattung weiterhin exzellent bleiben und ausgebaut werden, um Durststrecken gut zu überstehen.
Hubert Löcherer: Der Stiftungsvorstand besteht aus den Stiftern Manfred Dorst und Hubert Löcherer sowie Rudolf Kraus aus Bad Kötzting. Das operative Geschäft liegt völlig in der Hand und in Verantwortung des Managements. In Fragen der Strategie gibt es die Abstimmung bei zentralen Entwicklungs- und Zukunftsthemen, auch bei großen Investitionen oder bei wichtigen Personalentscheidungen.
Hubert Löcherer: Ich hoffe das sehr. Die Leute wissen, dass es keine Gesellschafter mehr gibt, auf die man letztlich immer etwas abschieben kann. Es muss im ureigensten Interesse – und das heißt zu allererst sichere Arbeitsplätze – von Management und Mitarbeitern liegen, optimal zu handeln und zu wirtschaften.
Hubert Löcherer: Die Stiftung wird nichts blockieren, was wirtschaftlich notwendig oder sinnvoll ist. Geht mit dem eigenverwalteten Unternehmen etwas schief, kann die Stiftung das Unternehmen sogar verkaufen.
Hubert Löcherer: Das wäre eine höchst traurige Geschichte. Wir Stifter hätten das Unternehmen jahrelang zu Höchstpreisen verkaufen und den Erlös unseren Familien zukommen lassen können. Mit Schenkung und Einbringung des Unternehmens ist dieser Weg verschlossen.
Hubert Löcherer: Das hoffe ich sehr, dass sich aus dem Unternehmen heraus Nachfolger für den Stiftungsvorstand anbieten, die wissen, worauf es ankommt. Nicht jede erfahrene Führungskraft bei Dorst will ja bei Erreichen der Pensionsgrenze Daumen drehen. Da sehe ich Potenzial.
Hubert Löcherer: Jemand aus der Unternehmensspitze genauso wie befreundete Rechtsanwälte und Steuerberater. Dann gestandene Personen mit Bezug zum Ort Kochel, vor allem der amtierende Bürgermeister.
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