Gemeinderat übt heftige Kritik

Kurtaxe: Rottach empört über Wiesseer Vorstoß

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Um den Badepark sanieren zu können, erhöht Bad Wiessee den Kurbeitrag.
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Als Wiesseer Interims-Bürgermeister hat Robert Huber die Erhöhung der Kurtaxe durchgesetzt. Das bringt ihm nicht nur im eigenen Ort Ärger ein. Im Rottacher Gemeinderat hagelte es Kritik.

Rottach-Egern/Bad Wiessee Es war Anastasia Stadler (CSU), ehemalige Vorsitzende des Rottacher Verkehrsvereins, die den Wiesseer Beschluss am Ratstisch zum Thema machte. Die Kurtaxe sei „der kleinste gemeinsame Nenner“ der fünf Tal-Orte, erinnerte sie. Ihn zu finden, habe einen langen, zähen Kampf erfordert. Seit 2012 sind im gesamten Tegernseer Tal pro Gast und Tag zwei Euro fällig. Doch nun schert Bad Wiessee aus: Mit 8:6 Stimmen beschloss das Gremium auf Betreiben des amtierenden Bürgermeisters Robert Huber (SPD), den Kurbeitrag ab Dezember 2019 auf 3,30 Euro zu erhöhen (wir berichteten). Dieser Beschluss trete den Tal-Gedanken mit Füßen, urteilte Stadler. Die Frage sei nun, wie Rottach-Egern mit der Situation umgehe. Sie wünsche sich einen Beschluss, der Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) beauftrage, nach einer einigenden Lösung zu suchen.

Doch Köck winkte ab: Für einen solchen Beschluss gebe es keinen Anlass. Rottach-Egern werde auf die Schnelle nicht am Kurbeitrag rütteln, das habe er auch dem örtlichen Verkehrsverein bereits versichert. Möglicherweise werde man den Kurbeitrag moderat anpassen, dies aber in Absprache mit den Gastgebern und den Nachbargemeinden. Der Wiesseer Vorstoß, so Köck, komme „absolut zur Unzeit“. Der erste Bürgermeister Peter Höß befinde sich im Krankenstand, sein Vertreter versuche sich in einer Weise in Szene zu setzen, die nicht angemessen sei. Dem Tal-Gedanken schade das sehr. Mit dieser Meinung stehe er auch nicht allein, merkte Köck an. Auch seine Bürgermeister-Kollegen sähen dies so.

Es gab sogar einen Versuch aus dem Rottacher Rathaus, den Beschluss zur Erhöhung der Wiesseer Kurtaxe kurz vor der Sitzung zu verhindern oder wenigstens abzumildern. „Wir wussten, dass der Punkt auf der Tagesordnung stand“, berichtete Köck. Darum habe er Geschäftsleiter Gerhard Hofmann gebeten, bei seinem Wiesseer Kollegen Hilmar Danzinger anzurufen. Ziel war, das Votum abzuwenden oder in einen Empfehlungsbeschluss umzuwandeln. Tenor: Die Kurtaxe wird erhöht, aber erst nach Absprache mit Gastgebern und Nachbar-Orten. Dieser Rat sei leider in den Wind geschlagen worden. „Stattdessen wurde der Beschluss mit knapper Mehrheit durchgedrückt“, meinte Köck. Der größte Fehler dabei sei für ihn noch nicht einmal die fehlende Absprache mit den Nachbargemeinden, sondern der Umstand, dass es im Vorfeld keine Gespräche mit den Wiesseer Vermietern gab.

Aber auch Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), rückte im Rottacher Gemeinderat ins Schussfeld. Der Chef der Dachorganisation TTT habe als Mediator und Kommunikator offenbar versagt, meinte Klaus Fresenius (FWG). Dass Kausch sich öffentlich hinter den Wiesseer Beschluss gestellt hatte, die Kurtaxe anzuheben, missfällt auch Josef Lang (CSU). CSU-Fraktionssprecherin Alexandra Wurmser ging noch weiter: „Herr Kausch ist ein Buchhalter, aber kein TTT-Geschäftsführer.“

Robert Huber indes bleibt bei seinem Kurs. „Man haut jetzt auf mich ein, weil ich aus dem Joch der Gleichmacherei ausgeschert bin“, meint er mit Blick auf seine Bürgermeisterkollegen. Dabei brauche er 20 Millionen Euro für den Badepark, von dem das ganze Tal profitiere. Der Badepark befinde sich technisch in einem so schlechten Zustand, dass unsicher sei, ob er überhaupt noch ein bis zwei Jahre in Betrieb bleiben könne, erklärt Huber. Die Finanzierung von Sanierung oder Neubau könne nur mit der Erhöhung des Kurbeitrags – die 700 000 Euro jährlich bringt – gelingen. Er habe jetzt, in der Vertretungszeit, handeln müssen: „Es ist gänzlich unmöglich, die Dinge weiter aufzuschieben“, versichert Huber. Darum sei auch keine Zeit geblieben, mit den Tourismus-Organisationen zu reden. Bad Wiessee habe die Kurtaxe seit 2006 nicht angehoben. 2012 habe man die Einnahmen für Bad Wiessee gedeckelt, während die Ausgaben weiter anschwollen: „Ein betriebswirtschaftlicher Amoklauf.“

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