Stimmkreis Weilheim

Landtagskandidat Martin Neuner (Die Linke) im Porträt: „So muss Digitalisierung ablaufen“

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Tritt für Die Linke an: Martin Neuner, hier am Farchanter Bahnhof. Sein Steckenpferd ist der Verkehr
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In einer Serie zur Landtagswahl stellen wir alle Direktkandidaten aus dem Stimmkreis Weilheim vor. Heute: Martin Neuner von den Linken.

Landkreis – Martin Neuner macht sich wenig Hoffnung, nach eigener Einschätzung sieht er die Aussicht für den Einzug in den Landtag realistisch: „Meine Chancen stehen nicht unbedingt allzu hoch.“ Kein Wunder, tritt der 23-Jährige im Stimmkreis 131 (Garmisch-Partenkirchen Nord und Weilheim-Schongau) für Die Linke an.

Denn diese Partei spielt bei den Wählern in der Region eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch – ein gutes Ergebnis wäre Neuner sehr wichtig. Durch ein überraschend positives Abschneiden könne Die Linke bei den Landtagswahlen ein starkes Zeichen setzen und anderen Parteien das eigene Potenzial präsentieren, sagt der Systementwickler.

Verkehr als Steckenpferd

Aufgewachsen ist Neuner in Farchant, dort wohnt er jetzt wieder bei seinen Eltern, nachdem er sein Informatikstudium in Innsbruck abgeschlossen hat. Seit Februar arbeitet er als Softwareentwickler bei einer Firma in Uffing. Noch im September beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt: Er nimmt ein weiterführendes Studium in Amsterdam auf. Für zwei Jahre wird er in den Niederlanden sein Wissen über Computersicherheit erweitern.

Sein Interesse für Politik erwuchs vor sieben Jahren, als sich der damals 16-jährige Schüler des Werdenfels-Gymnasiums Garmisch-Partenkirchen mit Digitalisierung beschäftigte. Er war kurz davor, den „Piraten“ beizutreten, schloss sich dann aber im Zuge der Klimaschutzbewegung – Stichwort „Fridays for Future“ – der Linken an. „Es hat mich stark bewegt, dass sich die junge Generation politisiert“, sagt Neuner. Am ehesten traut er Der Linken zu, mit deren Programm die Klimaschutzziele für 2050 aus dem Pariser Abkommen zu erreichen. Seit 2018 ist er Parteimitglied.

Sein Steckenpferd ist der Verkehr. Sein Credo: „Verkehr ist eine staatliche Aufgabe, sollte von der öffentlichen Hand gesteuert werden, nicht vom privaten Markt.“ In die regionalen Verkehrskonzepte hat er sich längst eingearbeitet, ein wichtiges Thema ist ihm die Reaktivierung der Fuchstalbahn zwischen Schongau und Landsberg.

Vom nächsten Problemfeld ist er als Farchanter direkt betroffen: „Wie schaffen wir es, dass es am Samstag keinen Stau im Loisachtal gibt?“ Darüber macht er sich seit Jahren Gedanken. Neuner kritisiert den Bau neuer Parkplätze an der Kuhflucht in Farchant oder am Lahnewiesgraben bei Burgrain. „Da hat man die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“

Für den Kreisverband der Linken gilt der begeisterte Mountainbiker mit seinen 23 Jahren als Nachwuchshoffnung. Wobei, so räumt er ehrlich ein, „wir sind dünn besetzt, da wird man sehr schnell zum Hoffnungsträger“. Darüber hinaus sieht er sich als Lokalpolitiker auch abhängig vom Bundestrend – und da ist die Entwicklung für die Linke nicht gerade erfreulich. „Trotzdem will ich Fuß fassen“, gibt sich der Informatiker kämpferisch.

„So muss Digitalisierung ablaufen“

Zweiter Schwerpunkt ist die EU, zudem will er die Themen ÖPNV, Tourismus und Integration anpacken. Zu seinen Stärken zählt Neuner die Digitalisierung. In diesem Zusammenhang bemängelt Neuner, dass es das 49-Euro-Ticket nur als Chipkarte oder App gibt. „Für alte Leute absurd, dass man die Karte nicht ausdrucken kann“, schimpft er.

Ein weiteres Manko: das Ausfüllen von Bafög-Anträgen. Oder: Nach der Geburt eines Kindes laufe es in Estland unkomplizierter ab als hierzulande. „Es kriegt einen Namen, wird registriert, das Kindergeld wird überwiesen, nach sechs Jahren kommt die Einladung zur Einschulung. Ohne einen Finger zu krümmen – so muss Digitalisierung ablaufen“, fordert er.

Im tiefschwarzen Oberbayern will sich Neuner als Mitglied der Linken nicht selber ausgrenzen. „Ich gehe auch zum Waldfest in Farchant“, betont er. Die Mitmenschen seien aufgeschlossen, einige würden aber auch schon überrascht schauen, wenn er sein politische Zugehörigkeit preisgibt. „Aber mir ist noch nie an den Kopf geworfen worden, dass ich ein Kommunist bin“, sagt Neuner und lacht.

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