Die Geretsrieder Liste ist auf Mitgliedersuche. Als neue Gruppierung braucht sie 200 Unterschriften, um Kandidaten für den Stadtrat aufstellen zu dürfen.
Geretsried – Die neue Wahlgruppierung Geretsrieder Liste hat sich am Donnerstagabend der Öffentlichkeit vorgestellt. Gesichter des Vereins sind Volker Reeh, Patrik Kohlert, Christine Schmid und Anne Feiglbinder. Dr. Elmar Immertreu ließ sich entschuldigen. „Er hat einen Patienten auf dem Tisch“, erklärte Reeh. Die Sprecher gaben sich seriös und menschlich. Das Rathaus oder den Stadtrat griffen sie nicht direkt an. In den Reihen der rund 30 Besucher in den Ratsstuben fielen hingegen deutliche Worte.
„Wir wollen hören, was Sie bewegt“, sagte Reeh. Bei der Geretsrieder Liste solle der Bürgerwille respektiert werden. Dennoch präsentierten der 64-Jährige und seine Mitstreiter eine umfangreiche Liste an Themen, für die sie stehen. „Politik von A bis Z“ wolle man machen, so Reeh. Und für jeden Buchstaben könne man mindestens drei Schlagworte nennen. Zur Sprache kamen etwa eine „maßvolle und sinnvolle Stadtentwicklung“, die Forderung nach mehr Kreisverkehren statt Ampeln, nach kostenlosem Parken in der Einkaufsstadt, nach einer sinnvollen Nutzung des alten Hallenbads und der Verbesserung der Kinderbetreuung.
Reeh, Kohlert und Schmid stellten ihre Kompetenz heraus. Reeh sitzt für die CSU im Stadtrat und ist Wirtschaftsreferent. Kohlert (39) lernte bei der Stadt Geretsried und ist inzwischen Bauamtsleiter in der Gemeinde Baierbrunn. „Ich verstehe was von Bau- und Stadtentwicklung“, so Kohlert. Die Diplom-Betriebswirtin Schmid (45) leitet die Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfevereins in Geretsried und kenne sich daher mit Zahlen aus.
Unter den laut Reeh inzwischen über 30 Mitgliedern und potenziellen Bewerbern um ein Stadtratsmandat finden sich ein paar Geretsrieder, die 2017 Unterschriften gegen die Pläne für die „Neue Mitte“ gesammelt haben. Kohlert legte jedoch Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Geretsrieder Liste nicht um die „Nörgler vom Karl-Lederer-Platz“ handle. „Das Ding steht“, sagte der 39-Jährige, womit er das Wohn- und Geschäftshaus PulsG meinte. „Aber wir können aus dieser Geschichte lernen.“
Fraktionszwang soll es bei der Geretsrieder Liste nicht geben, so Schmid. „Wir wollen jedem seine Meinung lassen.“ Reeh ergänzte, dass die Gruppierung für eine ehrliche Diskussion im Stadtrat stehe. Das sei schwieriger geworden. „Aufgrund von Verträgen wird viel nicht öffentlich behandelt“, berichtete der CSU-Stadtrat. Zumindest über die Tagesordnung sollten die Bürger aber erfahren können, welche Punkte nicht öffentlich behandelt werden.
In der Diskussion gingen die Anwesenden hart mit den Plänen für das ehemalige Lorenz-Areal ins Gericht. An der Banater Straße sollen 768 Wohnungen gebaut werden. Reeh hatte es noch allgemein formuliert: „Gewerbebetriebe dürfen nicht durch Wohnbebauung in ihrer Tätigkeit eingeschränkt werden.“ Zuhörer Stefan Uhlig wurde deutlich. „Es ist unmöglich, wie mit einem großen Investor wie Uniccomp umgegangen wird“, sagte der Geretsrieder. Uniccomp gehört zur Bauer Group, die sich wie berichtet gegen das Wohnprojekt mitten im Gewerbegebiet wehrt. „Wenn die weggehen, kommt keiner nach, und wir kommen konjunkturell in schwierige Zeiten“, warnte Uhlig.
Geretsrieds Stärke sei die Gewerbesteuer, stimmte Norbert Junius zu. Der Ex-CSU-Stadtrat, der als Zuhörer gekommen war, kritisierte die Situation am Knotenpunkt Blumen-/Elbestraße, die mit einer Ampel gelöst werden soll. „Im Verkehrskonzept steht drin, dass es nicht geht“, so der Chef der Hausverwaltung Junius. Allgemein gebe es keine Debatte mehr im Stadtrat und dessen Mitglieder würden die Sitzungsunterlagen nicht lesen. „Sie sind schlecht vorbereitet und singen alle wie im Chor“, sagte Junius. Es sei hanebüchen, wie mit Reeh umgegangen wurde. Der CSU-Vorstand hatte ihn nicht mehr auf die Stadtratsliste gesetzt. Mit der Geretsrieder Liste, so Junius, „bin ich überzeugt, dass neuer Wind reinkommt“.
sw
Info
Die Aufstellungsversammlung der Geretsrieder Liste findet am Mittwoch, 8. Januar, um 20 Uhr in der Gaststätte Isarwinkel statt. Um zur Wahl antreten zu können, braucht sie Unterstützer-Unterschriften. Die Liste soll ein paar Tage darauf im Rathaus ausliegen. An jedem zweiten Sonntag im Monat plant die Gruppierung Kamingespräche von 16 bis 17.30 Uhr im Isarwinkel. Der erste Termin ist am 12. Januar. Die Internetseite www.geretsriederliste.de befindet sich im Aufbau.
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