Jetzt ist es raus: Larry Terwey ist der Bürgermeisterkandidat der FDP in Geretsried. Der 54-Jährige ist bereit für einen Jobwechsel.
Geretsried – Am 15. Oktober hatte Lorenz, genannt Larry, Terwey in einer internen FDP-Versammlung noch abgewunken, als die Frage nach einem Herausforderer des amtierenden Bürgermeisters Michael Müller (CSU) im Raum stand. Der Vorsitzende Günther Fuhrmann sah Terwey tief in die Augen. Da sagte der Beisitzer im erst heuer gegründeten Ortsverband plötzlich spontan „Ja“. Seinen Entschluss hatte er nicht einmal mit seiner Ehefrau Diana abgesprochen. Als er nach Hause kam und ihr davon erzählte, meinte sie nur: „Wieder was Neues, Larry? Okay, dann mach es“.
Mit diesen Worten erzählte der FDP-Bewerber den etwa 20 Besuchern, wie es zu seiner Kandidatur gekommen war. Terwey wechselt gerne den Job. Nach dem Besuch des Luisengymnasiums in München machte er eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Postbeamter. Es folgten Ausbildungen in den Bereichen Heiz- und Versorgungstechnik, Klimaschutz und Regenerative Energien. Außerdem eignete sich der gebürtige Berliner fundierte Kenntnisse in der Informationstechnik an. Unter anderem war er an den Planungen für den Münchner Transrapid beteiligt und setzte sie später in Schanghai mit um. Er besetzte Führungspositionen in mehreren Software-Unternehmen, arbeitete am Internet der Dinge und baute für verschiedene amerikanische Firmen europäische Niederlassungen auf. Seit Juni dieses Jahres ist er Verkaufsleiter in Deutschland für den österreichischen Service-Provider A1 Digital.
„Ich kann in komplexen Situationen schnell erkennen, was zu tun ist“, beschreibt der 54-Jährige eine seiner Stärken. Dieses Talent, so glaubt er, würde ihm als Rathauschef von Nutzen sein. Er könne Menschen motivieren und wolle die Bürger bei wichtigen Entscheidungen einbeziehen, sagt der Familienvater. Kein Wort der Kritik kommt Terwey über Bürgermeister Müller über die Lippen, was angenehm auffällt. Auf Nachfrage sagte er, bei der Zentrumsgestaltung hätte er „einiges anders gemacht“. Terwey weist auf den Antrag von Fuhrmann im Stadtrat für ein Verkehrskonzept für die Neue Mitte hin. In seiner Heimatstadt wolle er nicht nur die Digitalisierung und den Klimaschutz mit innovativen Techniken vorantreiben, sondern auch die sozialen Bereiche Wohnen und Familie fördern.
Sich selbst bezeichnet Terwey als sehr sozial. Er sei als Kind bei Adoptiveltern aufgewachsen. Mit seiner ersten Frau habe er deshalb in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Pflegekinder für je drei bis vier Jahre aufgenommen. Eine Tochter sei ihm „geblieben“. Zwei erwachsene Söhne hat er aus erster Ehe, mit seiner jetzigen Frau hat er fünf Kinder – insgesamt reiche deren Altersspanne von fünf bis 34 Jahren. Terwey: „Ich kann also in vielen Bereichen mitreden“.
Politisch hat Terwey ebenfalls einige Wechsel hinter sich. An seinem früheren Wohnort im Chiemgau engagierte er sich im SPD-Ortsvorstand, in Wolfratshausen kandidierte er vor sechs Jahren für die Bürgervereinigung. In der FDP habe er nun seine „Heimat gefunden“, wie er sagt. Sollte er nicht gewählt werden, hofft er auf ein Stadtratsmandat.
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Ihre Liste für den Geretsrieder Stadtrat werden die Liberalen am 22. November ab 19.30 Uhr wieder im Restaurant am Bibisee aufstellen. Bis Ende des Jahres will sich die FDP im Wahlkampf inhaltlich festlegen, wie Fuhrmann ankündigte.
Tanja Lühr
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