VonManuel Eserschließen
Die Erneuerung ihres Weihers ist für die Kühnhauser Bürger eine Herzenssache. Endlich stand das langersehnte Projekt vor dem Startschuss. Jetzt gibt es neue Probleme.
Kranzberg – Es ist eine Herzensangelegenheit für die Bürger von Kühnhausen: die Sanierung ihres Weihers. Doch die Gemeinde Kranzberg schiebt die Erneuerung des Dorfmittelpunkts seit zehn Jahren vor sich her. Jetzt, kurz vor dem Startschuss, wird die Planung erneut ausgebremst. Neben der Kostenexplosion ist ein anderes Problem im wahrsten Sinn Gift für das Projekt.
Dabei begann die Sitzung des Kranzberger Gemeinderats am Dienstag mit einer guten Nachricht. Bürgermeister Hermann Hammerl teilte mit, dass das Amt für ländliche Entwicklung das Projekt mit 63 Prozent bezuschusst. Kern der Maßnahme ist es, die Aufenthaltsqualität zu steigern. Der Plan, den Christina Schubert von Wipflerplan nochmals vorstellte: den nahezu ausgetrocknete Weiher auf rund 2030 Quadrat in etwa auf seine ursprüngliche Fläche erweitern, das Ufer so gestalten, dass ein Zugang zum See entsteht, und das Areal mit einem Sitzbereich im Grünen und einem Holzsteg verschönern.
Giftstoffe treiben Kosten in die Höhe
Die Zuschüsse kann die Gemeinde gut brauchen. Denn die Kosten schießen nach oben. 50 000 Euro waren ursprünglich eingeplant, inzwischen liegt die Summe, bestehend aus Bau- und Honorarkosten, bei 1,1 Millionen Euro netto. FWG-Rätin Ursula Enghofer betonte, dass die „ausgereifte Planung“ aber mehr vorsehe als die Wiederherstellung des Weihers. „Wir erweitern die Retentionsflächen und erhöhen damit den Hochwasserschutz. Wir befestigen den Gehweg am Nordufer und erhöhen damit die Verkehrssicherheit. Und wir beseitigen die Altlasten.“
Letzteres war die Hiobsbotschaft des Abends. Denn die Ergebnisse der Sedimentproben sind fatal: „Der Boden ist zum Teil sehr hoch belastet“, teilte Schubert mit. Am Ostufer seien Werte gemessen worden, die über der Kategorie Z2 liegen. Unter anderem seien Kohlenwasserstoffe und PAK festgestellt worden. Auch von Cyaniden war die Rede. Es handle sich dabei nicht um „normalen Unterboden“, sondern wohl um Fremdverfüllungen. „Dieses Material muss auf einer Deponie entsorgt werden, und zwar in der höchsten Deponieklasse.“ Mit enormen finanziellen Auswirkungen: Von den rund 930 000 Euro Baukosten entfallen allein 344 000 auf die Entsorgung des vergifteten Materials – das entspricht 37 Prozent.
Kühnhauser Weiher: Größe des Projekts umstritten
„Wenn ich hier etwas von Cyaniden höre, wird mir echt übel“, betonte 2. Bürgermeister Anton Hierhager (SPD). Das Material einfach dort zu belassen, wie kurzzeitig im Raum stand, war auch für Monika Mühl (FWG) keine Option. „Wenn wir wissen, dass dieses Zeug im Boden ist und lassen dort Kinder spielen, kommt das nicht gut.“ Florian Vierthaler relativierte die Gefahr allerdings: „Wir sprechen hier von normalen Bauschutt. Es geht nicht um Atom- oder Giftfmüll, wo den Kindern die Haare ausfallen.“
Der Gemeinderat stimmte dafür, zusätzlich zu den bisherigen Stichproben zu prüfen, ob sich noch mehr Altlasten am Weiherufer befinden. Zugleich soll die Verwaltung klären, ob es reicht, nur den Boden bis zur geplanten Aushubtiefe zu entfernen, oder ob sämtliches Material über Z2 entsorgt werden muss. So will das Gremium mehr Kostensicherheit erhalten und im Anschluss daran die Kühnhauser in einer Versammlung über die Entwicklung informieren.
Denn bei den Räten ist die finanzielle Größenordnung des Projekts unabhängig von den Entsorgungskosten umstritten. Hierhagers Schlussplädoyer: „Wenn alle Fakten auf den Tisch sind, müssen die Kühnhauser sagen, ob es ihnen das wert ist – dann stehen wir dazu –, oder ob sie auch mit einer kleineren, ebenfalls schönen Lösung leben können.“
Kostenexplosion auch am anderen See
Mit Kostenexplosionen hat der Kranzberger Gemeinderat in jüngster Zeit leidliche Erfahrungen gemacht. Auch beim Projekt Mehrgenerationenhaus, das am Kranzberger See entstehen soll, sind die Zahlen in die Höhe geschossen. Allerdings hat die Gemeinde auch bei der Neugestaltung des Kranzberger Sees viel Geld in die Hand genommen - und ihn mit einem schönen Spielplatz aufgewertet.
