In kleinen Schritten zum großen Ziel

Krämmel erläutert Details zum neuen Wohngebiet auf dem Geretsrieder Lorenzareal

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750 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Lorenz-Areal entstehen. Krämmel-Geschäftsführer Korbinian Krämmel rechnet mit einem Baubeginn Mitte 2019.
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Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt  Korbinan Krämmel, Chef des Wolfratshauser Bauunternehmens, warum sich das riesige Bauprojekt in Geretsried um Monate verzögert.

Geretsried – Wer in Geretsried eine bezahlbare Wohnung sucht, braucht einen langen Atem. Die Immobilienpreise steigen und steigen. 750 Wohnungen will die Firma Krämmel auf dem ehemaligen Lorenz-Areal bauen – und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Über 100 Millionen Euro investiert das Wolfratshauser Unternehmen in dieses Projekt. Doch der Abstimmungsbedarf ist groß und wirft den anvisierten Zeitplan über den Haufen. Warum sich das Bauvorhaben um Monate verzögert, erklärt Geschäftsführer Korbinian Krämmel (33) im Gespräch mit unserer Zeitung.

-Herr Krämmel, man hört, dass auf dem ehemaligen Lorenz-Areal erst im nächsten Jahr die Bagger anrollen. Ursprünglich wollten sie noch heuer loslegen. Was ist der Grund für die Verzögerung?

Wir haben neben dem Sieber-Grundstück, wo sich jetzt der Tiefkühlpizza-Hersteller Franco Fresco angesiedelt hat, auch das Stempner-Grundstück neben der Feuerwache Nord gekauft und in unsere Planungen miteinbezogen. Dort wollen wir ein Haus für Kinder mit Krippe, Kindergarten und Hort bauen. Der Aufstellungsbeschluss für diese Erweiterung wurde erst im Dezember gefasst. Daraus haben sich für uns planerische Änderungen ergeben. Und da hängt ein langer Rattenschwanz dran. Das kostet Zeit. Klar, grundsätzlich ist man immer eher etwas optimistischer, was den Zeitplan angeht, als es dann halt oft ist.

-Welche Änderungen haben sich durch die Erweiterung des Quartiers ergeben?

Wir haben geschaut, wie wir das Haus für Kinder optimal platzieren können. Daraus ist dann ein neuer städtebaulicher Entwurf entstanden. Dadurch, dass uns jetzt mehr Platz zur Verfügung steht, konnten wir von der Elbestraße aus einen sehr offenen Eingang zum Quartier schaffen. Jetzt ergibt sich innerhalb des Areals auch eine sehr schöne Platzabfolge, die attraktiv gestaltet werden kann.

-Oberirdische Stellplätze sind im Modell nicht zu erkennen.

Wir lassen die parkenden Autos im Untergeschoss, in einem zum Teil offenen Parkdeck, verschwinden. Insgesamt wird es drei Zu- und Ausfahrten geben. Oben ist alles komplett grün und mit Wegen durchzogen. Besucherstellplätze werden aber unteren anderem noch zusätzlich an der Elbestraße, der Banater Straße und im Bereich der Durchfahrt ganz im Osten des Quartiers geschaffen.

-Welche Schallschutzmaßnahmen sind vorgesehen?

Der äußere Ring, in dem sich die Mietwohnungen befinden, ist von transparenten Schallschutzwänden unterbrochen. Außerdem liegen außen die Wohnungstüren sowie Räume wie Küche und Bad. Die Wohnräume sind nach innen ausgerichtet. Dort soll es viele Bäume und mehrere Spielplätze geben.

-Der geänderte Bebauungsplan wurde von März bis Mai zum zweiten Mal öffentlich ausgelegt. Haben sich für Sie aus den eingegangenen Bedenken und Anregungen noch einmal Änderungen ergeben?

Wir hatten im August 2016 eine freiwillige frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, das war keine Offenlage im juristischen Sinne. Die war tatsächlich heuer von März bis Mai. Die Bedenken und Anregungen, die von Nachbarn und verschiedenen Fachbehörden kamen, werden momentan abgearbeitet.

-Wie viele Stellungnahmen wurden abgegeben, und worum geht es hauptsächlich?

Um ungefähr ein Gefühl zu bekommen: Es kamen weniger als bei unserem Bauvorhaben „Puls G“ am Karl-Lederer-Platz. Schwerpunkt ist der Immissionsschutz, sei es von den gewerblichen Nachbarn oder auch von Behörden wie dem Landratsamt.

-Besonders ein Nachbar, die Firma Bauer Kompressoren, begleitet Ihre Planungen sehr kritisch.

Das ist richtig. Von dieser Seite kam in der Offenlage auch eine Stellungnahme, die wir bearbeiten. Wir haben Bauer Kompressoren verschiedene Unterlagen zur Verfügung gestellt, damit das Unternehmen selbst Details prüfen kann. Wir werden sicher im Dialog bleiben, aber auch das Verfahren weiterführen.

-Ist Bauer Kompressoren der größte Bedenkenträger?

Die Firma hat die Sorge, dass sie in ihrem Tun eingeschränkt werden könnte. Wir wollen sicherstellen, dass das nicht der Fall ist. Deshalb arbeiten wir das bis ins letzte Detail ab.

-Wie wollen Sie das sicherstellen?

Es gibt auf beiden Seiten baurechtliche Regeln, die einzuhalten sind. Bei der Firma Bauer Kompressoren ist das ein Bebauungsplan und die Baugenehmigung. Als das Unternehmen 2013 erweitert hat, wurden dezidierte Untersuchungen durchgeführt.

-Und eine solche müssen Sie für Ihr Vorhaben auch beibringen.

Genau. Bauer hat nachgewiesen, wann und wo genau im Betrieb Lärm entsteht. Dann ist unser Gutachter hergegangen und hat diese Daten in sein Berechnungsmodell eingepflegt. Er hat sogar einen relativ großen Puffer.

-Das müssen Sie uns erklären.

Unser Gutachter geht vom Worst Case, also vom schlimmsten Fall, aus. Das heißt, er schaut sich jeden umliegenden Betrieb an und überprüft, was dieser im Rahmen seiner Möglichkeiten maximal emittieren darf. Und daran orientieren wir uns. In der Theorie wird angenommen, dass alle gleichzeitig alles, was sie rechtlich dürfen, auf das Quartier einfließen lassen. Das wird wahrscheinlich nie der Fall sein, aber das ist für uns die Richtschnur. Wenn sie heute an der Banater Straße stehen, hören sie nicht viel Lärm, der von Bauer Kompressoren ausgeht. Insofern ist da noch Luft nach oben.

-Aber niemand weiß, ob nicht doch einmal ein Bewohner gegen die Emissionen klagen wird.

Diesen Fall können wir nie ausschließen. Wir leben in einem Rechtsstaat. Jeder kann gewisse Vorgänge auf dem Rechtsweg überprüfen lassen. Aber die Emissionen, die Bauer verursacht, sind für dieses Quartier nicht kritisch. Da sind wir uns sicher. Wir beschäftigen uns intensiv damit, dass das passt. Das ist uns und der Stadt extrem wichtig. Wir wollen rechtlich sauber arbeiten und keine Konflikte schaffen.

-Mit der Erweiterung um das Stempner-Grundstück wird noch einmal zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Wie viele Wohnungen wird es insgesamt geben?

Wir gehen von etwa 750 Wohnungen mit ein bis vier Zimmern aus. Die Größe reicht von etwa 30 Quadratmetern für ein kompaktes Apartment bis zu 120 Quadratmetern für eine Vier-Zimmer-Wohnung. Allerdings dürfen die staatlich geförderten Wohnungen nicht größer als 90 Quadratmeter sein.

-Können Sie in diesem Zusammenhang das Geretsrieder Modell erläutern, das hier erstmals greifen soll?

Wir wollen bezahlbaren und passenden Wohnraum für Geretsrieder schaffen, und Einheimische sollen bei der Vergabe bevorzugt werden. Vorgesehen ist, dass je 30 Prozent der Wohnungen gefördert beziehungsweise frei finanziert vermietet werden, die restlichen 40 Prozent gehen in den Verkauf. Bei der Erarbeitung des Modells arbeiten wir eng mit der Stadt zusammen. Details gibt es noch zu besprechen.

-Liegen Ihnen bereits Anfragen für Wohnungen vor?

Ja, die Interessentenliste ist schon relativ lang.

-Eigentlich sollten ja Mieter der Baugenossenschafts-Wohnungen an der Egerlandstraße in die Neubauten auf dem ehemaligen Lorenz-Areal übersiedeln. Das ist mit der Verzögerung nun hinfällig.

Da beißt sich mittlerweile unser Zeitplan. Aber die Baugenossenschaft ist in der Lage, dass sie ihre Mieter nach und nach in Bestandswohnungen und ab 2019 auch in ihrem Neubau an der Siebenbürger Straße unterbringen kann. Wir reden fast täglich miteinander. Wir sind von Anfang an gemeinsam in die Projektentwicklung gestartet und an verschiedenen Fragen dran.

-Um was geht es da?

Um Fragen der Mobilität, Außenanlagen, Begegnungszentren und den Wohnungsmix. Letzterer ist zum Teil auch schon entschieden.

-Wie sieht Ihr neuer Zeitplan aus?

Derzeit werden die Stellungnahmen zu den eingegangenen Bedenken und Anregungen verfasst, die nach der Sommerpause vom Stadtrat abgewogen werden. Parallel dazu verhandeln wir mit der Stadt weiter den Durchführungsvertrag. Wenn alle Beteiligten sagen, jetzt sind wir soweit, gibt’s den Satzungsbeschluss. Damit rechnen wir noch in diesem Jahr. Liegt der vor, kann der Bauantrag beim Landratsamt geprüft werden. Etwa Mitte nächsten Jahres könnten wir zum Bauen anfangen.

-Hand aufs Herz: Die Verzögerung kostet neben Zeit auch Geld.

Die Erfüllung der Rahmenbedingungen wie beispielsweise Schallschutz, Stellplatznachweis und Energieeffizienz sind schon eine Herausforderung für uns. Das und die Marktentwicklung führen dazu, dass die Baukosten steigen werden. Aber wir versuchen, das ein Stück weit planerisch aufzufangen. Um dennoch eine wirtschaftliche Bauausführung zu ermöglichen, versuchen wir, beispielsweise bei baukostenintensiven Gewerken nach Optimierungen zu suchen. Das lässt sich mitunter gut über eine gewisse Höhenentwicklung mit teilweise bis zu sieben Stockwerken realisieren. Das brauchen wir auch, denn schließlich sollen sich die Geretsrieder die Wohnungen auch leisten können.

-Zehrt dieser langwierige Prozess nicht langsam an Ihren Nerven?

Wir haben Geduld und einen langen Atem. Denn das Ziel, bezahlbaren Wohnraum für Geretsried zu schaffen, ist ein sehr schönes und gutes Ziel. Es zieht sich hin, aber es macht Spaß und ist extrem spannend. Auch wenn die Schritte klein sind, wir bewegen uns weiter.

nej

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