Noch ein Jahr bis zu den Kommunalwahlen

Wer kandidiert als Bürgermeister in den Loisachtal-Orten? Nur einer wagt sich aus der Deckung

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Die amtierenden Bürgermeister: (v.l.) Martin Wohlketzetter, Stephan Märkl und Peter Imminger.
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Die aktuellen Rathauschefs sitzen fest im Sattel. Deshalb dürfte es spannend werden, wer in Grainau, Oberau und Farchant gegen die amtierenden Bürgermeister antritt. Falls sie erneut kandidieren.

Farchant/Grainau/Oberau – Thomas Schwarzenberger war der Erste, der die Katze aus dem Sack gelassen hat. Der Krüner Bürgermeister (CSU) verkündete bereits Ende Dezember 2018, dass er bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 ein viertes Mal kandidieren will. Sehr früh – finden viele seiner Kollegen und lassen sich durch das Vorpreschen des Isartalers nicht aus der Ruhe bringen. In den Loisachtal-Gemeinden – Farchant, Grainau und Oberau – halten sich die Kommunalpolitiker noch zurück. Nur einer gibt zu, dass er Ambitionen hat, über 2020 hinaus die Geschicke seines Ortes zu lenken. Ein Überblick.

Farchant

Martin Wohlketzetter hat sich einen Stichtag gesetzt – seinen 60. Geburtstag im Herbst. „Da gebe ich bekannt, was ich mache“, sagt der Farchanter Bürgermeister (SPD). Schaut man auf die Vielzahl von Projekten, die in Farchant anstehen, könnte man vermuten, dass er die auch weiterhin begleiten will. Doch damit lässt sich Wohlketzetter nicht aus der Reserve locken. „Bürgermeister sein, ist kein Hexenwerk“, betont er. Entscheidend sei die Verwaltung „und die funktioniert in Farchant“.

Mit der Arbeit des Sozialdemokraten sind auch die politischen Gegner sehr zufrieden. Deshalb schickten 2014 weder die Freien Wähler noch die CSU einen eigenen Bewerber ins Rennen. 2008 hatte das anders ausgesehen. Als der politische Quereinsteiger Wohlketzetter die CSU-Dominanz – Michael Lidl trat nach 36 Jahren nicht mehr an – brechen wollte, musste er sich Hans Gabler (CSU) und Marlena Rauch (Freie Wähler) stellen. Denkbar knapp, mit nur sieben Stimmen Unterschied, sicherte er sich in der Stichwahl gegen Rauch den Sieg.

Alle Kandidaten im Überblick

Diese turbulenten Zeiten sind vorbei. „Im Großen und Ganzen gibt’s an der Arbeit von Martin Wohlketzetter nichts auszusetzen“, sagt Gerhard Portele, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Deshalb kann er sich vorstellen, auch erst einmal abzuwarten, wie sich der Amtsinhaber entscheidet. „Wenn er nicht mehr weitermacht, ist das eine ganz andere Situation.“ Eine, in der sicher plötzlich mehrere Bewerber in den Startlöchern stehen.

Abwartend gibt sich auch Zweiter Bürgermeister Johann Schmid (CSU). „Nach dem Fasching setzen wir uns erstmals zusammen“, verrät er. Ob seine Partei nach der Pause 2014 wieder einen eigenen Kandidaten aufstellt, lässt er sich daher – noch – nicht entlocken. Wie Portele hebt er die gute Zusammenarbeit im Gemeinderat hervor. „Wir haben so viele Projekte auf den Weg gebracht“, sagt Schmid. „Das geht nur miteinander.“

Grainau

„Ich bin bereit“ – Stephan Märkl (CSU) ist ein Freund der klaren Worte. Sofern es der Ortsverband wünscht, steht der Grainauer Bürgermeister für eine zweite Periode zur Verfügung. „Die Arbeit macht Spaß“, betont Märkl. 2014, als er seinen Parteifreund Andreas Hildebrandt nach 18 Jahren ablösen wollte, sah er sich als Polit-Novize zwei Gegenkandidaten gegenüber: Richard Hufnagl für die Parteilose Wählergemeinschaft (PWG) und Christian Andrä für die neugegründeten „Bürger für Grainau“ (BfG). Mit Letzterem traf er sich in der Stichwahl wieder – und eroberte mit neun Stimmen Unterschied den Chefsessel im Rathaus für sich. Auf dem fühlt sich Märkl wohl. „Sehr interessant“ nennt er die vergangenen fünf Jahre, in denen er erfahren musste, dass man’s insbesondere in Bauangelegenheiten nicht jedem Recht machen kann.

Einen Lernprozess haben auch Andrä und seine BfG durchlaufen, die 2014 als zweitstärkste Kraft in den Gemeinderat eingezogen ist. Gerade die vielen Selbstständigen in ihren Reihen „mussten lernen, dass das Leben aus Kompromissen besteht“, sagt Andrä und schmunzelt. Das Miteinander im Gremium findet er sehr gut – „abgesehen von wenigen Ausnahmen“. Diese Aussage lässt freilich keine Schlussfolgerung zu, ob seine Gruppierung im kommenden März einen eigenen Kandidaten nominiert oder nicht. „Ich kann mir alles vorstellen, wenn’s beruflich machbar ist“, betont Andrä. Mehr gibt er nicht preis. „Die Kommunalwahl 2020 haben wir überhaupt noch nicht auf der Tagesordnung.“ Sicher ist bisher nur, dass die BfG kommunalpolitisch aktiv bleibt.

Das gilt auch für die PWG. Wie’s weitergeht, kann Vorsitzender Hubert Stühler allerdings noch nicht sagen. „Wir setzen uns erst in den nächsten Wochen zusammen.“ Stühler ist freilich bewusst, dass es immer schwieriger wird, junge Leute zur Mitarbeit zu motivieren. Erst recht nach dem Einbruch 2014, den er und seine Mitstreiter hinnehmen mussten. „Die BfG kam wie Phoenix aus der Asche und hat uns regelrecht überrollt“, erinnert er sich. „Unser Problem war, dass wir’s nicht verstanden haben, unsere gute Arbeit an die Öffentlichkeit zu bringen.“ Somit sitzen jetzt nur mehr drei PWG-Vertreter im Gemeinderat, „als Zünglein an der Waage“. Mit dem Miteinander und vor allem mit Märkls Arbeit zeigt sich Stühler zufrieden. „Aus meiner Sicht macht er’s gut. Der Ort funktioniert, die Tourismuszahlen sind auf einem Niveau wie nie zuvor.“

Oberau

Peter Imminger hat ab 2020 mehr Zeit. Dann legt der Oberauer Bürgermeister (CSU) seine Posten als Betriebsleiter bei der Energie Südbayern GmbH und als Geschäftsführer bei der KEW Karwendel Energie & Wasser GmbH nieder.  Wer den Maschinenbau-Techniker kennt, weiß, dass er nicht von 100 auf 0 zurückschalten kann. Stillstand ist nichts für den umtriebigen Imminger, der seit 1996 fest im Sattel sitzt und seine Heimatgemeinde auf Vordermann gebracht hat. „Ich bin hin- und hergerissen“, sagt er und lacht. Noch habe er sich nicht entschieden, ob er ein fünftes Mal antritt. Ein gewichtiges Wort redet dabei auch seine Frau Daniela mit, „die mich ermuntert, weiter arbeiten zu gehen“. An den aktuellen Projekten macht er’s jedenfalls nicht fest. „Die laufen auch ohne mich.“ Was hingegen den Ausschlag geben dürfte, ist seine Liebe zu Oberau, für das er auch in seinem 23. Jahr als Bürgermeister noch brennt.

Allein deshalb vermutet Christian Allinger (SPD), dass Imminger es noch einmal anpackt. 2008 hatte dieser mit Georg Mayr (Freie Wähler) einen Herausforderer, 2014 war er der einzige Bewerber ums Bürgermeister-Amt. Ein Zeichen dafür, dass seine Arbeit geschätzt wird – ähnlich wie bei Wohlketzetter in Farchant. „Peter Imminger sitzt fest im Sattel, er hat das Ruder im Griff“, meint Allinger. „Und er schafft es, die Leute hinter sich zu bringen.“ Ihm einen Gegenkandidaten entgegen zu setzen, hält er für schwierig. Die Sozialdemokraten nehmen davon wohl Abstand, „wir sind froh, wenn wir eine vernünftige Liste aufstellen können“. Damit beschäftigt sich die SPD aber erst Mitte des Jahres.

Die Freien Wähler widmen sich ebenfalls noch nicht dem Urnengang 2020. „Wir werden uns rechtzeitig Gedanken machen“, sagt Johann Klein, der sich ansonsten verschlossen wie eine Auster gibt. Die Arbeit im Gremium nennt er „sehr konstruktiv und sachorientiert“. Nur so gelinge es, die vielen Projekte, die auch in Oberau auf der Agenda stehen, anzupacken und vor allem umzusetzen. Eines, das 2021 mit der Eröffnung des Tunnels ansteht, ist der Rückbau der Ortsdurchfahrt.

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