VonAndreas Steppanschließen
Tourismus, Wohnungsbau und die leerstehende Kaserne: In Lenggries gibt es viele Themen. Das will Tobias Raphelt, Bürgermeisterkandidat der SPD, anpacken.
Lenggries – Die Denkalm sollte es sein. Für ihre Interviewtermine mit dem Tölzer Kurier waren die Lenggrieser Bürgermeisterkandidaten aufgefordert, sich selbst eine Örtlichkeit in der Gemeinde auszusuchen. Tobias Raphelt (SPD) entschied sich für die Gaststätte oberhalb von Lenggries. Die Alm ist auch nach Feierabend nach kurzem Aufstieg gut erreichbar. Von der Terrasse aus schaut man hinüber zum Brauneck.
„Die Denkalm spiegelt für mich wider, was Lenggries so lebenswert macht“, sagt Raphelt. „Sie ist beliebt bei Tagesausflüglern, aber auch bei Einheimischen. Sie hat sich nie für den Massentourismus verkauft.“ Das passt zu Raphelts Vorstellungen. Unter dem Massenansturm an manchen Tagen habe die Bevölkerung oft zu leiden. „Die Akzeptanz schwindet – nicht nur am Walchensee.“ Raphelt sieht die Gefahr, „dass das Dorf innerlich zerrissen wird“.
SPD ist für Raphelt eine moralische Instanz
Dem würde er als Bürgermeister entgegenwirken – mit Einheimischentarifen in der „Isarwelle“ und am Brauneck etwa, auch mit einer Parküberwachung in gemeindlicher Hand. Damit die Kontrolleure „mit Augenmaß“ auf örtliche Gegebenheiten eingehen könnten.
Für den 47-Jährigen ist der Ausflug zur Denkalm aber auch mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. „Früher war ich mit meinen Eltern und meinem Bruder mindestens einmal in der Woche hier.“ Als Jugendlicher fuhr er hier Schlitten, später wanderte mit den eignen Kindern hinauf. Heute sind sie 21 und 17, von seiner Frau lebt Raphelt getrennt.
Jetzt ist es schon eine Weile her, dass Raphelt auf der Denkalm war. Seit seinem Schlaganfall vor einigen Jahren schafft er den Weg zu Fuß nicht mehr. Das Datum des Schlaganfalls hat Raphelt sich gemerkt, ein 13. Februar. „Es hat mich massiv aus der Bahn geworfen.“
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Raphelt leitete seinerzeit in München ein 60-köpfiges Serviceteam bei einem amerikanischen IT-Unternehmen. Sein Lehramtsstudium – Deutsch und Geschichte für Gymnasium – hatte er abgebrochen, sich als Quereinsteiger vom Helpdesk-Mitarbeiter zur Führungskraft hochgearbeitet.
15 Monate Zwangspause musste Raphelt einlegen. Danach wechselte er auf eigenen Wunsch die Position im Unternehmen. Heute arbeitet er viel von zu Hause aus. „Heimarbeit ist ein großes Zukunftsthema“, sagt er. „Ich war ein täglicher Pendler wie tausende andere. Ich denke, dass davon 70 Prozent Büroarbeitsplätze haben. Und wieder 70 Prozent dieser Tätigkeiten könnten von zu Hause ausgeführt werden. Das wäre eine riesige Erleichterung für den Verkehr.“
Auch Raphelts Entscheidung, als Bürgermeisterkandidat anzutreten, hat unter anderem mit seinem Schlaganfall zu tun. „Nach so etwas besteht die Gefahr, dass man in ein Loch fällt und nichts mehr macht“, sagt er. „Aber das sollte man nicht – trotz Einschränkungen.“
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Der SPD trat Raphelt mit 18 Jahren bei, übernahm den Vorsitz des Ortsvereins 2018, „als die Auflösung fast schon beschlossenen Sache war“, wie er sagt. Bis heute ist die SPD für ihn eine „moralische Instanz“. Schon seine Eltern waren beide Genossen. Mutter Michaela gehörte dem Kreistag an, kandidiert jetzt auf der SPD-Gemeinderatsliste. Tobias’ verstorbener Vater Gerhard „Mike“ Raphelt steuert posthum zum Wahlkampf seines Sohnes ein Aquarell mit der Lenggrieser Ortsansicht bei. Es ziert nun Flyer und Plakate.
Beeindruckt von Floßfahrt durch Lenggries
Der Maler und Grafiker war Zivilangestellter in der Prinz-Heinrich-Kaserne. Nicht nur deshalb sagt Tobias Raphelt, der als Wehrpflichtiger selbst dort stationiert war: „Der Niedergang der Anlage schmerzt.“ 17 Jahre Leerstand seien genug. „Wir könnten das Areal gut gebrauchen“, sagt der 47-Jährige. „Für bezahlbare Mietwohnungen, für Flächen für Vereine, Jugendliche und Senioren.“ Für die örtlichen Betriebe – oft Handwerker – sei es wichtig, dass Mitarbeiter und Auszubildende auch die Chance haben, in Lenggries zu wohnen. „Man kann nicht einfach sagen: Wir wollen keinen Zuzug.“
Genauso lang wie der SPD gehört Tobias Raphelt dem Flößer- und Holzhackerverein an. Dass es im Ortskern, der als Flößersiedlung entstand, „nur eine Flößergasse gibt“, davon ist der inzwischen nur noch Hobby-Historiker „etwas enttäuscht“. Immerhin ist auch er selbst 20 Jahre nebenberuflich Floß gefahren. Eine der wenigen Floßfahrten, die durch Lenggries führten, ist ihm unvergesslich. „Zwischen Geierstein und Brauneck durchzufahren, das hat mich sehr beeindruckt.“
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