Probleme gehen damit einher

Der Tourismus boomt: Sind inzwischen Grenzen erreicht?

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Im Isartal setzt man weiter auf naturnahen Tourismus – Mittenwald mit dem Karwendel ist einer der Magneten.
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Der Tourismus im Landkreis brummt. Die Region zwischen Zugspitze und Staffelsee, zwischen Ammer und Loisach zieht immer mehr Urlauber an. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Landkreis – Bad Bayersoiens Bürgermeisterin Gisela Kieweg war im Gemeinderat stolz, als sie die Tourismuszahlen des vergangenen Jahres auf den Tisch legte: „Wir haben die Marke von 100 000 Übernachtungen geknackt.“ Nach Jahren der Stagnation durch die Kurreform Mitte der 1990er Jahre endlich wieder ein Lichtblick für das Moorbad, das zum Großteil vom Urlaubsgeschäft lebt. „Das war immer mein Ziel“, sagt Kieweg zufrieden. Mit der Steigerung liegen die Soier im Landkreis-Trend. Der Tourismus brummt. Bis auf wenige Ausnahmen melden alle Kommunen für 2018 Steigerungsraten bei Gästeankünften und Übernachtungen.

Krösus ist natürlich Garmisch-Partenkirchen. Der Markt stieß in neue Dimensionen vor, wie Thomas Unseld, kaufmännischer Leiter von GaPa-Tourismus, kürzlich im Tourismusausschuss belegte. Ein Plus in beiden Bereichen von mehr als acht Prozent. Was mit seine Ursache in einer höheren Bettenzahl dank diverser Hotel-Eröffnungen hat.

Wieviel Tourismus verträgt die Region?

Auch bei den Nachbarn boomt es. Die Alpenwelt Karwendel meldet ebenso ein Plus wie die Ammergauer Alpen. Im Isartal landete Krün erstmals bei über 100 000 Übernachtungen, im Ammertal zeichnet Geschäftsführer Florian Hoffrohne in seinem Jahresbericht „ein sehr stabiles Bild des Tourismus’“. Das Blaue Land rund um Murnau profitiert „von einer Veränderung hin zum Camping“, wie ihn Destinationsmanager Simon Bauer beobachtet. Ein Trend, der Seehausen mit seinen zwei Campingplätzen gar ein Plus von fast 18 Prozent bei den Gästeankünften bescherte.

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Doch die Mengen bringen Schwierigkeiten mit sich. In Oberammergau ist Hoffrohne zwar „grundsätzlich zufrieden“ mit den Zahlen, allerdings stelle sich die Richtungsfrage. „Wie viel Tourismus verträgt das Ammertal?“ Hoffrohne ist sich sicher: „Man muss ihn steuern.“ Denn mehr Urlauber bedeutet mehr Infrastruktur, die von den Kommunen vorzuhalten ist. Der zunehmende Verkehr ist ein Problem, räumen die Touristiker ein. „Wir müssen die Tagesgäste besser lenken“, gibt Blaue-Land-Mann Bauer als Ziel aus. Die Regionen bewerben deshalb ihre ökologischen Mobilitätskonzepte. Kostenlose Fahrten mit dem ÖPNV lautet die Zauberformel. „Wir setzen auf die Anreise mit der Bahn“, sagt Sabrina Blandau, Geschäftsführerin der Alpenwelt Karwendel. Immerhin 90 Prozent der Gäste im Isartal kommen aus Deutschland, vor allem aus Nordrhein-Westfalen.

Bettenschwund durch Generationswechsel

Sorgen machen auch strukturelle Probleme. Weitere Steigerungen sind so schwer machbar. In Oberammergau seien die Kapazitätsgrenzen erreicht, rechnet Ammergauer-Alpenchef Hoffrohne vor. „In Mittenwald brauchen wir Hotelbetten“, ergänzt Kollegin Blandau ob des Trends zum Kurzurlaub. „Wir haben da definitiv eine Nachfrage.“ Folge des Engpasses im Isartal: „Eine Steigerung in der Hauptsaison ist schon schwierig“ – deshalb wird der Fokus auf die Nebensaison gelegt. Diese wird mit Kampagnen wie dem „Bergfrühling“ beworben. Blandau: „Wir haben noch Potenzial.“

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Im Blauen Land spricht Manager Bauer von einer „Problematik, dass wir einen Bettenschwund haben“ – bedingt dadurch, dass bei anstehenden Generationenwechseln in den privaten Betrieben die Nachfolger fehlen. Bauer sieht das Gewinnen neuer Gastgeber als eine Aufgabe der Zukunft an. Für das Ammertal mahnt Tourismus-Chef Hoffrohne zudem eine „angemessene Preisstruktur“ an, um die Wertschöpfung in der Region zu halten. Qualität habe nun mal ihren Preis. „Ich darf nicht mit der Türkei und Ägypten konkurrieren.“

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In Bad Bayersoien jedenfalls würden sie sich über mehr Touristen durchaus freuen. Doch so einfach ist das nicht, wie Bürgermeisterin Kieweg weiß. „Man muss auch etwas dafür tun.“

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