Landratsamt und Sachverständige stellen Ergebnisse vor

Altlasten: Entwarnung auf der Baustelle in Benediktbeuern

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Erklärten Hintergründe auf der Baustelle: (v. li.) Wolfgang Willwohl (Geschäftsführer des Bauträgers Keval), Benedikt Faller (Landratsamt, Sachgebiet Umwelt), Martin Florian (Sachverständiger) und Max Hamperl von der ausführenden Erdbaufirma.
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Das neue Baugebiet am Benediktbeurer Bahnhof hat in jüngster Zeit für Unruhe gesorgt. Im Kern stand die Frage, wie stark der Boden belastet ist. Landratsamt und Sachverständiger geben jetzt Entwarnung.

Benediktbeuern – Fünf Doppel- und drei Reihenhäuser sollen auf dem 4500 Quadratmeter großen Areal entstehen, das der Bauträger mit „schön wohnen am Klostergarten“ vermarktet. Weil es unmittelbar am Bahngleis liegt, hatte es schon bei der Aufstellung des Bebauungsplans Diskussionen im Gemeinderat gegeben (wir berichteten), vor allem aufgrund der kritischen Stellungnahmen von Fachstellen des Landratsamts (Lärmschutz, Bodenschutz und Gesundheitsamt). Auch Nachbarn stehen dem Vorhaben kritisch gegenüber. Mit Auflagen für den Bauträger wurde der Bebauungsplan schließlich im vergangenen Dezember genehmigt.

Die Bauarbeiten haben vor Kurzem begonnen. Nun sind Sorgen aufgetaucht, dass der Aushub, der dort in großen Haufen gelagert wird, belastet ist (wir berichteten). Das Landratsamt und ein Sachverständiger geben jetzt aber Entwarnung. Zusammen mit Bauträger und Erdbaufirma hatten sie am Freitagvormittag die Medien zu einem Ortstermin eingeladen.

Laut Benedikt Faller, im Landratsamt tätig im Sachgebiet Umwelt/Bereich Abfallrecht gab es im Vorfeld der Baumaßnahme 2015 eine „orientierende Untersuchung“. Dabei wurden acht Bodenproben entnommen, drei Stück davon waren auffällig. „Diese Auffälligkeiten sind typisch für ein ehemaliges Bahngelände“, sagt Faller. In der obersten Bodenschicht zwischen null und 30 Zentimetern habe man Rückstände von Glyphosat und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) gefunden, die zum Beispiel in Teer vorkommen. „Die Werte sind aber so niedrig, dass sie nicht gesundheitsgefährdend sind“, sagt Faller. Die Proben ergaben zwischen fünf und zehn Milligramm PAK pro Kilogramm, berichtet Martin Florian, Sachverständiger und Ingenieur. PAK gelten ab 1000 Milligramm pro Kilogramm als gefährlich.

Florian ist für die Überwachung des Aushubs verantwortlich. Er unterteilt diesen schon vor Ort, dann werden Proben genommen, die in einem Labor untersucht werden. Dauer: drei Tage.

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Die anfängliche Sorge, dass auf diesem Areal mehr auffälliges Material gefunden werde, habe sich nicht bestätigt, sagen sowohl Florian als auch Faller. Der Aushub wird fachlich in die Kategorie Z 1.2 eingestuft. Zum Vergleich: Z 0 ist die unterste Kategorie. Die Beprobung beziehungsweise Einteilung ist auch deshalb erforderlich, um zu sehen, wo der Aushub entsorgt werden kann. Das Material von diesem Areal kann in einer Kiesgrube verwertet werden, in diesem Fall ist eine Grube in Freising geeignet. Wäre der Aushub stärker belastet, müsste eine passende Deponie gefunden werden.

Der Boden im gesamten Baugebiet wird noch einen Meter tief abgetragen, dann werden die Baugruben bis in eine Tiefe von drei Metern ausgehoben. Dabei werden laufend Proben entnommen. Diese haben schon jetzt gezeigt, dass es keine weiteren Auffälligkeiten gibt. „Ich gehe nicht davon aus, dass hier noch etwas auftaucht“, sagt Faller. Die beteiligten Firmen würden sehr kooperativ mit dem Landratsamt zusammenarbeiten, lobt er.

Derzeit sind drei sogenannte Haufwerke mit Folie abgedeckt. Der Grund ist witterungsbedingt: „Da bei der Entsorgung in Tonnen abgerechnet wird, möchte man kein Wasser darin haben“, erklärt Sachverständiger Martin Florian.

Das Haufwerk H 4 gleich links zu Beginn der Baustelle wird auf dem Areal wieder verwendet, H 2 wird demnächst entsorgt. H 1 und H 3 sind schon weg. Ganz am Ende der Fläche liegt seit Längerem ein Gemisch aus Schnee, Gestrüpp und Erde. „Das stammt aber nicht von dieser Fläche hier“, sagt Unternehmer Max Hamperl. Man überlege, es mit einer schwarzen Folie abzudecken, damit man die Sonne anziehe und es schneller schmelze.

Der Bauträger will Ende Mai/Anfang Juni mit dem Hochbau anfangen. „Die Häuser sollen im dritten Quartal 2020 fertig sein“, sagt Wolfgang Willwohl, Geschäftsführer der Firma Keval. Der Vertrieb erfolge derzeit nur innerorts, in zirka zwei bis drei Wochen „gehen wir auf den Markt“.

Willwohl zufolge besteht an den Grundstücken „reges Interesse“. Entlang der drei Reihenhäuser entsteht eine Schallschutzwand. Die Gemeinde hatte das neue Wohngebiet vor Kurzem „Pfarrer-Huber-Weg“ getauft.

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