Mehrgenerationenhaus in Wolfratshausen

Nach kontroverser Debatte: Umstrittene „Klostermauer“ an viel befahrener Kreuzung steht

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Die Lärmschutzwand an der Kreuzung Sauerlacher Straße/Am Floßkanal war sowohl bei den Wolfratshauser Bürgern als auch im Stadtrat umstritten. Fast vier Meter hoch sollte sie ursprünglich werden – 3,50 Meter Höhe gestand man dem Bauherrn des Mehrgenerationenhauses schließlich zu.
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Eine fast vier Meter hohe Lärmschutzwand hatte in Wolfratshausen eine kontroverse Debatte ausgelöst. Nun steht die „Klostermauer“ an einer viel befahrenen Kreuzung.

Wolfratshausen – Das Mehrgenerationenhaus, das die Maro-Genossenschaft an der Kreuzung Sauerlacher Straße/Am Floßkanal errichtet, nimmt von Tag zu Tag konkretere Formen an. Inzwischen steht auch die Lärmschutzwand – die im Herbst/Winter 2019 einen heftigen Streit ausgelöst hatte.

Lärmschutz für Mieter: Umstrittene „Klostermauer“ jetzt errichtet

Die Genossenschaft mit Sitz in Ohlstadt (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) hat das etwa 1400 Quadratmeter große Areal in Erbpacht von der Stadt Wolfratshausen übernommen. Die Maro baut 24 barrierefreie Wohnungen, eine Tiefgarage und saniert das denkmalgeschützte ehemalige Klinikgebäude, das auf dem Grundstück steht. Ursprünglich war geplant, das Mehrgenerationenhaus mit einer rund 25 Meter langen und fast vier Meter hohen Mauer vor dem Verkehrslärm abzuschirmen.

Die Wolfratshauser CSU ging auf die Barrikaden: Unter dem Motto „Weg mit der Mauer! Für ein schönes Wolfratshausen!“ sammelte sie mehr als 500 Unterschriften und visualisierte die Dimension der „Grenzmauer“ (O-Ton des damaligen CSU-Fraktionssprechers Dr. Manfred Fleischer) vor Ort mit einer Konstruktion aus Holzlatten und einem weißen Leinentuch. Maximal 1,25 Meter hoch dürfe die Lärmschutzwand werden, so die Forderung der Christsozialen und ihrer Mitstreiter aus der Bürgerschaft.

Die Mauer wird kein Schandfleck für Wolfratshausen.

Architekt Florian Nagler im Dezember 2019

Ralf Schmid, der Projektleiter der Maro-Genossenschaft, war vom Proteststurm überrascht. Die Mauer sei von Beginn an Bestandteil des Bauvorhabens gewesen, sie „ist eine Bedingung“, so Schmid in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Es gehe der Genossenschaft nicht darum, Geld beim Lärmschutz am Neubau zu sparen, sondern: Eine wesentliche Säule des Mehrgenerationenprojekts sei ein Außenbereich, der für Gemeinschaftsaktionen genutzt werden kann. Knapp 500 Quadratmeter seien für diesen Zweck vorgesehen – und dieser Bereich müsse definitiv durch eine Mauer „vor Verkehrslärm bewahrt werden“. Schmid: „Baurechtlich ist ohne Mauer kein dauerhafter Aufenthalt im Außenbereich möglich.“

Bauausschuss der Stadt Wolfratshausen einigt sich auf Kompromissvorschlag

Der Bauausschuss des Stadtrats war geteilter Meinung. Mit Blick auf weitere vom Bauherrn beantragte Abweichungen vom rechtsverbindlichen Bebauungsplan stellte Fritz Schnaller (SPD) fest: Er könne zwar über seinen Schatten springen, „aber nicht über die geplante Mauer“. Der Sprecher der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), Josef Praller, haderte ebenfalls mit der Höhe des Schutzwalls. Die Bebauung des Grundstücks habe in seinen Augen stadtbildprägenden Charakter – einer fast vier Meter hohen Mauer werde er nicht zustimmen.

Schließlich einige sich das Fachgremium mit 7:3 Stimmen auf einen Kompromissvorschlag von SPD-Rätin Gerlinde Berchtold. Der Genossenschaft wurde der Bau einer maximal 3,50 Meter hohen Lärmschutzmauer erlaubt. Sie zieht sich vom ehemaligen Krankenhaus um die Kurve an die Straße Am Floßkanal und endet zirka zwei Autolängen hinter der Ampel. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) hatte in der emotionalen Debatte wiederholt auf in seinen Augen vergleichbare Fälle an der Schießstättstraße hingewiesen. Auch dort seien „bis zu 3,50 Meter hohe Lärmschutzeinrichtungen mittels Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplanes“ gestattet worden.

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Architekt des Mehrgenerationenhauses versucht, die Wogen zu glätten

Bei einem öffentlichen Info-Abend im evangelischen Gemeindesaal vor der endgültigen Entscheidung des Stadtrats versuchte Architekt Florian Nagler, die Wogen zu glätten. Er erklärte, warum der Lärmschutzwall unverzichtbar sei. Trotz einer 3,50 Meter hohen Mauer seien im Innenhof des Gebäudekomplexes Spitzenwerte bis zu 62 Dezibel zu erwarten. Dies sei im buchstäblichen Sinne die Schmerzgrenze. Nagler sagte, dass es sich „nicht um die Berliner Mauer, nicht um eine Mauer aus Fertigbetonteilen handelt“. Das Wort „Klostermauer“ beschreibe das Vorhaben treffender. Das Ziegelbauwerk werde begrünt „und passt sich harmonisch in das Gesamtensemble ein“. Architekt Nagler versprach vor 60 Zuhörern: „Die Mauer wird kein Schandfleck für Wolfratshausen.“

Mehrgenerationenhaus in Wolfratshausen: Rohbau inzwischen fertiggestellt

Zu diesem Schluss kam letztlich auch die deutliche Mehrheit des Stadtrats. Gegen die Stimmen der CSU-Fraktion und der von Ex-Rathauschef Helmut Forster (seinerzeit noch BVW-Fraktionsmitglied) billigte das Gremium den Bau einer 3,50 Meter hohen Mauer.

Inzwischen ist der Rohbau des Mehrgenerationenhauses fertiggestellt. Bürgermeister Heilinglechner bescheinigte dem Objekt beim Richtfest durchaus eine gewisse „Wucht“. Er betonte zugleich, dass die Höhe der umliegenden Gebäude nicht überschritten worden sei. (cce)

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