Wolfratshausen

Rückschlag für neues Demenz-Zentrum: Grundstück wegen Immissionsschutz ungeeignet

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Nördlich des Gewerbeparks An der Loisach in Wolfratshausen (graue Fläche rechts) hätte das neue Demenz-Zentrum des AWO-Bezirksverbands Oberbayern gebaut werden sollen. Doch die „Lärmkontingente“ der Betriebe im Süden stehen dem Vorhaben laut Rathaus-Mitarbeiter Sebastian Sens entgegen.
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Das geplante Bauvorhaben in der Nähe des Gewerbeparks scheitert an Lärmschutzbestimmungen. Die Planungen für den Neubau des Demenz-Zentrums stocken.

Wolfratshausen – Die Uhr tickt. Das 1981 am Paradiesweg errichtete und zuletzt 2002 modernisierte Demenz-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) entspricht wie berichtet nicht mehr den Ausführungsbestimmungen des Bayerischen Wohn- und Pflegequalitätsgesetzes. Das schreibt unter anderem Barrierefreiheit und Raummindestgrößen sowie einen hohen Anteil an Einzelzimmern vor. Das Landratsamt gewährte der AWO auf Antrag Bestandsschutz für die Einrichtung, sofern bis 2026 ein Neubau errichtet worden ist. Dieses Projekt war schon relativ weit gediehen, doch nun gab es einen herben Dämpfer.

Rückschlag für neues Demenz-Zentrum: Grundstück wegen Immissionsschutz ungeeignet

Die Suche nach einem geeigneten Grundstück für einen Neubau schien im Jahr 2021 bereits von Erfolg gekrönt zu sein. Der Bauausschuss des Stadtrats beauftragte seinerzeit den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München mit der Prüfung einer etwa 14 000 Quadratmeter großen aktuell landwirtschaftlichen Fläche nördlich des Gewerbeparks An der Loisach. Das Areal gehört der Stadt.

Mit dem ernüchternden Ergebnis der Prüfung konfrontierte Sebastian Sens, Mitarbeiter im Rathaus-Referat Planen und Umwelt, die Mitglieder des Bauausschusses in ihrer Sitzung am Mittwochabend. Die „Lärmkontingente“ der umliegenden Unternehmen führen mit Blick auf das Neubauvorhaben laut Sens zu „immissionsschutzrechtlichen Problemen“. Der Rathausmitarbeiter empfahl, das angestoßene Bebauungsplanverfahren „Sondergebiet Demenz-Zentrum mit ambulanten und stationären Pflegeplätzen, Nebeneinrichtungen und Personalwohnungen“ einzustellen. Stattdessen, so Sens, sollten die Mandatsträger die Stadtverwaltung mit der Suche nach einem „passenderen Grundstück“ beauftragen.

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Gegen den Vorschlag regte sich im Bauausschuss Widerstand. „Wir sollten diesen Platz nicht aufgeben und prüfen, ob dort vielleicht eine Schallschutzwand aufgestellt werden kann“, forderte Dr. Hans Schmidt (Grüne). Er plädierte für eine Verschiebung des Antrags, das Verfahren zur Bebauungsplan-Aufstellung zu stoppen.

Gerlinde Berchtold (SPD) erinnerte ihre Amtskollegen an den langen Planungsprozess, da sich der Stadtrat bereits seit September 2020 mit der potenziellen Bebauung des Grundstücks an der Äußeren Beuerberger Straße befasst. „Ich hebe nicht meine Hand für die Beerdigung des Bebauungsplans“, konstatierte Berchtold. Ihrer Ansicht nach könnten Schallschutzmaßnahmen zu einer Lärmreduzierung beitragen. Zudem würde die AWO für ihren Neubau nur etwa die Hälfte der Fläche benötigen – und könnte etwas weiter von den Betrieben wegrücken.

„Energien aufwenden, um Alternativen zu suchen“ – Schallschutz weitere Möglichkeit

Fritz Schnaller pflichtete seiner Parteifreundin bei. Das Demenz-Zentrum der AWO sei „so wichtig, dass wir den Schallschutz noch mal ausarbeiten sollten“. Rathausmitarbeiter Sens sowie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) merkten jedoch an, dass für das geplante Objekt – Stichwort betreutes Wohnen – höhere Schutzansprüche gelten würden. Und: Bei einer jüngst erfolgten Begehung mit Vertretern der Stadt und des Landratsamts habe die AWO Abstand vom Neubauprojekt an besagter Stelle genommen. Dies jedoch bislang nur mündlich. Darüber hinaus mache sich die Kommune bei einer Missachtung der gesetzlich verankerten Immissionsschutzwerte schadensersatzpflichtig. Laut Heilinglechner hat die Stadt der AWO bereits andere Grundstücke in Wolfratshausen vorgeschlagen. Zum laufenden Entscheidungsprozess könne er aber öffentlich nichts sagen.

Zweiter Bürgermeister Günther Eibl (CSU) begrüßte diese Entwicklung ausdrücklich. „Die Verwaltung soll nun Energien aufwenden, um Alternativen zu suchen“, forderte er. Nichtsdestotrotz baten Berchtold, Schnaller und Schmidt darum, das Bebauungsplanverfahren für die Flurnummer 1298/7 nicht einzustellen. Wie berichtet ist das Areal als Retentionsraum klassifiziert. Das heißt, als eine Fläche, die bei Hochwasser überschwemmt werden und der angrenzenden Loisach Raum zum Ausufern geben kann. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hatte mit Blick auf den Plan, dort ein Demenz-Zentrum zu errichten, aber signalisiert, mit einer alternativen Retentionsfläche im Bereich des Gewerbegebietes An der Loisach einverstanden zu sein.

Eibl beantragte in der Sitzung des Bauausschusses eine Änderung des Beschlussvorschlags der Verwaltung – mit Erfolg. Das Bebauungsplanverfahren „ruht“, bis der AWO-Bezirksverband Oberbayern sich schriftlich zu dem Thema geäußert hat. Parallel, so das einstimmige Votum des Fachgremiums, soll die Stadtverwaltung die Suche nach einem alternativen Grundstück für ein neues Demenz-Zentrum in der Flößerstadt forcieren.

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