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- Bastian Amann
Manuel Eser
Helmut Hobmaier
Schüler der Abschlussjahrgänge kehren ab Montag in die Schule zurück. Überall tüfteln die Lehrer an einem Konzept, das auch der Pandemie standhält.
Landkreis – Ab Montag, 27. April, beginnt für etwa viele Jugendliche wieder der Ernst des Schullebens – für alle nämlich, die in den nächsten Wochen ihren Abschluss machen. Ob Abi, Quali, Mittlere Reife oder Kammerprüfung an der Berufsschule. Das FT hat nachgefragt, wie sich die Schulen auf diesen Tag vorbereiten.
FOS/BOS Freising
Keine Schule steht vor solchen Herausforderungen: Schulleiterin Roswitha Stichlmeyr und ihr Lehrerkollegium müssen ab Montag 350 Abschluss-Schüler unter strengen Abstands- und Hygiene-Auflagen in der Schule unterbringen. Die Prüfungen beginnen unmittelbar nach den Pfingstferien. „Das wird knackig“, sagt Stichlmeyr.
Ihr Konzept: Bei Ausnutzung fast aller Klassenzimmer wird vormittags und nachmittags „im Schichtbetrieb“ gearbeitet. Die einzelnen Klassen werden dabei zeitgleich, aber in verschiedenen (möglichst nebeneinander liegenden) Klassenzimmern untergebracht. Vorgesehen sei, dass stets eine Hälfte einer Klasse von einem Lehrer unterrichtet, die andere von einem zweiten Pädagogen betreut wird. Möglich sei auch, die Fächer Mathe und Deutsch parallel zu unterrichten (Kombi-Unterricht). Die Lehrer der FOS/BOS werden dabei fast alle an der Schule eingesetzt, eine Minderheit „darf die elften Klassen von zuhause aus bespaßen“, wie Stichlmeyr es formuliert.
Der Knackpunkt: Erst wenn die Abschlussschüler weg seien, könnten die nächsten (elften) Klassen an die Schule zurückkehren. „Für alle haben wir unter diesen Umständen schlicht keinen Platz“, sagt Stichlmeyr.
Staatliche Berufsschule
Auch alle Schüler, die in der Berufsausbildung sind und in den nächsten Wochen in eine Kammerprüfung gehen, rücken ab Montag in die Berufsschule ein. Klassen werden dabei bei Bedarf aufgeteilt, wie Oberstudiendirektor Matthias Fischer berichtet. Maximal 15 Schüler sitzen dann in einem Raum, der Unterricht findet ebenfalls im Schichtbetrieb statt. Platz sei ausreichend vorhanden.
Auszubildende, die nur an einem Tag in die Berufsschule gehen, haben bisher nur wenige Schultage verpasst – Stoff, der rasch zu kompensieren sein müsste, wie Fischer glaubt. Anders schaut es bei den Klassen aus, die im Blockunterricht beschult werden und mehrere Wochen Unterricht verpasst haben. Denkbar sei hier bei geteilten Klassen auch Unterricht im wöchentlichen Wechsel.
Vollzeitunterricht findet an der Berufsfachschule für Kinderpflege statt, an der es zwei Prüfungsklassen gibt. Hier gibt es zum einen relativ viel Unterrichtsstoff nachzuholen. Zum anderen bereitet Fischer noch Kopfzerbrechen, wie man die praktische Prüfung an den Kindergärten und Krippen ablegen soll, die derzeit alle geschlossen sind. Eine Lösung werde es aber auch hier geben.
Eine Abschlussklasse lernt an der Fachakademie für Sozialpädagogik für das anstehende Examen. Obwohl das noch vor Pfingsten stattfindet, bleibe genügend Zeit, um sich gut vorzubereiten, betont Fischer.
Dom-Gymnasium
62 Abiturienten bereiten sich auf dem Lehrberg ab Montag auf die Abschlussprüfungen (ab 20. Mai) vor. Dabei sitzen nur in den Deutsch-, Mathe- und in einem Englisch-Kurs mehr als 15 Schüler. Eine Aufteilung könnte man auch hier vermeiden, in dem man Räume findet, die größer als Klassenzimmer sind, um so den Mindestabstand einhalten zu können. Da sei man gerade dran, so Oberstudiendirektor Manfred Röder optimistisch. Statt klassischem Unterricht liegt der Schwerpunkt auf der Vertiefung von Gelerntem und der Behandlung von Stoff, der wegen der Schulschließung nicht behandelt werden konnte. Daher sei es auch denkbar, dass Lehrer zwischen zwei Klassenzimmern pendeln und die Schüler beim Büffeln aufs Abi betreuen.
„Was die vorgeschriebenen Hygiene-Standards betrifft, sind wir gut gerüstet“, berichtet der Schulleiter – Flüssigseife und Einmal-Papierhandtücher seien ausreichend vorhanden. Aber nicht nur die Abiturienten haben Röder, das Kollegium und die Eltern zuletzt auf Trab gehalten. Das Lernen zuhause – digitaler Unterricht – war jetzt gerade Schwerpunkt einer Lehrerkonferenz. Die Mehrheit der Schüler muss oder darf schließlich auch am „Dom“ noch bis 11. Mai zuhause bleiben – mindestens.
Gymnasium Moosburg
Claudia Theumer, Leiterin des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums Moosburg, freut sich darauf, zumindest die 74 Abiturienten bald wieder begrüßen zu können – einerseits. „Andererseits ist die Ansteckungsgefahr natürlich höher als zuhause.“
Um die so gering wie möglich zu halten und damit auch alle zu schützen, die möglicherweise in die Risikogruppe fallen, hat die Schule Vorkehrungen getroffen. Lehrer wie Schüler sind dazu angehalten, im Unterricht Mundschutz zu tragen. „Denn gerade beim lauten Sprechen steigt die Gefahr der Tröpfcheninfektion“, sagt Theumer. Der Unterricht findet in größeren Räumen statt, jeder Schüler erhält einen eigenen Tisch, sodass Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Kontaktflächen werden täglich desinfiziert.
Der Stundenplan wurde so gebündelt, dass möglichst wenig Raumwechsel stattfinden müssen und die Präsenzzeiten an der Schule so kurz wie möglich gehalten werden. „Der Unterricht beginnt zudem zeitversetzt“, berichtet Theumer. „Nicht alle fangen gleichzeitig an.“ Auch die Pausen werden gestaffelt, unterschiedliche Pausenareale festgelegt. Für jeden Raum gibt es fest zugewiesene Toiletten. Das WC darf nur einzeln betreten werden.
Ohnehin geht es in den wenigen Tagen vor Prüfungsbeginn am 20. Mai nicht mehr so sehr um Inhalte, sondern um Prüfungsvorbereitung, erklärt Theumer. „Wie geht man die Aufgaben an? Wie teilt man sich die Zeit ein?“ Wichtig sei jetzt auch der soziale Aspekt. „Ängste im Vorfeld einer Prüfung lassen sich besser auffangen, wenn man sie teilt.“ Das könne ein Videochat nicht leisten. „Dazu braucht es das persönliche Treffen – auch der Jugendlichen untereinander.“
Realschule Eching
Die Leiterin der Echinger Imma-Mack-Realschule, Gertraud Weber, kam gerade aus der Besprechung mit ihren Kollegen, als das Tagblatt sie am Dienstag erreichte. „Wir haben jetzt zweieinhalb Stunden mit der erweiterten Schulleitung getagt und stehen, ehrlich gesagt, noch ganz am Anfang“, berichtete Weber. Erst am Montagabend sei man vom Kultusministerium mit den letzten Infos versorgt worden. Weber: „Wir planen diese Woche jetzt so, dass wir am Freitag die Eltern detailliert informieren und dann eben am Montag loslegen können.“
Dazu gehört ein neuer Stundenplan für die betroffenen vier zehnten Realschul-Klassen und die entsprechende Aufteilung in die Klassenzimmer, bei denen Abstände und andere Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden müssen. „Aber wie genau das alles aussieht, wird sich erst im Laufe der Woche herausstellen“, bat Weber noch um etwas Geduld. „Jeder von uns hat jetzt eine Menge Arbeit vor sich.“ Echings Realschul-Chefin ist allerdings ziemlich optimistisch, was die räumliche Situation für die Abschlussklassen betrifft: „Wir verfügen da über sehr gute Voraussetzungen.“
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