VonAndreas Steppanschließen
Wer wird der nächste Bürgermeister in Lenggries? Einer der vier Kandidaten ist Wolfgang Morlang (49), der für die Bayernpartei ins Rennen geht.
Lenggries – Unter den Lenggrieser Bürgermeister-Kandidaten ist Wolfgang Morlang der Einzelkämpfer. „Das merke ich jetzt beim Plakatekleben“, sagt der 49-Jährige mit einem Lachen. Letztlich will er es aber gar nicht anders: Losgelöst von Parteien und Listen anzutreten, das gehört zum Konzept von Morlangs Kandidatur.
Ins Rennen geschickt haben ihn zwar örtliche Mitglieder der Bayernpartei. Doch anders als seine Mitbewerber hat der Wegscheider keine Gemeinderatsliste im Rücken. „Genau das sehe ich als Vorteil“, sagt er. Denn in die Gestaltung der Gemeindepolitik würde Morlang gerne mehr Menschen einbinden. Bisher „reden immer nur dieselben miteinander“, findet Morlang, ob am Stammtisch oder im Sportverein. Außerhalb solcher etablierter Zirkel Menschen aus dem reinen Moser-Modus herausholen, ihre Kritik fruchtbar machen und Verantwortung teilen: Charakterlich sieht sich Morlang dafür als geeignet an. „Auch im Beruf habe ich mich lange gefragt, ob ich forscher auftreten müsste“, sagt er. Mittlerweile aber habe er erkannt, dass das Ausgleichende, Moderierende genau seine Stärke sei.
Wertegefüge im christlichen Glauben verankert
Beim Thema Kaserne etwa will Morlang Ideen anhören, den genauem Bedarf abklären. Was ihm persönlich gefallen würde, das wären Wohnformen für „gewählte Gemeinschaften“, etwa zwischen jungen Familien und Senioren, die sich gegenseitig unterstützen. „Das entspricht meinem Gesellschaftsbild: dass die Starken für die Schwachen einstehen“.
In diesem Prinzip sieht Morlang auch die Grundlage seines Berufs als stellvertretender Direktionsleiter bei der AOK. Eine Krankenkasse stehe für eine starke Solidargemeinschaft.
Morlangs Wertegefüge ist tief im christlichen Glauben verwurzelt. Als Familiare gehört er dem Deutschen Orden an. Das bedeutet, dass er als Laie ein Versprechen auf den Orden abgelegt hat und für dessen Ziele einsteht. Dazu gehört für ihn in der Praxis die Verbindung zur Tölzer Therapieeinrichtung Haus Waldherr für Alkohol- und Medikamentenabhängige. Hier kümmert er sich um Ausflüge oder einen Tischkicker. „Barmherzigkeit und Mildtätigkeit“ nennt Morlang als wichtige Richtschnur.
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Am Zisterzienserkloster Heiligenkreuz im Wienerwald belegte der Krankenkassenfachwirt einen Kurs als Katechist. „Das ist eine Art von Religionslehrern, die oft in Missionsgebieten eingesetzt sind“, erklärt er. Das bedeutet freilich nicht, dass Morlang jemanden missionieren möchte.
„Bayern kann ich mir außerhalb der Bundesrepublik vorstellen“
Das gilt übrigens auch, was das Programm der Bayernpartei angeht. Ihr ist Morlang 1994 beigetreten. Für Bayern „kann ich mir einen Weg außerhalb der Bundesrepublik vorstellen“, sagt der Wegscheider. Zu einem selbstbewussten Bayern als Teil Europas sollten dann aber alle gehören, die hier leben – ohne sich an einer vermeintlichen „Leitkultur“ orientieren zu müssen. „Der Kuchen ist groß, und er ist bunt.“
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Zum gelebten Glauben gehört für Morlang nicht zuletzt seine Ausbildung zum Kirchenmusiker. Die Einsätze als Organist seien zeitlich bedingt „etwas eingeschlafen“. Aber Morlang ist weiter im Kirchenchor aktiv – genauso wie im Männergesangsverein Liederkranz. Singen, das bedeutet für den ledigen 49-Jährigen „Ausgleich und eine Form von Befreiung“.
Seine christliche Orientierung war es auch, die ihn ursprünglich zu dem Schluss gebracht habe, den Wehrdienst zu verweigern, erzählt Morlang. Über die Beschäftigung mit Thomas von Aquin sei er aber zu der Überzeugung gelangt, dass die Demokratie vor denen zu schützen sei, die sie gewaltsam angreifen. „Ich stehe zu diesem Gesellschaftssystem und bin bereit, dafür zu kämpfen.“ Morlang wurde zwei Jahre Zeitsoldat, ist heute Kameradschaftsältester der Gebirgskameradschaft Isarwinkel.
„Wald ist keine Spielwiese für die Selbstverwirklichung“
Bekannt ist Morlang zudem als Vorsitzender des Kreisjagdverbands. „Ich esse gerne Fleisch“, sagt er. Seine Konsequenz daraus: „Dann sollte ich auch in der Lage sein, selbst zu erlegen, was ich esse.“ Eng damit verbunden ist für ihn die Frage, wie Natur geschützt und genutzt werden sollte. Gut findet er, dass die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz ins Bewusstsein rückt – weniger gut, wenn der Wald nur „als Spielwiese für die Selbstverwirklichung gesehen wird“.
Auf Lenggries als Ausflugs- und Urlaubsziel übertragen bedeutet das für den Jäger, dass er die Konzentration des Tourismus aufs Brauneck begrüßt . „Aber man muss Wege finden, dass es auch Bereiche gibt, in denen Ruhe herrscht. Nur Freiheit, Freiheit, Freiheit – das macht auch viel kaputt.“
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